Klimaforscher in Jülich: „Waschmittel” der Atmosphäre gemessen

Letzte Aktualisierung:
In der Luft für den Klimaschu
In der Luft für den Klimaschutz: der Zeppelin NT des Forschungszentrums Jülich. Foto: FZJ

Jülich. Der Zeppelin NT des Forschungszentrums Jülich (FZJ) ist auf dem Weg zurück aus dem Mittelmeerraum nach Friedrichshafen: Die zweite vom Forschungszentrum Jülich koordinierte Messkampagne im Projekt Pegasos ist erfolgreich abgeschlossen.

Einen knappen Monat lang führten die Wissenschaftler von Ozzano (bei Bologna, Italien) aus Messungen zur Luftqualität im Mittelmeerraum durch. Nach der ersten Mission in den Niederlanden war dies die zweite Kampagne im Rahmen des EU-Großforschungsprojekts Pegasos.

Einen knappen Monat lang führten die Wissenschaftler von Ozzano (bei Bologna, Italien) aus Messungen zur Luftqualität im Mittelmeerraum durch. Nach der ersten Mission in den Niederlanden war dies die zweite Kampagne im Rahmen des EU-Großforschungsprojekts Pegasos.

Im Frühjahr 2013 folgen weitere Messungen im Norden Europas. Anhand der Messdaten wollen die Wissenschaftler Strategien und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen und zur Verbesserung der Luftqualität ableiten. „Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur verursachen Luftschadstoffe im Gesundheits- und Umweltbereich jährlich Kosten von über 100 Milliarden Euro”, so die Irin Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Wissenschaft und Forschung. „EU-Forschungsprojekte wie Pegasos helfen uns dabei die europäischen Luftverschmutzungsrichtlinien bis 2013 überarbeiten zu können.”

Der Zeppelin fliegt östlich um die Alpen über Österreich an den Bodensee zurück. Je nach Wetterlage soll der Zeppelin am heutigen Donnerstag oder am Freitag in Friedrichshafen eintreffen. Im Internet kann man den den Flug direkt verfolgen.

Drei verschiedene Sets von Messgeräten verwenden die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Thomas Mentel und Dr. Franz Rohrer vom FZJ für ihre Untersuchungen. Über Italien wurden insbesondere Daten zu photochemischen Prozessen in der planetarischen Grenzschicht gesammelt. Das ist die chemisch sehr aktive Luftschicht in einer Höhe von 100 bis 2000 Metern, in der die Luft gereinigt wird. Die Forscher maßen zum einen Schwebeteilchen in der Luft, zum anderen das „Waschmittel” der Atmosphäre, das aggressive chemische Hydroxylradikal (OH-Radikal).

Daten zu deren Entstehung und ihrer Mitwirkung im Klimageschehen sollen unter anderem Aufschluss über die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre geben. Die Messreihen werden die Daten vom Flug in die Niederlande ergänzen. In Italien wurden die Flüge durch Messungen von Projektpartnern ergänzt: Forscher um Dr. Maria Cristina Facchini vom „Institute of Atmospheric Sciences and Climate” (ISAC) des Italian National Research Council (CNR) zeichneten parallel zu den Flugdaten an Bodenstationen in der Po-Ebene Daten zur Zusammensetzung der Atmosphäre auf.

In dem EU-Großforschungsprojekts „PEGASOS” erforschen insgesamt 26 Partner aus 14 europäischen Staaten sowie Israel Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel, um das Klima zu schützen und die Luftqualität in den kommenden 50 Jahren zu verbesserrn.

Der Zeppelin Neuer Technologie (NT) ist 75 Meter lang. Er hat eine feste Tragstruktur, ein Leicht-Metall-Skelett. Das unterscheidet den Zeppelin NT von den aufblasbaren Luftschiffen, die als Werbeträger genutzt werden. Der Zeppelin NT fahre „sehr ruhig in konstanter Höhe”, hatte Prof. Andreas Wahner, Direktor des FZJ-Instituts für Energie- und Klimaforschung, Bereich Troposphärenforschung, die Vorzüge des Fluggeräts erläutert. Die Präzision sei wichtig für die Messungen. Zum Beispiel liege die Höheneinstellung bei drei bis vier Metern. So könne die atmosphärische Grenzschicht in der chemischen Zusammensetzung mit einer sehr höhenaufgelösten Genauigkeit abgetastet werden.

Dort, wo sich sonst in der Gondel die Sitze für die Fluggäste befinden, ist das wendige Forschungs-Luftschiff vollgepackt mit Messtechnik. Auf 1000 Kilogramm beläuft sich die Nutzlast, die zum Teil in der Gondel, zum Teil aber auch in einer Art Dachgepäckträger oberhalb des Luftschiffes untergebracht ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert