Kreishaus Jülich rückt in greifbare Nähe

Von: Volker Uerlings
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Nur ein Beispiel und derzeit im Dornröschenschlaf: Der alte Kreisbahnhof wäre eine Fläche, auf der ein Jülicher Kreishaus errichtet werden könnte. Sie gehört der Rurtalbahn, an der der Kreis beteiligt ist. Foto: Uerlings

Jülich. Viel Zeit ist nicht. „Die Stadt Jülich hat uns zum 1. Januar 2015 gekündigt. Wir sind Mieter, denen es droht, auf der Straße zu stehen“, erklärt Landrat Wolfgang Spelthahn im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeint sind die Räume, die derzeit von der Kreisverwaltung im Alten und Neuen Rathaus der Stadt Jülich genutzt werden.

Er sieht das aber keineswegs als „Affront“, obschon die Kreisverwaltung für die gewünschte zentralisierte Jobcom eigentlich noch viel mehr Fläche benötigt als heute. Hintergrund der Kündigung ist bekanntlich ein Ratsbeschluss, der helfen soll, den defizitären Haushalt ein wenig aufzubessern. Alle Einrichtungen der Stadt sollen in den beiden Rathäusern konzentriert werden. Dagegen kann der Landrat als Kommunalaufsicht nichts haben. Zumal es die Chance bietet, eine doch größere Lösung in Jülich umzusetzen. Stichwort: das „kleine Kreishaus“.

Die Kreisverwaltung hat ihre „Hausaufgaben“ gemacht und untersucht, was sinnvoller Weise und wenigstens kostenneutral in Jülich angeboten werden könnte. Eine vom Kreistag festgelegte Voraussetzung ist nämlich laut Spelthahn: „Der Steuerzahler darf nicht belastet werden.“ Das gelte auch, wenn ein Großteil der Miete vom Bund zu zahlen ist, der für die Jobcom-Unterbringung aufkommt.

Das Ergebnis der Untersuchung ist beachtlich: Gut 100 Beschäftigte des Kreises sollen kurzfristig am Standort Jülich arbeiten, um den Menschen aus Linnich, Titz, Aldenhoven, Jülich sowie Teilen von Niederzier und Inden kürzere Wege zu ermöglichen. Angefangen vom Ausländerwesen des Ordnungsamtes (3 Arbeitsplätze), die von ausländischen Studenten und Arbeitskräften aufgesucht werden können, über 6 Arbeitsplätze des Straßenverkehrsamtes, die 14 im Nordkreis eingesetzten Jugendamtsmitarbeiter, 8 im Gesundheitsamt bis hin zu 50 Jobcom-Arbeitsplätzen reicht die Bandbreite. Hinzu kommen Ansprechpartner der Führerscheinstelle, der Pflegeberatung, der Schwerbehindertenberatung, für Heimpflegekosten und Unterhaltsheranziehung und mehr. Auch die Selbsthilfegruppen sollen in einem Kreishaus Jülich weiter eine Bleibe finden.

Da sehr viele Einzelbüros durch zahlreiche Beratungsangebote benötigt werden, errechne sich ein Raumbedarf von 4000 Quadratmetern brutto. Umgangssprachlich: Das Gebäude muss schon ein ziemlicher „Brummer“ sein. Ob das im Bestand in Jülich zu finden ist, muss sich zeigen. Möglich ist laut Landrat auch, dass ein Gebäude gebaut und an den Kreis vermietet wird.

Hier seien die Stadt Jülich und Gesellschaften, an denen der Kreis beteiligt ist, erste Ansprechpartner. Im Sinne der Stadt könnte eine Fläche gefunden werden, die auch die Stadtentwicklung voranbringt. Nur tauglich muss sie sein. Die bald leerstehende Realschule sei aufgrund ihres Zuschnittes „nicht geeignet“, sagt der Landrat. „Wir können hier kein Gebäude beziehen, um vor allem eine lokale Problematik zu lösen. Es müssen alle Interessen unter einen Hut gebracht werden.“

„Ich möchte Jülich um solidarische Mithilfe bitten. Es ist das Versorgungszentrum für den Nordkreis und idealer Standort“, so Spelthahn weiter, der am Donnerstagabend Gespräche im Rathaus führte. Ein Teilnehmer berichtete, dass dieser Spelthahnsche Vorstoß in Politik und Verwaltung auf Gegenliebe stößt, und sagte: „Das ist wirklich ein Geschenk für das Jülicher Land.“ Nur: Schnell muss es gehen, eine Übergangslösung ist nicht ausgeschlossen. Das frühere Kreiswehrersatzamt kommt nicht in Frage, weil der Bund verkaufen und nicht vermieten möchte. Die Grundstückssuche hat begonnen.

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