Jülich - Kleine Rurstraße: Metallabdeckung wird bei Schnee zur Gefahr

Kleine Rurstraße: Metallabdeckung wird bei Schnee zur Gefahr

Von: Karl Stüber
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Nicht rutschfest: Geschäftsmann Frank Körfer (r.) und sein Anwalt Michael Lingnau legen die Finger „in die Wunde”. Die Metallabdeckung des ehemaligen Bachlaufs an der Kleinen Rurstraße ist bei Schneefall nicht zu erkennen. Foto: Stüber

Jülich. Vor zwei Jahren hat sich Frank Körfer auf der Kleinen Rurstraße auf die Nase gelegt, weil er auf der nassen Metallabdeckung des stillgelegten Bachlaufs ausgerutscht war. Körfer kam mit ein paar Beulen glimpflich davon, wie er berichtet.

Am 5.01. rutschte seine 65-jährige Mutter nach Schneefall an der gleichen Stelle aus. Sie hatte nicht an die unter der weißen Pracht verborgene Metallabdeckung gedacht und weniger Glück als ihr Sprössling. Schwere Prellungen und ein lädierter Schleimbeutel im Knie mussten bereits mehrfach vom Arzt behandeln lassen.

Brief an den Bürgermeister

Nun ist ihrem Sohn Frank endgültig der Kragen geplatzt. Bereits nach dem eigenen Sturz hatte er die Stadt Jülich vergeblich gedrängt, die Gefahrenpunkte entlang der Kleinen Rurstraße nachhaltig zu entschärfen. Körfer, der dort auch ein Geschäft hat, beauftragte seinen Anwalt Michael Lingnau, Bürgermeister Heinrich Stommel einen geharnischten Brief zu schreiben.

„Es geht mir vor allem um eine grundsätzliche Lösung, um Schlimmeres zu verhindern”, betont er. Körfer hat nämlich von weiteren Stürzen erfahren. So habe sich ein Passant das Steißbein angebrochen.

Rechtsanwalt Lingnau sieht die Stadt in der Verkehrssicherungspflicht. Die in Frage stehende Stelle auf der Kleinen Rurstraße gehöre nicht zu dem Streifen entlang der Fassaden bzw. den Raum, der Fußgängern vorbehalten ist. Die Metallabdeckungen gehörten zu der von der Stadt frei zu haltenden Verkehrsfläche.

Lingnau merkt an, dass sich die Verwaltung nicht hinter dem „Überarbeitungssyndrom” seiner Bauhofmitarbeiter verschanzen dürfe: „Das lasse ich nicht gelten.” Gerade bei und nach Schneefall seien die Metallplatten nicht erkennbar. Zudem handle es sich um einen besonders intensiv „begangenen” Bereich gegenüber einem Verbrauchermarkt. Die Stadt könne die Sache mit Blick auf den Winter als allgemeines Lebensrisiko abtun.

Neben Aspekten wie Schmerzensgeld und Schadenersatz gehe es vorrangig um „Staatshaftungsrecht”, also die Verantwortung der Kommune ihren Bürgern und Besuchern gegenüber. So sei mit Blick auf die eingetretenen Verletzungen zumindest für die Zukunft auf Unterlassung zu drängen.

Körfer regt das Verfüllen des abgedeckten Kanals an, wie es die Straßengemeinschaft Kleine Rur-/Grünstraße an anderen Stellen vorgemacht habe. Diese Abschnitte seien zudem mit niedrig wachsenden bzw. flachen Pflanzen besetzt worden. Gerne sei man bereit, mit der Stadt bei einem Ortstermin über Abhilfe zu reden.

Stadt hat Versicherung informiert

Kerstin Haffner, Leiterin des städtischen Rechtsamtes, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Zwischenfall gemeldet worden sei. Die Angelegenheit sei mit den notwendigen Details aufgenommen worden. Entsprechend werde die Versicherung der Kommune zur Schadensregulierung informiert.

Die Versicherung werde wohl bei der Bearbeitung auch berücksichtigen, ob der abgedeckte Bachlauf der Betroffenen grundsätzlich bekannt ist, meinte Haffner. Das Rechtsamt habe - wie schon in dem „Fall” vor zwei Jahren - das Tiefbauamt über den Sturz in Kenntnis gesetzt.

Als die Straßengemeinschaft Kleine Rurstraße/Grünstraße den Bauchlauf vor einiger Zeit teilweise auffüllen wollte, sei die Gesamtanlage nochmals mit der Gemeindeversicherung geprüft worden. Die Bachabdeckung, die an den Stellen eingesetzt wurde, die nicht mit Erde und Pflanzen verfüllt worden, sei von der Versicherung seinerzeit akzeptiert worden.

Nun will das Rechtsamt laut Haffner mit dem Tiefbauamt und der Versicherung prüfen, inwieweit die Abdeckung unter dem Aspekt Rutsch- und Sturzgefahr bei Nässe, Schnee und Eis (noch) akzeptabel ist.
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