Kulturinteressierten Schülern Möglichkeiten zeigen

Von: ptj
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Für viele ist es im Probenkeller „am coolsten“. Foto: Jagodzinska

Jülich. Grundschüler der Gemeindschaftsgrundschulen (GGS) Ost und Nord rocken im KuBa, versuchen sich am Schlagzeug oder als DJ, proben ihre Fähigkeiten als Regisseur oder erwerben Vorkenntnisse als Filmtechniker. Das Ganze ist Teil des Projekts „Kulturstrolche in NRW“, das zunächst ein Modellprojekt der Stadt Münster war. Projektidee und Design übernahm das Kultursekretariat NRW Gütersloh und initiierte die Verbreitung.

Die Umsetzung in der Partnerstadt Jülich betreut Christoph Klemens vom Kulturbüro. Künstler und Kulturinstitutionen laden Kulturstrolche vom zweiten bis zum vierten Schuljahr ein, hinter die Kulissen zu blicken und ihre Neigungen zu erproben. Zum zweiten Mal diente der Kulturbahnhof mit seinen vielen Kulissen als Veranstaltungsort der Rallye. Während Altersgenossen bei sengender Hitze in der Schule schwitzten, wechselten die Schüler, in vier Gruppen aufgeteilt, mit je einer Betreuungsperson zwischen vier Stationen umher.

E-Gitarre und Schlagzeug

Im Probenkeller wartete der vielseitige Musiker Andi Cormanns mit E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und zwei selbstgebauten Didgeridoos auf seine jungen Gäste. Er erarbeitete mit den Kindern die Unterschiede zwischen E- und Bassgitarre, stimmte seine Gitarre nach „Flageolett-Tönen“, zeigte, „was man mit einem Verstärker alles machen kann“, oder führte die jungen Talente ins Schlagzeugspielen ein. „Am coolsten“ fanden Yannik Debertz (9) und Erik Strauch (8) Bass- und E-Gitarre, zumindest bis sie die aus ausgehöhltem Kirschholz angefertigten Didgeridoos hörten. So leicht, wie es bei Meisterspieler Cormanns aussieht, ist das Spiel auf dem Instrument der australischen Ureinwohner jedoch nicht. Man muss die Zirkularatmung beherrschen.

Mischpult und CD-Spieler

Zweite Station war DJ Uli Merkers, der auf seinem Pioneer Mischpult mit zwei CD-Spielern zeigte, wie man scratcht, Echo- oder Modulationseffekte oder Filter einspielt. Während früher grundsätzlich Schallplatten gecratcht wurden, wird heute die Musik über USB-Sticks eingespielt. Ist der Unterschied hörbar? Nein, da sind sich Merkers und der ebenfalls anwesende Eventmanager Daniel von Büren einig. Einige Kids fingen sogleich an zu rocken, als Uli auflegte. Sie wussten genau, was sie gerne hören wollten: „Hast du Gangnam Style?“

Im Vorführraum nebenan herrschte hingegen Kinoatmosphäre. Bevor der Kurzfilm „Waschmaschine“ auf Leinwand projiziert wurde, demonstrierte Techniker Klaus Kraft das Prozedere: Die durchnumerierten Filme werden als kleine Rollen in Filmdosen angeliefert, die wiederum in Filmkisten gestapelt sind. Dann werden sie mit Tesastreifen aneinander geklebt und aufgespult.

Die Kinder sahen auf den gegen das Licht gehaltenen Filmstreifen am Rand blaue Streifen mit weißen Strichen, die der 35 mm- Kinoprojektor im mobilen Wagen abtastet und über die Boxen im Dolby Surround ausstrahlt. Allerdings „ist das Ende des 35 mm-Films in Sicht“, wie Klemens bedauerte. Noch ein paar Türen weiter und die Gruppe befand sich im kleinen Saal, wo die „Bühne 80“-Schauspieler Claudia Cormann-Wiersch und Rudi Muschalek zur „Theaterprobe“ geladen hatten. Sie präsentierten den begeisterten Kids den urkomischen Loriot-Sketch „Das Ei“. Dann erarbeiteten sie mit den aufgeschlossenen Grundschülern Begriffe wie Regisseur, Souffleur, Requisiten und Kostüme und benannten sogleich einen Souffleur unter ihnen. „Sollen wir euch das Stück einmal anders zeigen?“

Auf dieses Angebot von Cormann-Wiersch stiegen die Kinder sogleich ein. Sie schlugen vor, die Handlung um das viereinhalb-Minuten-Ei an der Schultafel vorzuführen, was Muschalek nach eigenem Bekunden missfiel. War das wirklich der Fall oder war der erstklassige Schauspieler bereits eingetaucht in seine neue Rolle? Die Kinder waren jedenfalls begeistert und bestimmt nicht das letzte Mal interessiert daran, als Kulturstrolch loszulegen.

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