Jülich - Kulturelles Glanzlicht entzündet im Jülicher Hexenturm

Kulturelles Glanzlicht entzündet im Jülicher Hexenturm

Von: Marzena Vomberg
Letzte Aktualisierung:
15885404.jpg
Bürgermeister Axel Fuchs erfreute die Kunstschaffenden und das Publikum mit seiner Aussage: „Kein Low-Budget für Kulturangebot in Jülich“. (v. l.) 1. Vorsitzende des Jülicher Kunstvereins, Kirstin Müller-Lehnen, Susanne Schlüter, Martin Marquardt, Helene Robens, Rascho Kardo, Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, Mirjana Stein-Arsic, Christel Jäschke und Rudolf Vaasen. Foto: Marzena Vomberg

Jülich. Der Hexenturm ist in seiner Funktion mitten in der Adventszeit nicht nur als das altbekannte Rurtor, sondern auch als ein Kunst-Tor zu bezeichnen. Zum dritten Mal eröffnete das Jülicher Wahrzeichen seine Pforten den Kunstschaffenden und Kunstbegeisterten zu eine Adventsaustellung in Kooperation mit dem Kunstverein Jülich.

Bereits am Tag der Eröffnung erstürmten die Kulturliebenden die steile Eingangstreppe in Scharen. Was sie erwartete, war eine Kunstausstellung der besonderen Art.

Alle ausstellenden Künstler, sechs Vereinsmitglieder und ein Newcomer, waren vertreten und für den Kontakt mit den Besuchern zugänglich sowie dem Fachsimpeln nicht abgeneigt. Bei einem Sektempfang begrüßte die Kunstverein-Vorsitzende Kirsten Müller-Lehnen Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs und die zahlreich versammelten Besucher. Die mit größter Sorgfalt auf verschiedenen Stockwerken platzierten Kunstwerke luden wahrlich zu einer kulturellen Reise jenseits des üblichen Weihnachtsmarktgeschehens ein.

Weiße, luftige Textilfahnen begleiteten die Zuschauer durch einen Übergangsflur von einem Ausstellungsraum in den nächsten. Mit farbkräftigen Blütenbildern und Poesieversen versehen, spiegeln diese „Poesiefähnchen“ die gegenseitige Wechselwirkung von Mensch und Natur wider. Autorin Helene Robens verbindet hier die lebendige Schönheit des geschriebenen Worts und Fotografie zu einer harmonischen Einheit. Von dieser Leichtigkeit und Farbenpracht begleitet, begaben sich die Zuschauer in einen runden Turmbereich, der mit Bildern in schweren antiken Rahmen aufwartet.

Martin Marquardts digital bearbeitete Fotos stellen hier eine andere Art von Schönheit vor. Alte Strommaschinen zeugen von handwerklicher Kunst der früheren Zeiten. Fotografien von ausgeschlachteten Geräten, schrottreifen Maschinenteilen und ausrangierten Elektroapparaten fügen sich dank einer raffinierten Bearbeitungstechnik zu einem neuen Bild zusammen. Kraftvoll im Ausdruck, lassen sie den Zuschauer etwas Neues, dem Ursprung weit Entferntes, erkennen.

Aus drei Jahrzehnten

Eine Porträtgalerie mit Werken aus drei Jahrzehnten präsentiert die gelernte Fotografin Susanne Schlüter. Mit der analogen und digitalen Fototechnik bestens bekannt, experimentiert sie mit der Auswahl verschiedener Materialien und Darstellungen. Die Zusammenstellung der Werke bietet einen Einblick in die Veränderung der Vorstellungen von menschlichen Porträts im Laufe der Jahre. Sie sind alle Zeitdokumente und als solche besitzen sie die Macht, eigene Erinnerungen und längst vergessene Empfindungen zu erwecken.

Im selben Raum befinden sich auch andere Abbilder menschlicher Gesichter. Als Gast bei der Adventsschau stellt Rascho Kardo, der Newcomer, seine Arbeiten zum ersten Mal in Jülich aus. In den Acrylarbeiten und Tonskulpturen präsentiert er, wie er selbst sagen würde: „Das was ich mitgebracht habe, was mich bewegt.“ Der gebürtige Syrer thematisiert in seinen farbintensiven Werken das Wissen um Vergänglichkeit und Visionen über die Welt, wie er sie sieht.

In einem gesonderten Raum werden Bilder dreier Künstler, die mit verschieden Techniken arbeiten, zusammengefügt. Mirjana Stein-Arsic zeigt dem Publikum neben den neuesten Zeichnungen und Grafiken auch ihre freie und experimentelle Malerei. Ein von Ultramarintönen beherrschtes und mit Alufolie kunstvoll komponiertes Werk trägt den Titel „Metamorphose“. Dieser ist bezeichnend für die Künstlerin, die die Veränderung als das Medium der Weiterentwicklung versteht. Ein Triptik, „Terra incognita“, das die Erde von oben abbildet und die eigentlich grünen Flächen in der künstlerischen Freiheit leuchtend rot erscheinen lässt, ist ohne den Titel zu beachten, eine farbenfrohe mit schimmernden Erdharzen veredelte Abstraktion.

Mit verschiedensten Materialien, wie alten Betttüchern, Zeitschriften, Fotos, Schrotteilen und sogar Zitrusfrüchten arbeitet Christel Jäschke. Durch die Materialverbindung und Verwendung von Acrylfarben entstehen Bilder, die oft eine fantastische Welt heraufbeschwören. Andere überzeugen durch kunstvoll harmonierende Pastelltöne und freie Interpretation der zusammengestellten Motive.

Kraftvolle Arbeiten

Einen großen Kontrast zu diesen fragilen, femininen Werken bilden die großen, kraftvollen Arbeiten von Rudolf Vaasen. Der Verfechter der informellen Kunst spiegelt in seinen Tafelbildern die gewaltige Intensivität des Daseins wieder. Der Zuschauer findet hier Gewalt und Harmonie, Sanftheit und Aggression, Stille und Schreie. Es sind Darstellungen von einerseits entfesselten Emotionen und anderseits ruhiger Schönheit. Seine Worte: „Malerei bedeutet für mich die gleichzeitige Auseinandersetzung mit Material, Gefühl und Verstand, die ich in meine Bildordnung übertrage“ beschreiben exakt, das was auf den Bildern zu sehen ist.

In seine Begrüßungsrede bekräftigte Bürgermeister Axel Fuchs die gewichtige Rolle des Kulturangebots in der weiteren Entwicklung der Stadt Jülich. „Unsere Stadt wird wachsen, dann brauchen wir dieses Kulturangebot, und zwar nicht im Low-Budget Bereich.“ Seine abschließende Erklärung: „Mein fester Wille ist, diese weichen Standortfaktoren zu erhalten“, sorgte bei den Kunstschaffenden und kulturbegeisterten Zuhörern für anerkennenden Applaus.

Die Ausstellung ist am heute und Sonntag, 17. Dezember, von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert