Jülich - „Kultur ohne Grenzen“: Beachtlicher Brückenbauer seit 15 Jahren

„Kultur ohne Grenzen“: Beachtlicher Brückenbauer seit 15 Jahren

Von: ptj
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Bunt und zauberhaft: Der iranische Frauenchor „Banu“ beeindruckte mit optischer und gesanglicher Darbietung. Foto: Jagodzinska

Jülich. Warum der Verein „Kultur ohne Grenzen“ sein 15-jähriges Jubiläum feiert? Diese rhetorische Frage beantwortete Vereinsvorsitzende Mareijke Barkhoff so: „In Anbetracht der Tatsache, dass unser dreiköpfiger Vorstand schon längst das Rentenalter überschrittet hat, haben wir uns gedacht: Feiern wir lieber jetzt, bevor wir das 20-Jährige nicht mehr schaffen.“

Die Gründung im Jahre 1999 ging aus einer Privatinitiative zur Unterstützung von Künstlern im Exil hervor, die für letztere lebensnotwendig ist. Barkhoff dankte für die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern KuBa, Stadtbücherei und VHS, der evangelischen Kirche und den Städten Jülich und Linnich.

Über Sprachgrenzen hinweg

„Musik erreicht die Menschen über alle Sprachgrenzen hinweg“, diese Feststellung unterstrich die Vorsitzende mit einem Zitat des von ihr geschätzten Musikers Bobby McFerrin: „Musiker sind die Architekten des Himmels.“

In 15 Jahren hat der gemeinnützige Verein stolze 100 Veranstaltungen auf die Beine gestellt und 125 Vermittlungen getätigt, darunter neun Konzerte und 15 Vermittlungen in 2013. In einer mehrstündigen Jubiläumsfeier mit Konzert und Begegnung feierten Macher, Künstler und Gäste unter der Schirmherrschaft von Manfred Leuchter – es gab keinen freien Platz im KuBa. Gesponsert wurde die Feier von der Victor-Rolff-Stiftung aus Vettweiß, dem Kreis Düren, der Sparkasse Düren, der Raiffeisenbank Erkelenz und „einem Kreis großzügiger Bürger, die ungenannt bleiben möchten“.

Das Konzert startete mit der Trommelgruppe des Heilpädagogischen Zentrums Jülich unter Leitung des Dürener Tänzers, Musikers und Instrumentenbauers Kader Camara. Begeistert verstärkten die Zuhörer den Rhythmus der Basstrommeln. Als zweiter Jülicher Verein trat der Jülicher Männergesangverein auf die Bühne. Unter dem Dirigat von Maria Puschmann brachten voluminöse Männerstimmen unter anderem American Folk Songs wie „O my darling Clementine“ zu Gehör.

Gleich zweimal verzauberte der iranische Frauenchor „Banu“ (Die Angesehene) unter Leitung von Maryam Akhondy das Publikum. In ihren bunten verzierten Gewändern interpretierten die Sängerinnen „tägliche Frauenthemen“ in Farsí, Kurdisch und Aserbaidschanisch. Akhondy, die Frauen im deutschen Exil eine Stimme geben will, dominierte mit ihren vokalen Koloraturen. Der A-capella-Chor wurde diesmal von einer Pianistin aus Aserbaidschan begleitet. „Weil es auf der Welt Männer und Frauen gibt“, folgte ein gemeinsamer Auftritt mit dem Jülicher Männerchor.

Gleichermaßen exotisch trat ein chinesisches Trio auf die Bühne, das Publikum fühlte sich an den kaiserlichen Hof vor 1000 Jahren versetzt. Auf der zweisaitigen chinesischen Kniegeige „Erhu“ spielte der „berühmteste Chinese Jülichs“, Professor Da Zhang. Ihn begleiteten Daisy Dong auf der „Guzheng“, der chinesischen Wölbbrettzither, und die wundervolle chinesische Koloratursängerin Sophia Wei. Gemeinsam entzückten sie mit einem Stück aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini. Zhang ließ zwei modernere und rhythmischere Stücke folgen, die „Erhu“ wurde diesmal durch Playbacks verstärkt.

Eine Koryphäe ist auch Hesen Kanjo aus Syrien, der das Publikum mit seiner orientalischen „Quanun“ (Kastenzither) in seinen Bann zog. Zu seinem Repertoire zählten Eigenkompositionen wir das „Hevi“ (Hoffnung), Stilmixe aus eigenen und klassischen Arrangements des Vorderen Orients und das „Ronda Ala Turca“ von Mozart. Der Ausnahmekünstler spielt seine Quanun mit zehn statt mit zwei Fingern und verdoppelte die Saitenzahl.

Mit „Oriental Jazz“ brachte das Quartett „OudNight“ nach der Pause das Publikum in Wallung. Hier harmonierte die namengebende Kurzhalslaute „Oud“, eines der wichtigsten Instrumente im Nahen Osten, mit Geige, Kontrabass und Schlagzeug. Eingängige Kompositionen setzten die Grundlage der orientalischen Musik, genannt „Maquam“ (Standort), in freie, moderne Formen ein und kombinierten sie mit orientalischen, westlichen oder ethischen Rhythmen.

Bevor der iranische Frauenchor „Banu“ den viel beklatschten Abschlussakkord anstimmte, begeisterte das deutsch/ungarische „Duo Tango También“ aus Aachen. In dem konzertanten Tango des weiblichen Duos harmonierten leidenschaftlich ostinate Tango-Rhythmen und ruhige melancholische Weisen mit Sambaklängen.

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