Kündigt die Stadt den Schülerfirmen Kredite?

Von: Volker Uerlings
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Mit Logo und Elan in der Bekleidungsbranche aktiv: die Beschäftigten der Schülerfirma des Gymnasiums Zitadelle, einer T-Shirt-Druckerei.

Jülich. Nirgends kommen Schülerinnen und Schüler der Berufswelt wohl so nah wie in einer Schülerfirma. Von der Idee über Marktanalyse, Einkauf, Produktion bis hin zu und Marketing und Verkauf ist alles dabei, was einer Geschäftsidee zum Erfolg verhelfen kann.

Gewinne und Verluste inbegriffen. Diese Realitätsnähe ist ursächlich dafür, dass sich Dutzende junge Leute und etliche Lehrer an fünf weiterführenden Schulen der Stadt engagiert in den Modellunternehmen einbringen. Seit dieser Woche sind sie um Erfahrungen reicher, auf die sie so schnell nicht hätten stoßen wollen: Die „Banken” kündigen die Kredite. Die Jung-Betriebe scheitern womöglich an fehlenden 20.000 Euro im Jülicher Haushalt. Dieses Geld müsste die Stadt aufbringen, um das Modellprojekt fortzuführen.

Ursprünglich war die Agentur für Arbeit mit über 20.000 Euro als zweiter Finanzier dabei, will aber die „Gaben” mehr als halbieren. Jülich hat selbst auch kein Geld, und der Zuschuss für die Schülerfirmen gehört „ohne Zweifel zu den freiwilligen Leistungen”, wie Kämmerer Andreas Prömpers am Donnerstag im Fachausschuss erklärte. Die Sitzung wurde auch von Jugendlichen und Lehrern besucht, die sich zu Wort meldeten. Eine Schülerin verlas, was viele dachten: „Die Entscheidung enttäuscht uns sehr. Ein tolles Projekt fällt leichtfertig dem Spardruck zum Opfer.” Die junge Dame von der GHS Ruraue trifft es mit ihren Mitstreitern besonders, da die dortige „Grafik- und Design-Agentur” erst im März 2010 ihre Arbeit aufgenommen hat. Sollte es wirklich so sein, dass die Firma „über ein Logo und den Namen nicht hinauskommt”?

Lehrer wie Schüler argumentierten damit, dass in diesem Projekt Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit vermittelt werden. Und genau daran mangele es nun den Finanzgebern.

Bei der Mittelkürzung würde es übrigens nicht bleiben. Für dieses Projekt beschäftigt die Stadt eine Mitarbeiterin halbtags. Und ihr Vertrag, der Ende September ausläuft, würde nicht verlängert. So erfahren die Schülerinnen und Schüler also auch, wie schnell eine tüchtige Mitarbeiterin arbeitslos werden kann. Dass das so ist, erklärte nicht nur Amtsleiterin Katarina Esser, sondern auch die am Projekt beteiligten Lehrer: Die Koordination der verschiedenen Schülerfirmen, die Vernetzung der Betriebe und vor allem die Ausarbeitung von Unterrichtsmaterial sei ebenso unerlässlich wie Überstunden der Pädagogen.

Die Kommunalpolitiker im Ausschuss für Jugend, Familie, Schule und Sport zeigten durchaus Verständnis für die enttäuschten jungen Menschen. Von mehreren Fraktionen kam der Vorschlag, nach alternativen Finanzierungen zu suchen und das Ende des Projektes noch nicht zu beschließen. Lambert Schmitz (CDU): „Wenn wir die jungen Leute jetzt nach Hause schicken, war das alles für die Katz.” Für eine Aussetzung machte sich auch Ansgar Kieven (SPD) stark. Ausschussvorsitzende Elfi Sauer (Jül) plädierte - wie von der Verwaltung noch kurz vor der Sitzung angeregt - für die Suche nach Sponsoren. Von daher ist das Projektende nicht beschlossen, sondern aufgeschoben.

Neben der GHS Ruraue gibt es Schülerfirmen im Gymnasium Zitadelle und der Schirmerschule (seit 2008) sowie in der Realschule und dem Mädchengymnasium (seit 2009).
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