Jülich - Kopernikusstraße zeigt Gesichter

Kopernikusstraße zeigt Gesichter

Von: Nicola Gottfroh und Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Im Balkan-Krieg hat sie ihre Heimat verlassen: Heute fühlt sich die Serbin Dusica Ibraimovic in der Kopernikusstraße zuhause. Und ihre jüngste Tochter Vivien sehnt ihre Einschulung nach den Sommerferien herbei.

Jülich. Menschen aus mehr als 16 Nationen leben in der Kopernikusstraße. Das hat eine Studie der Stadt Jülich ergeben. Drei Jungen spielen auf einem kleinen Stück Rasen vor einem Hochhaus Fußball. Zwei Frauen in Kopftüchern gehen vorbei. Gegenüber vom Spielplatze begrüßen sich zwei junge Männer per Handschlag. Ein Vater hebt seinen kleinen Sohn, dessen Arm in Gips steckt, in den Kindersitz seines Autos. Ein Nachmittag, sechs Geschichten...

Dusica Ibraimovic, 36, hat im Balkan-Krieg ihr Heimatland Hals über Kopf verlassen müssen. Als sie als 18-Jährige nach Deutschland kam, hat ihre Familie in Münster versucht heimisch zu werden. Doch die Verwandtschaft fehlte. Darum zog die Serbin zu den Verwandten in Jülich. Dort hat sich die dreifache Mutter ein gemütliche Heim in der Kopernikusstraße eingerichtet. Für ihre fünfjährige Tochter Vivien ist Jülich „einfach mein Zuhause”. Nach den Sommerferien erfüllt sich ihr größter Wunsch: Sie besucht die Grundschule Nord.

Alexander Hannu, 18, sieht keinen Unterschied zwischen Russen und Deutschen. „Was soll sie unterscheiden?”, fragt er. „Da gibt es nichts.” Seit zehn Jahren wohnt der Russe mit seinen Eltern in Deutschland, seit vier Jahren in Jülich. In der Kopernikusstraße fühlt er sich wohl. „Hier wohnen alle zusammen”, sagt er und schwingt sich auf sein Rad. Seine beiden älteren Schwestern sind verheiratet und leben in Deutschland verstreut.

Su Shen, 27, weiß zu schätzen, dass es in der Kopernikusstraße ruhig und übersichtlich ist. Von seinem eigenen kleinen Reich aus, einer Zwei-Zimmer Wohnung in der Kopernikusstraße, ist er auch ohne Auto schnell mitten im Leben. Der Chinese studiert an der FH-Aachen, Campus Jülich im vierten Semester angewandte Chemie. Ursprünglich verfolgte er den Plan, in Köln zu studieren. Schließlich ist die Rheinmetropole von ihren Ausmaßen her schon eher mit Sus Heimatstadt Peking zu vergleichen. Schließlich entschied er sich doch für ein Studium in der Herzogstadt, denn die Möglichkeit, mal ein wenig ländlicher zu wohnen, gefiel ihm.

Ilir Halili, 18, kommt auf dem Balkon seiner Wohnung in der Kopernikusstraße. Dort hängt seine Mutter die Wäsche auf. Als die Familie 1989 nach Deutschland kam, hat sie schon einmal ein Jahr in der Rurstadt gelebt. Dann zog es sie bis 2002 nach Gelsenkirchen. Dort kam Ilir zum Fußball und wurde Schalke Fan. Heute stürmt er für Lich-Steinstraß. Ilir und seine beiden jüngeren Geschwister haben einen slownenischen Pass, ihre Mutter hat die albanische Staatsangehörigkeit.

Kutlu Mehmet, 19, mag das Leben auf der Kopernikusstraße. „Es ist ruhig”, findet er. „Und jeder kennt sich, das ist fast wie eine Familie”. In seinem Achselshirt kommt er mit seiner Mutter gerade vom Einkaufen. Der junge Mann, der in der Türkei geboren ist, lebt seit siebeneinhalb Jahren im Jülicher Norden. Mit seiner Schwester, seinem Bruder und seinen Eltern. Nach der Schule will er eine kaufmännische Ausbildung anfangen. „Weil ich gerne rechne und mich gerne mit Menschen unterhalte.”

Fouad Jerroudi, 21, ist ein Familienmensch. „Wir halten zusammen”, sagt der gebürtige Marokkaner, der seit 1998 in Deutschland lebt. Seit ein paar Jahren wohnt er mit seinen zwei Brüdern, zwei Schwestern und seinen Eltern in der Kopernikusstraße. Auf die wartet er heute an seinem Auto. Ein Ausflug zur Tante nach Belgien steht an. Sein jüngster Bruder, Mourad, 10, balanciert eine Torte auf den Händen. Mit den Leuten in seiner Nachbarschaft habe er nicht viel zu tun, sagt er. „Wenn es wärmer wird, dann spielen wir ab und zu Fußball”, sagt er. Ansonsten ist er Familienmensch.
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