Krippenbauer aus Rurdorf will Weihnachtsbotschaft in den Alltag holen

Von: Sarah Thelen
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Er ist Krippenbauer aus Leidenschaft: Hans-Peter Kempen aus Linnich-Rurdorf. Foto: Günther Krol

Linnich/Aachen/Köln. Es ist Leidenschaft. Hans-Peter Kempen hat sie früh entdeckt. „Als ich 13 Jahre alt war, habe ich in der Weihnachtszeit eine Sendung über den Krippenbau in Süddeutschland gesehen”, erinnert sich der 50-Jährige aus Linnich-Rurdorf heute. Das Handwerk faszinierte ihn augenblicklich.

Er suchte Kontakt zu dem Mann, der seine Begeisterung über die TV-Sendung geweckt hatte - ein fachkundiger Pfarrer. „Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Es entstand eine rege Brieffreundschaft, in der wir uns über Krippen austauschten”, sagt Kempen.

Das Interesse am Krippenbau wuchs. Kempen studierte zunächst die Fachliteratur, griff irgendwann selbst zu Holz, Leim und Putzmaterial. Der erste Stall entstand. Recht bald plante Kempen seine Szenen als Krippenbaumeister.

Davor aber stand eine Ausbildung an der Schule für Krippenbau in Innsbruck. Drei Jahre lang hat Kempen dort Kurse besucht, Krippenbotanik, Techniken für Wandmalereien und Tradition und Konvention des Krippenbaus gelernt. Heute wird in den Kursen auch Bibelwissen abgefragt. „Damals war das noch anders”, sagt Hans-Peter Kempen. Nun setzt er sich in Rurdorf dafür ein, dass die christliche Weihnachtsbotschaft einen festen Platz im Alltag der Menschen hat.

Ortswechsel: Rund 800 Kilometer hat die zehnköpfige Gruppe aus dem Salzkammergut im November bis nach Köln zurückgelegt - und sich dabei zum ersten Mal herausbewegt aus ihrer österreichischen Heimat. Keine einfache Reise war das mit Unterbringung im Lkw und akuter Platznot während der gesamten Strecke. Alleine Josef wiegt rund 700 Kilogramm. Er ist drei Meter groß. Auch die anderen Mitglieder der Gruppe - Maria, der Hirte, Ochse und Esel, die Schafe und auch das Jesuskind - haben wirklich stattliche Ausmaße.

Der Zweck der Reise war jede Anstrengung wert. Das weiß Caroline Maria Weber. Sie hat in Köln eine Herberge für die monumentalen Österreicher gefunden. „Die Monumentalkrippe des österreichischen Künstlers Meinrad Mayrhofer ist der Höhepunkt des 15. Kölner Krippenwegs”, freut sich Weber, die den Krippenweg für Rheinstil Kulturmanagement organisiert. Zum ersten Mal ist die Krippe außerhalb von Österreich zu sehen. „Es war nicht ganz leicht, einen Standort für die riesigen Figuren zu finden”, erzählt Weber, „in der Halle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt kommen sie gut zur Geltung.” Betrachten - und anfassen - kann man die Krippenkolosse. Und nach Geschäftsschluss präsentiert sich die Krippenszene ihren Besuchern - dann zwar hinter Glas, aber festlich angestrahlt. „Die robusten Figuren aus Weißtannen-Holz muten trotz ihrer gigantischen Ausmaße sanft an, haben weiche, fließende Formen”, erklärt Weber die Faszination der Krippe.

Neben der Monumentalkrippe zeigt der Kölner Krippenweg an 110 Stätten heimatliche und internationale Krippen, von traditionell über prunkvoll bis zeitkritisch und minimalistisch ist hier alles dabei. „Krippen sprechen Menschen an. Auch solche, die nicht gläubig sind, finden in einer Krippe oft einen Moment des Innehaltens und der inneren Einkehr”, berichtet Caroline Maria Weber.

Es ist daher kein Zufall, dass auch eine Krippe des Weges im Kölner Hauptbahnhof steht, dem Ort, an dem täglich mehr als 250.000 Menschen vorbeieilen. „Wir möchten die Menschen dort abholen, wo sie sich im Advent aufhalten. Über eine Krippe kommt man leicht mit anderen Menschen ins Gespräch, besinnt sich auf die wichtigen Werte und erinnert sich der Friedensbotschaft der Menschwerdung Gottes, fernab von Hektik und Kommerz”, sagt die Krippenweg-Organisatorin.

