Kleines Kreishaus Jülich soll großer Wurf werden

Von: Volker Uerlings
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Bei einem Anbau am Alten Rathaus müsste die Rathaus-Passage weichen. Der neue Gesamtkomplex wäre das kleine Kreishaus. Foto: Uerlings
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So sieht der Vorentwurf eines Anbaues an – hier mögliche neue Front an der Düsseldorfer Straße. Skizze: Assmann-Gruppe

Jülich. Es war von Beginn der Planungen klar, dass neben dem Alten Rathaus, in dem die Kreis-Dienststellen derzeit überwiegend untergebracht sind, ein Anbau notwendig ist, um für die Menschen im gesamten Nordkreis nahezu alle Dienstleistungen neben Düren auch in Jülich anbieten zu können.

Das kleine Kreishaus in Jülich wird größer – und das ist wörtlich zu nehmen. Zwei Varianten einer Vorentwurfsplanung liegen nun als grobe Richtschnur vor. Im Herzen der Herzogstadt – an Düsseldorfer und Kapuziner-Straße – würden nicht nur Nachkriegsbaulücken nach gut 70 Jahren verschwinden. Natürlich verändert sich das Stadtbild. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt laut Auftraggeber zehn Millionen Euro.

Die Gesellschaft für Infrastrukturvermögen (GIS) Kreis Düren hat die Dortmunder Assmann-Gruppe mit dem Vorentwurf beauftragt, der diese Woche der Öffentlichkeit, aber auch Politik und Verwaltung in Jülich präsentiert wurde.

Auf jeden Fall bebaut werden soll das ehemalige Stüssgen-Grundstück, auf dem sich heute die Rathaus-Passage befindet, die dafür weichen müsste. Zudem besteht die Möglichkeit, auch das Nachbargrundstück in einem Guss mitzubebauen. Gemeint ist die Parkplatz- und Garagenfläche neben dem Sparkassenstandort in der Innenstadt.

Aus Innenhof wird Garten

Diese ganz große Lösung ist so konzipiert, dass sie sich nach Angaben der Architekten „auf den historischen Stadtkern beruft“. Sie wäre nur durch eine Glasfuge vom Alten Rathaus getrennt. Variante 2 ist ein Solitärbau, der einen bewusst großen Abstand zum Nachbargrundstück in der Kapuzinerstraße belässt. Beide Varianten sind dreigeschossig (ein kleiner Teil viergeschossig). Beim Solitärbau befände sich ein laut Architekten „lichtdurchflutetes Atrium“, um das herum die Büros und Flächen angeordnet sind. In beiden Plänen soll der heutige Hof hinter dem Alten Rathaus zu einem kleinen Garten mit Bistroflächen umgestaltet werden.

Es besteht eine fußläufige Verbindung von der Düsseldorfer zur Kapuziner-Straße durch diesen grünen Innenhof. Der Haupteingang des Anbaus befindet sich jeweils in der Düsseldorfer Straße. Nicht vorgesehen in den vorgestellten Plänen war ein Durchgang vom Innenhof zum Marktplatz. Genau hier gibt es aber einen entscheidenden Mangel, wie sich bei der Präsentation vor der Politik zeigte: Die gewünschte Durchlässigkeit durch das Alte Rathaus zum Marktplatz und eine Außengastronomie dort gibt es nicht.

Denkmalschützer reden mit

Auf diese Möglichkeit haben die Planer zunächst verzichtet, weil das eine Einigung mit den Denkmalschutzbehörden erforderlich mache und technisch schwierig sei: Das Alte Rathaus hat einen 60 Zentimeter hohen Sockel, der dann überwunden werden müsste. Ansonsten wären Hof und Neubau aber komplett barrierefrei.

Die Wichtigkeit dieser Öffnung zum Markt räumte Landrat Wolfgang Spelthahn auf Nachfrage ein. Diese Lösung soll nun auch mit Nachdruck verfolgt werden. Dazu werden Stadt und Kreis laut Spelthahn schnellstens mit der Oberen Denkmalbehörde in Kontakt treten.

Das war ein Ergebnis der (nichtöffentlichen) Planvorstellung. Spelthahn berichtete, dass die Grundideen sonst bei Verantwortlichen in Jülich auf breite Zustimmung gestoßen seien.

Der Kreis will aus wirtschaftlichen Gründen das Projekt schnellstmöglich umsetzen. Derzeit nutzen zum Beispiel viele Menschen aus dem Nordkreis die Möglichkeit, ihre Fahrzeug-Zulassungen oder -Abmeldungen bei der Partnerbehörde in Würselen vornehmen zu lassen. Dafür zahlt der Kreis Düren einen fast sechsstelligen Betrag pro Jahr an die Städteregion. Bei einem Straßenverkehrsamt in Jülich – im Erdgeschoss des Neubaus vorgesehen – , werde dieses Geld gespart und helfe dabei, das kleine Kreishaus in der Herzogstadt wirtschaftlicher zu machen.

Die Erstellung von zwei Neubau-Varianten ist ebenfalls vor dem zeitlichen Hintergrund zu sehen: Den Solitärbau könne man nach konkreter Ausarbeitung zügig allein umsetzen, wie GIS-Geschäftsführer Peter Kaptain einräumte. Modell 1 sei nur in Abstimmung mit dem Nachbargrundstückseigentümer möglich. „Der ideale Weg ist ein Schulterschluss, aber wir sind nicht darauf angewiesen“, sagte der Landrat. Mit dem Nachbarn sind nun Gespräche geplant – wie auch mit dem Denkmalschutz. Gewünscht ist der „große Wurf“.

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