Linnich - Krimilesung: Hackbraten zum abgetrennten Finger

Krimilesung: Hackbraten zum abgetrennten Finger

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
8168735.jpg
70 Gäste erleben einen vergnüglichen kulinarischen Krimileseabend im Gewölbekeller unter der katholischen Bücherei in Linnich. Foto: Jagodzinska

Linnich. Über ein volles Haus freuten sich die Veranstalterinnen Lore Hilger und Marlene Mommertz zu ihrer Krimilesung in der anregenden Atmosphäre des Gewölbekellers unter der katholischen Bücherei in Linnich. Das Interesse bei der Voranmeldung war so groß, dass 100 Gäste gekommen wären, doch aus Platzgründen stoppten die Organisatorinnen bei 70 Reservierungen.

Die erste Krimilesung dieser Art hatte im September 2012 zu einer Weinverkostung im Gewölbekeller Vomberg stattgefunden. Im Rahmen des Linnicher Kultursommers steigerte sich das Event zu einer „kulinarischen Krimilesung“. Ein komplettes Menü wurde aufgetischt, zubereitet von Simone Hilger.

Obwohl die Lesungen in den Pausen zwischen den Gängen erfolgten, waren sie doch das „wahre Geschenk“. Die Veranstalterinnen hatten keine Mühen gescheut, den einstigen Luftschutzkeller und späteren Lagerraum des Schreiners Josef Koch, Großvater von Marlene Mommertz, in eine heimelige Atmosphäre zu tauchen.

Als Vorboten deuteten schon im Martinuszentrum und der Treppe zum Gewölbekeller in weißes Papier gehüllte Tische und brennende Teelichter in Glasuntersätzen darauf hin. Im eigentlichen Gewölbe warteten Tafelreihen mit weißen Tischtüchern, Silberbesteck und Kristallgläsern und angezündete Kerzen auf mehrarmigen Kerzenständern auf die Besucher, die sich nicht lange bitten ließen.

Die Gläser wurden mit feinherbem Riesling oder trockenem Dornfelder oder mit Kölsch und Pils gefüllt, bevor Mommertz die mit einem Touch Ironie bestückte Krimi-Lesereihe eröffnete.

„Pas de deux“ hieß der erste, aus Köln-Nippes stammende Krimi, den Hilger und Mommertz aus Stapeln von Kurzgeschichten ausgewählt hatten, und der die Gäste immer wieder zu Lachsalven animierte. Es ging um die sprichwörtliche Leiche im Keller eines Ex-Ehepaares in einer autofreien Siedlung.

Die Beziehung von Britta und Bert scheiterte einst durch ein „anämisches Blondchen“, das später tot „im Regalsarg“ liegt, weil es beim Aufbau eines Ikea-Möbels zu Tode gekommen ist, oder doch nicht? Hat der jähzornige Bert seine Geliebte getötet? Britta, die als Ärztin von ihrem Ex-Mann alarmiert wird, sorgt aus Rache dafür, dass „die Unaussprechliche vermodernd dafür sorgt, dass Bert hier wieder einzieht“.

Weil die Lesung „Tränen der Freude und des Mitleids in die Augen treibt“, wurde nun eine Zwiebelsuppe mit Baguette gereicht.

Die nächste Kurzgeschichte passte gut in die mit Spannung verfolgte Finalphase der WM, wenn sie auch in der Bundesliga spielt, „Ein Filmriss auf Schalke“. Der Kurzkrimi handelt von einem „durchtrainierten Typen mit stahlblauen Augen“, dem die Protagonistin aus Verliebtheit ihre Dauerkarte leiht.

Während der Ball „auf Schalke“ rollt, spielt sich auf den Rängen ein skurriles Drama um einen abgetrennten Finger ab. Passend dazu wurden die Teller mit Hackbraten im Teigmantel zu Weißkohlsalat gefüllt, das „steigert die Lust, den Täter zu finden“.

Die dritte Geschichte „Zapfenstreich“ handelt von der in Auftrag gegebenen Rache einer Frau an ihrem Vergewaltiger. Als Nachtisch „versöhnte“ schließlich ein Zitronenkuchen Geist und Gemüt.

Noch makabrer ging es in der letzten Kurzgeschichte „Bärendreck“ zu. Bei einem Elternsprechtag in Köln-Chorweiler erwürgt eine Mutter von vier Kindern die Lehrerin mit einem Strick aus Lakrizrollen, auch ihr Motiv ist Rache. Begeisterter Applaus belohnte jede Lesung des gelungenen, ausgiebig gefeierten Abends.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert