Kriminalstatistik: Lichtblicke in der dunklen Jahreszeit

Von: Stephan Johnen
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„Wir müssen es Tätern nich
„Wir müssen es Tätern nicht erleichtern”: Kriminalhauptkommissar Günter Arnold, Kriminaloberrat Wilhelm Sauer und Tischlermeister Hans Georg Kramer (von links) demonstrieren im Rahmen der „Sicherheitstage”, wie man sich vor Einbrechern schützen kann . Foto: Johnen

Kreis Düren. „Guten Tag, die Fahrscheine bitte.” Dieser Satz ist im vergangenen Jahr deutlich öfter in den Zügen gefallen - und das Ergebnis der Kontrollen trübt die Kriminalstatistik im Kreis Düren.

Erst der zweite Blick in das Zahlenwerk offenbart den Erfolg, erklärte Kriminaloberrat Wilhelm Sauer am Montag, warum die Kreispolizeibehörde trotz eines Anstiegs der Straftaten um 343 auf 20 208 Fälle von einer Trendwende spricht.

Denn rechne man die Zunahme entdeckter „Schwarzfahrer” um 486 Fälle heraus, die die Bundespolizei zur Statistik beisteuerte, haben sich die Zahlen durchaus positiv entwickelt - und auch die Aufklärungsquote ist erstmals wieder gestiegen: von 49,15 auf 51,09 Prozent. „Ich bin froh, dass beide Entwicklungen nicht dem negativen Landestrend folgen”, bilanzierte Behördenleiter Landrat Wolfgang Spelthahn. „Mit steigenden Zahlen können wir gut leben”, fügte Wilhelm Sauer hinzu. Solange es um „Schwarzfahrer” geht, die zur Rechenschaft gezogen werden.

„Glück und Verstand”

Weniger Sexualdelikte, weniger Raubdelikte, weniger Fälle von Betäubungsmittelmissbrauch, weniger schwere Körperverletzungen, weniger Sachbeschädigungen und der niedrigste Stand bei der Straßenkriminalität seit 2007 - die Kriminalstatistik der Kreispolizei spricht oftmals eine andere Sprache als die des Landes.

Doch eine Zahl rückte Wilhelm Sauer als Leiter der Direktion Kriminalität besonders in den Mittelpunkt: „Während es im Land zu einer explosionsartigen Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen kam, verzeichnen wir ein Plus von drei Fällen”, sagte er. Mit 1029 Einbrüchen sei die Zahl zwar weiterhin „auf einem sehr hohen Niveau”, die besorgniserregende Vorjahrestendenz sei aber gebrochen. „Glück und Verstand haben einander ergänzt”, wertete Wolfgang Spelthahn die Bemühungen der gesamten Dürener Polizei, gegen Einbrüche vorzugehen, als Erfolg.

Seit Mitte 2011 war deren Bekämpfung ein strategischer Schwerpunkt in der Arbeit der Behörde. Die verstärkten Kontrollen und die Aufklärungsarbeit zeigten Erfolg, ist Sauer überzeugt. In den Wintermonaten des vergangenen Jahres und auch im Januar und Februar 2012 sei die Zahl der Einbrüche deutlich gesunken - Lichtblicke in der dunklen Jahreszeit.

„Wir brauchen auch weiter die Hinweise der Nachbarn”, appellierte Wolfgang Spelthahn an alle Bürger, im Sinne der „gemeinsamen Fürsorge” ein waches Auge auf merkwürdige Geschehnisse in der Nachbarschaft zu haben und die Polizei lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zu alarmieren. „Die Bürger waren es, die den Erfolg mit ermöglicht haben”, bedankte sich der Behördenleiter. Die Bekämpfung der Einbrüche bleibt weiterhin ein Schwerpunkt, die Aufklärungsquote soll von knapp acht auf zwölf Prozent erhöht werden.

Sorgen bereiten den Kriminalisten hingegen die steigende Zahl der Autodiebstähle (126 statt 87 Fälle) und die Diebstähle aus Fabriken und Lagerräumen (135 statt 64 Fälle). Die Täter haben es besonders auch hochwertige Autos, Maschinen, Solarmodule und Metalle abgesehen. Auch die Diebstähle aus Kiosken und Warenhäusern nahmen zu (1674 statt 1562 Fälle).

„Es sind gerade bei Autodiebstählen hochprofessionalisierte Banden unterwegs, die keine Rücksicht auf das potenzielle Opfer nehmen”, warnte Wolfgang Spelthahn, im Fall der Fälle Widerstand zu leisten. Autos würden in Stundenfrist demontiert und in Einzelteilen auf die Reise geschickt. Um die Bandenkriminalität zu bekämpfen, arbeite die Dürener Behörde mittlerweile grenzübergreifend mit anderen Polizeibehörden zusammen.

„Eine einzelne Behörde ist damit überfordert”, erklärte Landrat Wolfgang Spelthahn. Oftmals würden die Täter aus Rückzugsgebieten heraus operieren. „Kriminalität kennt keine Kreisgrenzen”, sagte Spelthahn. Für die Polizeiarbeit soll dies ebenfalls gelten.

Mit Sorgen blickt die Dürener Kriminalpolizei derzeit auf die Entwicklung der Betrugskriminalität. Immer häufiger werde das Internet zum Tatort. „Wir haben auch noch kein Patentrezept”, räumte Sauer ein, zumal dieses Phänomen bundesweit zu beobachten sei. Die Polizei arbeite bereits mit dem Verbraucherschutz zusammen.

Die Kriminalisten gehen aber davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, da sich viele Opfer aus Scham nicht melden, mutmaßt Wilhelm Sauer. Weil die Fälle von Jugendkriminalität von 7586 auf 7800 gestiegen sind, werde die Polizei ihr Konzept zur Bekämpfung von Intensivtätern fortsetzen.

Dem öffentlichen Auftreten von bekannten Motorradclubs will die Kreispolizeibehörde mit „intensiver Beobachtung und niedriger Einschreitschwelle” begegnen. Auch soll die Sicherheitslage an den Diskotheken verbessert werden. „Wir haben die Motorradclubs im Auge”, sagte Behördenleiter Wolfgang Spelthahn. Solange es aber kein Verbot gibt, „sind die Clubs zugelassene Vereine”. „Wir haben die Spitzen in Haft gebracht - und beobachten alle Aktivitäten genau”, bilanzierte Kriminaloberrat Wilhelm Sauer.

„Generell haben wir den Landestrend gebrochen. Aber das Niveau ist noch zu hoch im Kreis Düren. Daran arbeiten wir”, gab Wilhelm Sauer den Kurs für das aktuelle Jahr vor.
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