Krankengymnastik auf dem Pferd: Hippotherapie kann helfen

Von: Daniela Martinak
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Der neunjährige Niklas vertraut dem Therapiepferd Maverick voll und ganz. Die beiden sind dicke Freunde geworden. Foto: Martinak
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Der neunjährige Niklas vertraut dem Therapiepferd Maverick voll und ganz. Die beiden sind dicke Freunde geworden. Foto: Martinak
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Der neunjährige Niklas vertraut dem Therapiepferd Maverick voll und ganz. Die beiden sind dicke Freunde geworden. Foto: Martinak
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Der neunjährige Niklas vertraut dem Therapiepferd Maverick voll und ganz. Die beiden sind dicke Freunde geworden. Foto: Martinak

Broich. Maverick bleibt cool. Ihn kann jetzt nichts aus der Ruhe bringen. Lässig schaut er geradeaus. Er bleibt kurz stehen und lauscht, was um ihn herum passiert. Dann trottet er unbeeindruckt weiter. Es scheint beinahe, als wäre er gelangweilt. Dann, von einer Sekunde auf die andere, macht das Pferd einen Satz zur Seite und sorgt für einen kurzen Schreckmoment. „Siehst du Niklas, wenn du Blödsinn machst, macht der Mav auch Blödsinn“, erklärt Hippotherapeutin Jana Engels dem Kind.

Mav wiehert, schüttelt den Kopf, als würde er sagen „Also wirklich“, und folgt weiter den Anweisungen seiner Besitzerin.

Stefanie Nüßgens beobachtet das Spektakel aus der Ferne. Sie ist die Mutter von Niklas, der ein Handicap hat. Seit sechs Jahren – seit Niklas drei Jahre als ist – besucht sie mit ihm die so genannte Hippotherapie. Der inzwischen neunjährige Junge aus Müntz leidet an dem Down-Syndrom (auch Trisomie 21 genannt). Das bedeutet mitunter, dass Niklas eine deutliche Entwicklungsstörung hat – sowohl geistig, als auch körperlich. Er kann unter anderem nicht so gut sprechen.

Es ist laut Stefanie Nüßgens ein steiniger Weg. Aber mit dieser Therapie haben sich die Steine merklich verkleinert. „Diese Therapie ist eine Form des Therapeutischen Reitens – ein tiergestütztes, physiotherapeutisches Verfahren, bei der speziell ausgebildete Pferde eingesetzt werden. Sie wird in allen Altersgruppen bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems, des Stütz- und Bewegungsapparats eingesetzt“, erklärt Engels. Und Niklas‘ Mutter bestätigt, dass die Therapie funktioniert: „Er ist viel ausgeglichener. Aber nicht nur das. Seitdem wir mit ihm zur Hippotherapie fahren, kann er sein Gleichgewicht viel besser halten, spricht deutlicher und ist um einiges ruhiger im Umgang mit seinem Umfeld.“ Und was noch besser ist: der Junge freut sich auf jede Therapiestunde! Fröhlich erzählt er, wie er zuvor Mav putzen und satteln durfte.

„Auch die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins gehört dazu“, betont Engels. Die gelernte und speziell für die Hippotherapie ausgebildete Physiotherapeutin erklärt weiter: „Die Wirkung ist die dreidimensionale Schwingungsübertragung. Die Haltereaktion wird trainiert, der Muskeltonus wird normalisiert.“

Mona und Mav

Auch die vierjährige Mona ist auf diese Therapie angewiesen. Aufgrund ihrer grobmotorischen Entwicklungsverzögerung kann sie nur dank Mav und Jana Engels wieder besser und ohne Schmerzen laufen. So wie zuvor Niklas wird auch Mona jetzt erst an der Longe reiten und dann mit Mav einen Geschicklichkeitsparcour abreiten. Ihr Vater, Holger Krings, fährt deshalb einmal pro Woche von Würselen nach Broich. „Ich würde alles dafür tun, damit es ihr besser geht. Nur eins verstehe ich nicht: Die Krankenkasse beteiligt sich nicht im geringsten an der Therapie, was ich wirklich bedauernswert finde, weil es nun einmal wirklich hilft und um einiges schneller als die reguläre Physiotherapie“, kritisiert Monas Vater. Laut GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss) ist es aber so „dass diese Therapieform nicht anerkannt ist und deshalb nicht von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützt werden darf“.

Die Eltern lassen sich dennoch nicht davon abbringen, auch, wenn sie die Therapie nun selbst bezahlen müssen. Aber gut so. Schließlich wissen sie wohl am besten was ihren Kindern hilft. Und einig, „dass die Fortschritte dank die Hippotherapie beinahe täglich größer werden“ sind sie sich definitiv. Und wenn man in die strahlenden Augen von Mona und Niklas blickt, bestätigt sich eines: Das Glück der Erde liegt ganz klar auf dem Rücken der Pferde.

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