Der elfte Weg

Tradition hat der Krippenweg auch in Aachen. Bereits zum elften Mal ist in diesen Wochen eine beeindruckende Krippensammlung zu sehen. Beispiele: In der Benediktinerabtei Kornelimünster an der Oberforstbacherstraße bevölkern rund 100 Tiere die Krippenlandschaft. Von Jahr zu Jahr verändert sich die Krippe, weil immer wieder über bekannte und unbekannte Spender Figuren hinzukommen. Als die größte Aachener Krippe gilt die Bürgerkrippe in der Brander Pfarrkirche St. Donatus. Geschnitzt wurden Köpfe, Hände und Füße in Oberammergau, eingekleidet wurden die zahlreichen Figuren mit Gewändern, die Frauen aus der Gemeinde entworfen und genäht haben. Alle Stationen des Aachener Krippenwegs sind auf einem Faltplan verzeichnet. Dieser liegt in der Touristeninformation am Elisenbrunnen aus.

Zurück nach Rurdorf: Auch hier bereitet der Krippenweg auf denheutigen Abend, die Geburt Christi, vor. Traditionell mitten im Advent stellen Familien ihre Krippen in den Fenstern ihrer Häuser aus. Bei einem Spaziergang durch den Ort gibt es so viele schöne Einblicke. „Wer eine Krippe selbst baut, der gibt diese meist nicht mehr her”, sagt Krippenbauer Hans-Peter Kempen. „Wer diese auch noch ausstellen darf, ist natürlich besonders stolz.”

An 20 Stationen können Besucher des Krippenweges in Rurdorf bis zum Einbruch der Dunkelheit Krippen anschauen: Selbstgefertigte Krippen, Meisterstücke, internationale Leihgaben und auch perspektivische Dioramen sind in dieser Sammlung zu sehen. Hans-Peter Kempen ist stolz auf diese Vielfalt: „Obwohl Rurdorf klein ist, kommen zahlreiche Menschen her, um unsere Krippen zu sehen und befreundete Krippenvereine besuchen uns regelmäßig.”

Und da ist auch noch die Krippe in der Rurdorfer Pfarrkirche. Natürlich arrangiert Hans-Peter Kempen auch die: „Jahr für Jahr wechseln wir die Requisiten. Mal läuft ein Mühlrad am Wasserlauf, mal gibt es einen Bachlauf. Unverändert bleiben nur die Figuren.” Aber die Bilder, die wechseln von von Woche zu Woche. Sechs Szenen werden vom 24. Dezember bis zum 2. Februar dargestellt - von der Geburt Jesu bis zu Mariä Lichtmess.

Und was geschieht, wenn die Krippen abgebaut sind, und der Frühling naht? „Dann kann ich es kaum erwarten, Holz und Materialien zu suchen”, sagt Hans-Peter Kempen.

Lichterprozession in Rurdorf am 16. Januar. Bis zum 16. Januar dürfen Besucher des 5. Rurdorfer Krippenwegs ungeniert im Ort „fensterln”. Zum Abschluss zieht an diesem Sonntag um 17 Uhr eine Lichterprozession durch den Ort, außerdem gibt es eine lebendige Darstellung des Weihnachtsgeschehens. Anschließend singt der Gospelchor Joyful Spirit aus Raeren in der Pfarrkirche, Neue Kirchstraße.

Bis zum 2. Februar ist die Krippe in der Rurdorfer Pfarrkirche täglich zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen. Wöchentlich wechseln die Szenen (www.krippenweg-dn.de).

Aachener Krippenweg: Individuelle Führungen sind buchbar bei Rheinstil Kulturmanagement unter 0221/67787270. Start der rund zweistündigen Führungen ist an der Krippe in der Elisengalerie, Frie-drich-Wilhelm-Platz 5-6, in Aachen. Die Teilnahme kostet für Erwachsene sieben Euro pro Person, für Kinder von drei bis 14 Jahren drei Euro, Gruppen zahlen einmalig 140 Euro. Termine für die Führungen im Dezember und Januar: 27., 28. und 29. Dezember 2010; 2., 4., 6., 8. und 9. Januar. Beginn ist jeweils um 14.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.aachener-krippenweg.de

Informationen zum 15. Kölner Krippenweg gibt es unter www.koelner-krippenweg.de, auch über KölnTourismus und beim Veranstalter unter 0221/6778727-0.
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