Konzert der Superlative einer Klaviervirtuosin

Von: ptj
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Hat die Musik verinnerlicht: Die Meisterpianistin Dr. Young-Hyun Cho gastierte bereits zum vierten Mal in Jülich. Foto: Jagodzinska

Jülich. Schnell wischte Dr. Young-Hyun Cho mit einem weichen Tuch über die Tasten des Steinway-Flügels, schloss die Augen und atmete tief ein. Dann legte sie mit grazilen Bewegungen und voller Konzentration ihre Hände auf die Tasten und ließ ihre Fingerspitzen mit spürbarer Leichtigkeit darüber fliegen.

Virtuos und ohne Notenblätter adelte sie die Werke von Frédéric Chopin und Ludwig van Beethoven, die sie völlig verinnerlicht hat.

Zum vierten Mal gastierte die mit internationalen Preisen ausgezeichnete Konzertpianistin in Jülich, als Gast des „Internationalen Clubs Jülich“. Dieser richtet, ganz im Sinne der Völkerverständigung, informative, kulturelle und gesellschaftliche Events aus.

Das Ausnahmekonzert war eingebettet in die Ausstellung „Ren Rong – Dialog der Weltkulturen“ im Renaissancegarten des Museums Zitadelle.

Mit magischem Touch

Zum Teil mit geschlossenen Augen genossen die zahlreichen Zuhörer das Konzert mit magischem Touch, das mit Chopins Glanzstück „Fantaisie in F Moll, Op. 49“ begann. Hauptwerk der ersten Konzerthälfte war Beethovens populäre „Sonata No. 23 in F Moll Op 57“ in drei Sätzen, die wegen ihrer unbändigen Leidenschaft mit apokalyptisch/düsterem Akzent im dritten Satz den Beinamen „Appassionata“ trägt.

Der klassisch strukturierte Sonatensatz klingt wie ein großes romantisches Charakterstück, unter anderem durch stets kleiner werdende Notenwerte in ständig variierenden Taktstrukturen. In Perfektion arbeitete Young-Hyun Cho die meisterhafte Kompositionstechnik heraus, immer wieder auch mit dem Übergreifen der rechten Klavierhand.

Gerne nahmen die zahlreichen Gäste in der Pause bei kalten Getränken und Häppchen die Metallskulpturen des chinesischen Künstlers Ren Rong im Renaissancegarten in Augenschein.

Die zweite Konzerthälfte begann mit der bildgewaltigen und spannungsgeladenen „Barcarolle Fis-Dur Op. 60“ von Chopin, in der die zarten Finger der Pianistin mit Wasserrauschen und Ruderschlägen in die Lagunenstadt Venedig entführten.

Als Hauptwerk der zweiten Hälfte und Höhepunkt des gesamten Konzerts interpretierte Young-Hyun Cho einfühlsam Chopins „Sonata No. 3 in B Moll, Op 58“ in vier Sätzen, die dritte und letzte Sonate des großen polnischen Komponisten mit französischer Identität. Der zweite Satz ist von einem Scherzo im Terz-verwandten Es-Dur geprägt, in fast unbemerkt gesteigerten Tempo.

Der dritte Satz mit E-Dur-Mittelsatz vermittelt Stimmung, Melodie und schwebenden Begleitrhythmus, der an die barocke Nocturne erinnert. Im Schlusssatz voller Farbe löst sich schließlich der Schwung. So spielte Young-Hyun Cho mit Bravour eine Sonate, die technisch und gestalterisch nur von Meisterpianisten zu bewältigen ist. So wollten dann die stehenden Ovationen des begeisterten Publikums nach fünf (!) Zugaben nicht enden.

Dr. Young-Hyun Cho spielte unentgeltlich. Die freiwilligen Spenden kommen dem Förderverein Museum zugute. „Ich wurde ergriffen von der Wucht ihrer kraftvollen und zugleich emotionalen Interpretation, die mir vor allem Chopin neu erschloss. Die Magie des Abends teilte sich dem gesamten Publikum mit.“ So gab abschließend Dr. Christoph Fischer vom Museum Zitadelle seine Empfindungen wieder.

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