Jülich - Kostümsitzung der KG Rurblümchen: „Ne Stadtbrand - der muss her”

Kostümsitzung der KG Rurblümchen: „Ne Stadtbrand - der muss her”

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
k-blümchen-bu4
Als Matrosen, begleitet von zwei Wasserrnixen, begab sich das Männerballett der Rurblümchen auf große Fahrt. Ein Ausflug in die Welt der Märchen und der Phantasie, die von den Besuchern der Kostümsitzung mit tosendem Beifall bedacht wurde. Foto: hfs.

Jülich. „Een superjeile Sitzung.” Dieses Kompliment durfte die KG Rurblümchen von vielen Besuchern entgegennehmen. Denn die Verantwortlichen um Sitzungspräsident Frank Kutsch und Literat Wilfried Pauls hatten ein Programm anzubieten, das nicht mehr zu steigern war.

„Was machen die denn, wenn die Jubiläumssitzung haben?” Diese Frage einer befreundeten KG-Präsidenten blieb natürlich unbeantwortet. Da lässt sich Literat Pauls nicht in die Karten schauen. Die legte er natürlich bei der jüngsten Kostümsitzung auf den Tisch. Schon das erste Ass stach.

In Gestalt von Jupp Menth, im karnevalistischen Leben als Ne kölsche Schutzmann bekannt.

Jupps Menths Stern ist mitnichten verblasst

Alle, die gedacht hatten, der Stern des schrulligen Originals aus Köln sei verblasst, die mussten sich eines Besseren belehren lassen. Selten war der Mann so gut. Seine Situationskomik kam an. Ob kölscher Klüngel und Jülicher Schlaglöcher, er traf ihns Schwarze. Völlig verdient wurde ihm als Eisbrecher die erste Rakete des langen Abends gezündet - natürlich vom Sitzungspräsidenten Frank Kutsch, der mit seinem Elferrat von der Ehrengarde der Stadt Köln auf die Bühne begleitet worden war. Zudem gesellte sich im Laufe des Programms das diesjährige Jülicher Kinderdreigestirn hinzu.

So genannte Heimatredner haben es schwer. Besonders dann, wenn das anwesende Publikum nicht immer mit den Anekdötchen aus der Heimat vertraut ist.

Doch bei den Rurblümcher schienen nur geborene Muttkrate zu sein. Denn Tom Oellers Rede aus und um Jülich traf. Doch bevor er loslegte, „hann ich, wie et jo bei uns üblich is, een Machbarkeitsstudie in Opdraach jejewe”, meinte er, „befür ich mich sonst beem Bürgermeester un och beim Landrat entscholdige mos.”

„Herzog Heinrich, der övver alle wacht” und „Wolfgang, der Könning vum Indeland, weltbester Spatenstecher” bekamen ihr Fett weg. Oellers hatte ihr Tun verfolgt, ob Dienstleistungs - oder Schwimm-Leistungszentrum, Multifunktionshalle, Jugendherberge oder Solarturm, seine verbalen Spitzen zündeten. Ob Ladenleerstand - „demnächs stonn esu vill Jebäude leer, ne neue Stadtbrand der muss her” - oder der Erbfolgestreit im Rathaus. „Ein Vöglein sitzt im Walde, janz still und stumm, un kick sich noh en nö Stelle um”, spitzte der neue Heimatdichter der Rurblümcher seine Feder. Seine Verse wurden mit donnerndem Applaus und mit der zweiten Rakete belohnt.

„Erwin ist tot”. Als Achnes Kasulke, die knauserige Schrulle aus dem Ruhrpott, hörte, dass eine etwas weitergehende Anzeige anlässlich des Todes ihre Mannes genauso so teuer käme wie ein ganzer Satz, wurde daraus der Zusatz „und Opel zu verkaufen.” Achnes alias Anette Esser kehrte als „letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn” geradezu ihr Eheleben nach draußen.

Dass sich dabei die täglichen Reibereien mit ihrem Erwin wie ein roter Faden durch ihre Büttenrede zogen, öffnete dem rheinischen Frohsinn Tür und Tor, eine Pointe jagte die andere. „Dies war Spitze”, dem Ausruf des Präsidenten folgte der Lohn für die Vollblutkarnevalistin: Rakete und stehender Applaus.

Auch der Elferrat wurde auf die Schippe genommen

„Bleib dir jedes Talent erspart, dann stell dich mit im Elferrat.” Martin Schopps weiß wie kein zweiter, wie man auf den Punkt genau die Akzente setzen muss. Dass der Elferrat dabei genauso auf die Schippe genommen wurde wie der Stress im Schulalltag - Schopps ist hauptberuflich Lehrer - die Jugendsprache, Beziehungsstress und Diäten oder aber die zwischenmenschlichen Beziehungen, war klar.

Schopps bestach ohne Bütt und Kostüm mit perfektem Humor. Damit war auch das dritte Ass aus dem Spiel, blieb noch das letzte, dass traditionell aber erst zum Abschluss der Kostümsitzung hingeblättert wird. Denn zuerst waren noch die musikalischen Darbietungen am Zuge. Angeführt von den Cöllner und den 3 Colonias. Seit vielen Jahren im Geschäft, wissen die Herren aus der Domstadt immer, wie sie einen Narrentempel aufmischen können.

Dies gilt besonders für Letztere. Die „Dampfeisenbahn”, mit der Frank Morawa über die Bühne fuhr, an Bord die Vollblutparodisten Willi Wilden und Oliver Hoff, weiß einfach, wie man Gesang in lustige Travestie verpacken kann.

Ein Augenschmaus waren die Rheinländer und die „Rheinmatrosen”, die mit dem Müllheimer Bötche in die Stadthalle fuhren. Mit einem Ehrenspalier für ihre akrobatischen Luftnummern wurden sie von den Narren hinausbegleitet.

„Demnächs hees et, de Rur flees in de Inde erinn.”. Ja auch dann hätte das von Tom Oellers orkalte Spektakel für das U-Boot, mit dem das Herrenballett die Bühne ansteuerte, nicht genug Wasser gehabt. „Eens künnt ihr mir glööve, ihr werdet schon sehn, Indeland weed uns irjendwann bis zomm Halse stehn.” Für den Fall hatten sich die strammen Kerls mit Taucherglocken gewappnet. Um dann als tanzende Matrosen und Wassernixen die Herzen der Gäste zu erobern, die sie nicht ohne Zugaben von der Bühne ließen.

Man merkte, Trainerin Sabrina Caruso hatte nichts unversucht gelassen, den Herren Piouretten, Anmut und Grazie näher zu bringen. Das vierte Ass war gelegt, und die Stadthalle stand Kopf.

Es wird schwer werden, eine solche Sitzung im nächsten Jahr zu toppen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert