Kreuzweg: Thematische Stationen und Betrachtung des Hungertuchs

Von: ptj
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Abschluss am Gipfelkreuz: Das beim Aufstieg zusammengesetzte Bild des Hungertuches wird in seiner Ganzheit betrachtet und das Evangelium vom Tod Jesu am Kreuz vorgetragen. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Gott und Gold – wie viel ist genug?“, war der traditionelle ökumenische Kreuzweg auf die Sophienhöhe überschrieben. Rund 300 Gläubige stiegen mit dem von Kommunionkindern getragenen Pilgerkreuz im Gedenken an den Leidensweg Jesu bis zum Gipfelkreuz auf und machten insgesamt sechs Mal Station.

Zwischen Einführung und Abschluss lagen vier Themenstationen, an denen diesmal nicht Sünden ans Kreuz geschlagen, sondern ein Bild zusammengesetzt wurde. Als Bildhinhalt diente das Misereor Hungertuch, das „weltweit eine ungeahnte Renaissance erlebt“. So drückte es Markus Kieven aus der veranstaltenden Pfarrei St. Rochus Jülich aus. Weil Pfarrer Konny Keutmann gerade erst von seiner schweren Lungenentzündung genesen ist, hatte Kieven den Kreuzweg gemeinsam mit Simon Diercks, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde (FeG), vorbereitet. Ferner trübte der Unfall eines Teilnehmers die Veranstaltung. Weil er aber ansprechbar war und ärztliche Hilfe eintraf, wurde der Kreuzweg fortgesetzt.

Ambivalenz des Goldes

Bei der Gestaltung des Hungertuches hatte sich der chinesische Künstler Dao Zi von der Bergpredigt im Matthäusevangelium (6,21) inspirieren lassen: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“. Das Hungertuch bringt die Ambivalenz des Goldes zum Ausdruck, „unser auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Wirtschaftssystem, das alles zur Ware macht: Wasser, Boden, Nahrungsmittel, Tiere, Zeit, Menschen, deren persönliche Daten, alles“, so Kieven.

Gold und Geld können also je nach Verwendung Segen oder Fluch sein. Kieven erinnerte an die wunderbare Brotvermehrung in der Bibel mit unerschöpflichen Ressourcen und an geteilte Gaben im alltäglichen Gebrauch: „Alles, was wir geben, ist nicht verloren, sondern kommt wieder zu uns zurück.“ Liedrufe, Kurzgebete aus der Kreuzwegandacht und Fürbitten umrahmten jede Themenstation, die jeweils abgeschlossen wurde mit dem Taizé-Gesang: „Bleibet hier und wachet mit mir...“.

Zunächst wurde jeweils ein bestimmter Teil des Hungertuches betrachtet und reflektiert, gefolgt von einem biblischen Wort. So gestalteten Katecheten und Kommunionkinder die erste Station zum Titel „Sein Gesicht“. Erst nach näherer Betrachtung ist Jesu Antlitz in dem mächtigen Goldklumpen in der Mitte des Bildes zu erahnen. Gold symbolisiert materielle Sicherheit, andererseits aber auch das Licht, das Heilige. „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“, wurde der Evangelist Matthäus zitiert.

Die Trierpilger lenkten die Aufmerksamkeit auf die heilige „Siebenzahl“, sieben Goldpunkte, die auf der unteren Hälfte über das Bild verteilt sind. Der solidarische Gedanke der Trierpilger lautete: „Es ist genug für alle da, es kommt auf uns an, wie wir das Brot teilen.“ Die Frauengemeinschaft St. Rochus gestaltete die Themenstation „Rote Wunden, rote Siegel“. Die Frauen nahmen die drei kleinen roten Zeichen im Bild in den Blick und verwiesen auf drei Nägel (am Kreuz), ein Dreieck und ein Zeichen mit drei Strichen. Diese deuteten sie als drei Wunden und die dreieinige Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist als Heilmittel.

Die Leere

Thema der letzten Themenstation war „Die Leere“. Der der graue Bildhintergrund symbolisiere die „Leere, die gefüllt werden will“. Pastor Simon Diercks hielt symbolisch einen leeren Becher in Händen und betrachtete die Leere in ihren vielfältigen Formen, etwa in Krieg, Hunger, Kapitalismus und Selbstmord. In diesem Zusammenhang fand der Pastor ein persönliches Vorbild in einem der beiden Verbrecher, die neben Jesus am Kreuz hingen. Dieser „wird auf einmal ehrlich, traut sich und stellt sich seiner Leere“, indem er sich Jesus anvertraut: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst“.

Am Gipfelkreuz wurde das zusammengefügte Bild in seiner Ganzheit gezeigt. Aber: „Noch ist es eine Vision. Der goldene Götze aus Geld, Gier und Ego“ sei noch nicht entmachtet und habe auch Jesus ans Kreuz gebracht. Es folgte die Lesung des Evangeliums von der Todesstunde, verbunden mit einer ausgedehnten Stille, bevor die Teilnehmer den Berg wieder hinunterstiegen – hinein in die österliche Auferstehung.

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