Krimi-Leseabend: Spannend auch ohne Bluttat

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
15129859.jpg
Sie sorgten für den Überraschungsmoment beim Krimi-Leseabend: (v.l.) Annemiek Krieger, Marlene Mommertz, Lore Hilger und Helga Steinebach. Foto: Jagodzinska

Linnich. Das Publikum in der „katholischen öffentlichen Bücherei“ (köb) lauschte der Lesung, fühlte die allmählich steigende Spannung der Handlung, unblutig, aber fesselnd, bevor der Überraschungsmoment alle verblüffte. Die Rede ist vom Krimi-Leseabend im Rahmen des Linnicher Kultursommers, bei dem vier Mitarbeiterinnen bei nasskaltem Wetter ihre Lieblingskrimis der anderen Art präsentierten.

„Es gibt ja auch andere Krimis als grausam und blutig“, betonte Annemiek Krieger, bevor sie die längste Lektüre des Abends vorstellte. Die Mittsommergeschichte „Im Meer mit Marianne“ von Maria Ernestam erinnerte zunächst keineswegs an bestialische Morde in skandinavischer Idylle. Die Spannung baute sich auf der Basis einer Frauenfreundschaft zwischen der Protagonistin Sonja, selbst erfolgreiche Buchautorin, und ihrer Freundin Marianne ganz allmählich auf. Detaillierte Beschreibungen und rasche Rückblenden bestimmen die Geschichte einer Rache, die Mariannes Tod zur Folge hat, zunächst als eine missglückte Rettungsaktion getarnt.

Auf den letzten Satz: „Ich bin gestorben, Marianne, du hast gelebt“, reagierte das interessierte, zumeist weibliche Publikum mit Überraschungsrufen und Gesprächsbedarf, gefolgt von der Frage: „Haben wir das Buch hier?“, was durchaus der Fall war. Ganz nebenbei ist natürlich auch die „Hoffnung, dass der ein oder andere auf die Bücher schielt und sie sich ausleiht“, Hintergrund der beliebten Veranstaltungsreihe in der Bücherei.

Als zweiten Beitrag las Helga Steinebach „Keine Angst“, eine Geschichte der späten Rache von Frank Schätzing, in der eigentlich die Charaktere dominieren. Die Vorleserin nannte den Namen des „bekannten deutschen Autoren, der nicht gerade durch Kurzgeschichten bekannt ist“ jedoch nicht, sondern ließ ihn erraten. Nach einer zweiten, durchaus makaberen Kurzgeschichte, „Mordshunger“ aus seiner Feder erriet Betty Schillings aus dem Publikum den Namen des Schriftstellers und gewann den Kurzgeschichtenband in Geschenkverpackung.

„Die weite Reise“ von Leonardo Sciascia las Lore Hilger. Eine Erzählung, in der nur der Bösewicht, nämlich „Signor Melfa“ einen Namen erhält, während die betrogenen sizilianischen Bauern, die ihr geringes Hab und Gut verkaufen, um nach Amerika zu gelangen, sich kaum aus der namenlosen Gruppe abheben.

Marlene Mommertz hatte „Der einsame Engel“ von Friedrich Ani ausgesucht, ein „Krimi über das Fremdsein in der Liebe und im Leben“ mit zugleich realistischen und poetischen Zügen. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Geschäftsmann, der verschwindet. Es ermittelt eine beliebte Hauptfigur, der Vermisstenfahnder und spätere Privatdetektiv Tabor Süden, dessen Spezialgebiet die „Unsichtbaren am Rande unserer Gesellschaft sind“.

Er stößt auf ein Netz aus Affären und Lügen, Wegschauen und Schweigen. Lust zu schweigen hatten die Zuhörer indes nicht. Ein reger Austausch über Autoren, Bücher und die gut bestückte Bücherei, in der „Krimis hohe Ausleihquoten verbuchen“, schloss sich der Lesung an.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert