Konflikttraining: Kinder lernen das „Stopp!“ Sagen

Von: ptj
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„Stopp, das will ich nicht!“: Für ein gutes soziales Klima werden an der GGS Jülich-West regelmäßige Anti-Konflikttrainings durchgeführt. Foto: Jagodzinska

Koslar. Mit ernstem bohrenden Blick tritt die Viertklässlerin der GGS Jülich West einen Schritt zurück, streckt den rechten Arm aus, spreizt die Hand und sagt zu einem fiktiven Paul aus der siebten Klasse: „Stopp, Paul, das will ich nicht.“ Die Szene ist Teil des bewegungsreichen Trainingskonzeptes „Gewaltfrei Lernen“ mit Trainerin Anna Lohmar.

Das Training, ausgerichtet auf Menschen zwischen drei und 20 Jahren, beugt sozialer und körperlicher Gewalt vor und lehrt im Gegenzug soziales Miteinander, Teamwork- und Konfliktfähigkeit. Weil das Konzept das soziale Klima an Kitas, Schulen und Ausbildungsstätten verbessert und eine nachhaltige Basis für erfolgreiche Bildung schafft, trainiert die Gemeinschaftsgrundschule Jülich-West in Koslar ihre Schüler diesbezüglich schon seit sechs Jahren.

„Wir schulen die jeweils erste Klasse intensiv in sechs Stunden, die Klassen 2, 3 und 4 werden nachgeschult“, gibt Schulleiterin Stella Rath Auskunft. „Die Kinder verwenden das Erlernte auch, es ist ein Selbstläufer“, fügt sie betonend hinzu.

„Die Kinder haben Spaß daran, das Erlernte anzuwenden. Wir von der Sparda-Bank haben das Gefühl, etwas Gutes zu tun“, betont Carsten Züll, Filialleiter der Sparda-Bank West. Durch die Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales des Geldinstituts erhielten bislang mehr als 70 Schulen in NRW ein Konflikttraining, das aus sechs bis zehn Unterrichtsstunden pro Klasse besteht.

Während die Schüler Praxisunterricht erhalten, werden die Lehrer fortgebildet und die Eltern im Rahmen einer Abendveranstaltung für das Thema sensibilisiert und durch Rollenspiele geschult.

Wie im Flug vergingen die eineinhalb Stunden Nachschulung in der Klasse 4a. Gestartet und beendet wurde die Trainingsstunde sitzend im Kreis. Gestenreich stimmten Schüler und Trainerin ihr Lied, oder eher ihren Rap an: „Sonntags essen die Piraten mit den Fingern Sonntagsbraten...“

Das Training begann mit einer blinden Vertrauensübung, in der ein Kind einen ausgewählten Partner mit einem Stück Seil als „Wasserschlange“ durch die Menge führte, langsam und vorsichtig, denn der Spielpartner hielt die Augen geschlossen. „Pass auf, dass du nichts berührst, auch keine anderen Kinder“, gab die Trainerin vor.

Zu dem in verschiedenen Facetten geübten „Nein“-Sagen gehören das Sich-Großmachen und ein ernstes Gesicht als sichtbares Zeichen für „Stopp“. „Bitte nimm es ernst. Wenn du lachst, macht der Paul weiter...“, gibt Lohmar zu bedenken. „Ja“ ist hingegeben bei jeder Wahl eines Spielpartners geboten, es geht darum, einander anzunehmen. Dann werden kleine „Theaterstücke zum Helfen“ improvisiert.

Wenn etwa „ein freches Mädchen“ über andere spottet und damit einen Mobbingprozess in Gang setzt, ist es wichtig, nicht mitzumachen, sondern den Ausgeschlossenen zu schützen, eine „liebe Mauer“ zu bilden. „Nein, das ist eine Freundin. Sie ist nett. Ich finde ihre Schuhe schön.“ Der Ausdruck „liebe Mauer“ weist neben dem Schutz des Mitschülers darauf hin, dass entstehender Streit vermieden werden soll. „Es ist ganz wichtig, dass du das Kind schnell wegnimmst von denen und nicht provozierst“, betonte Lohmar.

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