Krise? Aber nicht bei den Springmäusen

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Der Sensemann beim Onkel Doktor - bei den Springmäusen erlebten die Jülicher Impro-Comedy vom Feinsten. Foto: Gottfroh

Jülich. Mal ist es lautes kreischendes, mal herzzerreißendes und dann wieder dröhnendes Lachen aus den Kehlen dutzender gut gelaunter Menschen, das die abendliche Stille des Brückenkopf-Parks zerreißt. Schuld an den Lachanfällen, an denen Humorforscher ihre helle Freude gehabt hätten, war das Improvisationstheater Springmaus.

Das Ensemble blies mit seinem Programm „Neustart - Nur mit euch” zum Angriff auf die Lachmuskeln.

Mit der Spontan-Comedy trafen die vier Springmäuse Vera Passy, Gilly Alfeo, Norbert Frieling und Alexis Kara den humoristischen Nerv der Park Besucher. Und diese lachten sich an einem ungewöhnlich kühlen Augustabend unter dem Dach der Stadtgartenbühne einfach warm. Das System des Abends brachte Frieling den Zuschauer mit frechen Witz nahe: „Wir rufen uns gegenseitig Sachen zu. Am Ende lachen wir dann alle”. Ein Tipp des Komikers: „Macht es wie die Politiker! Erst reden, dann darüber nachdenken”.

Co-Regisseur

Während die Darsteller zwei Stunden lang voller Action über die Bühne sausten, stets getrieben von ihrer immensen Spontaneität, nahm das Publikum nicht nur die Rolle des passiven Zuschauers ein. Es hatte die Funktion des indirekten Regisseurs des witzigen Treibens auf der Bühne übernommen, zog die Strippen, nach denen die Springmäuse wie Marionetten tanzten.

„Mit welchen Adjektiven - das sind Wiewörter - würdet ihr Jülich beschreiben”, fragten die Springmäuse ihr Publikum. Die Antworten aus der Zuschauermenge kamen wie aus der Pistole geschossen. „International”, tönte es aus den vorderen Reihen, „historisch” war die Antwort eines anderen Besuchers.

Eine junge Frau fügt das Wort „schön” der Sammlung zu. Die spontanen Assoziationen der Zuschauer wurden blitzschnell gesanglich und instrumental verarbeitet. In den Musikgenres „Klassischer-Metall” (einer Neuschöpfung der Jülicher), Country und HipHop dichteten die Darsteller auf der Bühne verschiedene Lieder über die Herzogstadt.

Genau diese Eigenschaften machen das Ensemble so besonders: Die Springmäuse besitzen eine unglaubliche Bühnenpräsenz und beneidenswerte Schlagfertigkeit. Die Art, wie die Darsteller Publikumszurufe binnen Sekunden in zum Brüllen komische improvisierte Sketche und Lieder verwandeln, ohne dabei in flachen Klamauk abzudriften, ist das Geheimnis ihres Erfolgs. Und weil es eben kein Klamauk ist, gehörten auch Begebenheiten vom politischen Parkett zum Repertoire.

Die Basis des Programms ist das Thema Wirtschaftskrise, die durch den „Neustart” überwunden wird. Geistreich nahmen die Mäuse Pleite-Griechen, Promis und Politiker auf die Schippe und gewannen damit die Publikumssympathien. Auch Fernsehformate bekamen ihr Fett weg. In der improvisierten Talkshow „Zart aber Fair” gab es ein emotionsgeladenes Streitgespräch über - wie vom Publikum gewünscht - Liebe am Arbeitsplatz, in der Talkmaster Frieling die gesamte Palette menschlicher Gefühlsregungen in drei Minuten aus seinen Kollegen herauskitzelte.

In haarsträubenden Verkleidungen sorgten Vera Passy, Gilly Alfeo, Norbert Frieling und Alexis Kara dafür, dass beim Betrachter dieser Show kein Auge trocken blieb. Wie facettenreich ein Arztbesuch sein kann, bewiesen die Comedy-Profis anschließend. Die immer gleiche Szene passten sie zufällig ausgewählten Film-Genres an vom Horrorfilm bis zum Western.

Dabei spielten sie mit Sprache, Gestik und Klischees der jeweiligen Genres. Zuletzt zeigten sie die Szene als „Propaganda-Porno”. Auf der in Rotlicht getauchten Bühne sächselte das Quartett aufs Lustigste. Wohl jeder erkannte die Anspielung auf die ehemalige DDR. Zum Totlachen, so einigten sich viele Zuschauer am Ende des Programms lautstark, war der Sketch, in dem Kara in die Rolle des Gebärdensprachen-Dolmetschers schlüpfte. Das Gespräch seiner Kollegen setzte er wortwörtlich visuell mit Gestik und Mimik um. Die übrigen Springmäuse brachten den Dolmetscher ganz schön ins Schwitzen, schließlich unterhielten sie sich über Holländer, Marihuana und stillende Mütter, ließen Kara Purzelbäume schlagen und sich bei Liegestützen auspowern.

Einige Zuschauer durften selbst Bühnenluft schnuppern. Denn Abend für Abend wählt die Truppe ihren Neustart-Rat, samt Ministern und Präsidenten. Neustart-Präsidentin Jülichs wurde die 19-jährige Anne Halmans aus Kevelaer. Eben noch nichts ahnend im Publikum sitzend, stand sie im nächsten Moment selbst auf der Bühne.

Denn: Sich zu verstecken ist bei den Springmäusen zwecklos. „Es macht schon nervös, plötzlich im grellen Scheinwerferlicht zu sitzen”, erzählt die „Präsidentin”. „Aber es war auch eine wirklich witzige Erfahrung”, fügt sie hinzu. Das merkten auch die Zuschauer, an denen der Kelch vorübergegangen war. Schnell übernahm sie auch die Spontaneität und Wortwitz der Impro-Profis, belohnt mit dem ultimativen „Anne-Song” der Springmäuse.
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