Jülich - Kleine Pilzkunde der Jülicher Mykologen

Kleine Pilzkunde der Jülicher Mykologen

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
8680515.jpg
Pilze sind an Aussehen und Geruch zu erkennen: Die vierte Pilzausstellung in Jülich bot reichlich frisches Anschauungsmaterial. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Zum Glück reichlich Pilze gefunden“ hatte die veranstaltende Pilz-AG der Volkshochschule Jülicher Land vor ihrer vierten Pilzausstellung im Alten Rathaus. Von den 200 bis 300 gefundenen Arten sind nach Bekunden des Jülicher Pilzexperten Robert Mohl einige leicht zu bestimmen, etwa Vertreter der Wulstlinge wie der Fliegenpilz, andere schwerer, wie Vertreter der Schleierlinge oder Risspilze.

„Schleierlinge haben einen fädigen Schleier (zwischen Hutrand und Stiel) in jungen Jahren“, erklärte der Mykologe gerne interessierten Besuchern. Zu dieser sehr großen Gattung in der Klasse der Ständerpilze zählen etwa der ungenießbare „Braunschuppige Dickfuss“, der von September bis November an feuchten Stellen unter Birken wächst, und der „Dunkelbraune Gürtelfuss“. Er ist ebenfalls kein Speisepilz und wächst von Juli bis November in Fichtennähe.

Die artenreiche Gattung der Risspilze, die auf Waldboden wachsen, enthält sehr viele tödlich giftige Exemplare. Als Anschauungsmaterial diente etwa der giftige „Weinrote Risspilz“ mit dunkelbraunem Hut und weinrotem Einschlag. Er riecht „obstartig bis schwach spermatisch“ und wächst im Sommer und Herbst oft in größeren Gruppen im Gras unter Laubbäumen. Zu den gefährlichsten Giftpilzen zählt der „Ziegelrote Risspilz“, der das zentrale Nervensystem angreift. 500 Milligram führen bereits zur Atemlähmung.

Hochgiftig ist ebenfalls der „Grüne Knollenblätterpilz“, ein Wulstling mit einem halbkugelförmigen Hut in jungen Jahren. Später wird dieser bis zu 15 Zentimetern breit und hat eine olivgrüne oder gelb-grüne Farbe. Die langen und weißen Lamellen werden später grünlich.

Besonders dramatisch ist ein Verzehr dieses Pilzes, weil „die Vergiftungserscheinungen erst einen Tag später auftreten“, wenn Nieren und Leber schon stark geschädigt sind. Der Grüne Knollenblätterpilz verführt mit einem anregenden Honigduft, während andere giftige Pilze durch ihren Geruch abschrecken.

So riecht der Karbolchampignon nach Krankenhaushygiene und Infektionsverhütung. „Er stinkt in der Pfanne dermaßen, dass man ihn gar nicht essen möchte“, erklärt Robert Mohl. Gleichzeitig Segen und Fluch bringt das Mutterkorn, das im Sommer in Getreide und Gräsern heranwächst und gleichzeitig das krampflösende Heilmittel Ergotamin und eine Vorstufe von LSD enthält.

Mohl präsentierte zudem zwei selten gefundene Pilzarten: den Pantherpilz, dem „giftigen Doppelgänger des grauen Wulstlings“. Zweites Beispiel für einen seltenen Pilz ist der ungenießbare „Spitzschuppige Stachelschirmling“.

Besonders interessant erscheint der Tintling, aus dem man früher tatsächlich Schreibtinte gewonnen hat, wie ein beschriebenes Blatt anschaulich demonstrierte. Der Faltentintling ist im Übrigen ein tückischer Speisepilz: Zusammen mit Alkohol führt sein Verzehr zu schweren Vergiftungen. Natürlich gibt es etliche leckere Speisepilze. Viele davon haben aber giftige Doppelgänger.

Darüber aufzuklären, ist eine wichtige Aufgabe von Mykologen. Fatal ist allerdings, wenn Pilzliteratur über solche Doppelgänger aufklären will und doch den falschen Pilz abbildet. Das ist nach Bekunden der Jülicher Mykologen der Fall im Buch „Pilze sammeln, aber richtig“, von Ewald Gerhardt. Auf der Titelseite abgebildet sind ein Karbolchampignon und ein Weißer Knollenblätterpilz. Der Karbolchampignon sei aber der einzig giftige Champignon, so Mohl.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert