Müntz - Kommt ein Müntzer Kirchturm geflogen

Kommt ein Müntzer Kirchturm geflogen

Von: ptj
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Applaus erschallt gegen halb neun am Morgen an der Müntzer Pfarrkirche. Die Turmspitze hebt ab. Foto: Jagodzinska

Müntz. Die gotische Pfarrkirche St. Peter in Müntz hat ein besonderes Verhältnis zum Sturm: Am 28. Februar 2010 wehte Orkantief Xynthia die Kirchturmspitze auf das Gotteshaus. Kopfüber steckte sie in Dach und Gewölbe des südlichen Seitenschiffs.

Die Folge waren starke Beschädigungen am Dach des Seitenschiffes, Turmschaft und Querschiff wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Turmspitze, eine Stahl-Holz-Konstruktion, wurde neu errichtet, angepasst an die ursprüngliche Gestaltung von Carl Lange.

Hier bot sich die Chance, die teilweise nur notdürftig durchgeführten Nachkriegsreparaturen zu korrigieren: Zimmerer, Maurer und Steinmetze ertüchtigten den Turmschaft. Die Reparaturen am Seitenschiff folgen noch. Die Rekonstruktionskosten der Turmspitze belaufen sich auf 362000 Euro, aus Kirchensteuermitteln wurden 188000 Euro beigesteuert.

Als die 11,5 Meter hohe, vor Ort verschieferte Turmspitze mit einem 80-Tonnen-Kranwagen hochgezogen werden sollte, flauten die Sturmböen nicht ab. Ständige Messungen hielten Werte zwischen 5 und 24 Metern/Sekunde fest, der Grenzwert sind 8 m/sek. Wiederholte Versuche schlugen fehl, ein Tagwerk war dahin.

Am nächsten Tag waren früh um 6 Uhr bereiteten etwa 20 Arbeiter diverser Firmen den nächsten Versuch vor. Eine stählerne Hebetraverse mit Haken und Ösen hielt Balance und die Seilzüge auf Abstand zum Schutz der Schiefer. Der Kran war am Vortrag mit Hilfe eines kleineren Kranwagens um eine 28 Meter hohe Gittermastspitze verlängert worden. Keile wurden unter den Zug gelegt, das mögliche Drehen der Spitze in der Luft sollte durch Korrigieren der Seilzüge per Hand vermieden werden. Kurz vor halb neun Uhr applaudierten die vielen Schaulustigen, die Spitze hob ab.

Schnell gewann sie unter den angestrengten Blicken des Zimmerers Klaus Keutgen aus Eschweiler an Höhe und wurde ohne Probleme aufgesetzt. Sofort legten Arbeiter in 55 Metern Höhe zur Befestigung der Spitze wieder Hand an - unter den Blicken des Architekten Eberhard Hirsch, Dipl.-Ingenieur Philipp Strugalla vom Generalvikariat und Mitgliedern des Kirchenvorstands.

„Es blieb einfach Spannung, die sich heute glückhaft gelegt hat”, brachte Hirsch die gesamte Aktion auf den Punkt - vor atemberaubender Aussicht. Das Gerüst soll nach Ostern wieder abgebaut werden. Bis dahin sind noch Anschieferungsarbeiten sowie die Fertigstellung des Gesimses fällig. Doch schon jetzt ist der wieder dreigeschossige, reich gegliederte Turm mit filigraner Maßwerkbrüstung, Schiefer-Pyramide, Nadelspitze und Kreuz wunderschön anzuschauen.
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