Klimaforscher starten mit Zeppelin nach Nordeuropa

Von: hfs.
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Erregte im Vorjahr über Jülich viel Aufmerksamkeit: der Forschungszeppelin, der in der nächsten Woche zu einer Reise nach Finnland aufbricht. Foto: hfs.

Jülich/Friedrichshafen. Der Forschungszeppelin, gechartert von Jülicher Forschern, wird wieder in den Dienst der Klimaforschung treten. War er im Mai des vergangenen Jahres an der niederländischen Nordseeküste und der italienischen Adria unterwegs, startet er voraussichtlich Anfang kommender Woche in Richtung Nordeuropa.

Genau genommen nach Finnland, womit der zweite Teil der Messkampagne im Rahmen des EU-Projekts Pegasos beginnt. Zurzeit laufen noch der Umbau des Luftschiffes der neuesten Technologie (NT) vom Passagier- zum Forschungszeppelin und erste Testflüge mit Messgeräten in Friedrichshafen.

„Wir sind mit dem Verlauf der Kampagne sehr zufrieden“, zog Professor Dr. Andreas Wahner vom Jülicher Institut für Energie-und Klimaforschung eine Bilanz, als der erste Teil der Messflüge abgeschlossen war. Anhand der Datenauswertung konnten die Wissenschaftler damals neue Erkenntnisse zur Selbstreinigung und Aerosolbildung in der bisher wenig erforschten, aber chemisch sehr reaktiven Region in bis zu 2000 Metern Höhe gewinnen. Daten, die nach Aussagen des Jülicher Institutsleiters ein besseres Verständnis zukünftiger Klimaentwicklungen möglich machen, und die Erarbeitung von Luftqualitätsmaßnahmen entscheidend voranbringen.

Wurden bei dem Flug in die Niederlande besonders die photochemischen Prozesse in der planetarischen Grenzschicht, der Luftschicht von 100 bis 1000 Metern Höhe untersucht, ging es an der Adria bis zu 2000 Meter hoch. Einen knappen Monat lang fuhr das mit Messgeräten vollgepackte Luftschiff über dem Mittelmeer, immer nach der Suche nach Schwebeteilchen oder dem chemischen Hydroxylradikal, auch „Waschmittel der Atmosphäre“ genannt. Das spielt eine wichtige Rolle für den Abbau von Luftverunreinigungen und ist somit für die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre von entscheidender Bedeutung.

Am kommenden Montag soll der Zeppelin NT erneut aufbrechen, diesmal zu einer gut zweimonatigen Reise. Ziel ist Hyytiälä in Finnland. Von dort aus sind weitere Expeditionen geplant, „wenn möglich bis zum Polarkreis“, unterstreicht Wahner. Der erhofft sich mit seinen 26 Partnern aus 14 europäischen Staaten sowie Israel „erneut Erkenntnisse darüber, wie in Finnland die Radikal- und Aerosolbildung zu welchen Tageszeiten und in welchen Höhen abläuft“.

Einzigartige Flugeigenschaften

Der Zeppelin ergänzt dank seiner einzigartigen Flugeigenschaften die Daten von Bodenstationen und aus Flugzeugen perfekt. Er kann in der untersuchten „Grenzschicht“ langsam schweben, in der Luft anhalten, vertikal auf- und absteigen und bis zu 24 Stunden unterwegs ein. Während der aktuellen Kampagne transportiert er dabei bis zu einer Tonne schweres Messgerät, das mit Unterstützung des BMBF im Forschungszentrum Jülich entwickelt und gebaut wurde.

Die Zeppelinmission ist Teil des EU-Projekts Pegasos, das von der Europäischen Kommission gefördert wird. Die Kampagne will den Einfluss der Atmosphärenchemie auf den Klimawandel messen und die entscheidenden Prozesse klären. Die Ergebnisse sollen wissenschaftliche Grundlagen liefern, um europaweite Maßnahmen zum Klimaschutz zu ermitteln. „Also die Verbesserung der Luftqualität unter der Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den Klimawandel zu erreichen“, sagt Andreas Wahner.

Auch für die weltweite Klimapolitik werden die Untersuchungen zur Verfügung stehen, da die Projektpartner auch in die Arbeit des Klimarats der Vereinten Nationen eingebunden sind. Mit dem Ziel, aus den gewonnen Daten die Grundlagen für Gesetze und Maßnahmen für Klima und Luftqualität in den kommenden 50 Jahre zu schaffen.

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