„Kleine Hände“ haben im Kulturbahnhof mehr Platz

Von: ptj
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Mit Herz, Witz, Verstand – und Eieruhr: Vereinsvorsitzende Dorothee Schenk bietet den 50 bis 60 Gästen kurzweilige Information. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wenn Sie jetzt denken, das ist aber ganz schön eng hier mit den vielen Menschen, darf ich Ihnen versichern: So ist es in unserem Herzstück an jedem der drei Öffnungstage im Monat.“ Das betonte Vereinsvorsitzende Dorothee Schenk bei der Eröffnungs- und Einsegnungsfeier zur Erweiterung der Räume des gemeinnützigen Vereins „Kleine Hände“ im Kulturbahnhof vor etwa 60 Gästen.

Jährliche Kunden gibt es so viele, „wie in Stetternich wohnen“. Mit Herz, Witz, Verstand und der Hilfe einer Eieruhr, die nach zehn Minuten das Ende ihrer Rede einläutete, brachte Schenk den Vereinspartnern aus Schulen und Kitas, Kooperationspartnern des Netzwerks „Wir helfen“ und Unterstützern aus Politik und Verwaltung, Institutionen und Kirchen die Abläufe der Öffnungstage, ein Stück Vereinsgeschichte und einige Beispielzahlen nahe.

Besagte zehn Minuten Rededauer stehen jedem bedürftigen Kunden zum „Shoppen“ zur Verfügung. Seit 27 Jahren stellen die Ehrenamtler der „Kleinen Hände“ in Not geratenen Müttern und Vätern immer dieselben Fragen nach Anzahl, Alter, Geschlecht, Kleidergröße und Bedarf ihrer Kinder. Mit einem Lagerraum in der Kopernikusstraße ging die Vereinsgeschichte 1988 mit dem Team der heutigen Ehrenvorsitzenden Renate Hövelmann an den Start. Als Untermieter der Caritas kamen die „Kleinen Hände“ 1993 in den Genuss ihres ersten Ladenlokals in der Stiftsherrenstraße. 2000 bezogen sie ihr eigenes Heim im KuBa. Als Glücksfall erwies sich die von der Stadtverwaltung genehmigte Übernahme der Räume des Frauennetzwerks. Nun verfügt der Verein über Flur und Wartezone, jeweils einen Annahme- und Ausgaberaum und einen Raum für persönliche Gespräche.

„Wer zu uns kommt, der hat aller Regel nach schon alle bürokratischen Hilfen ausgeschöpft. Rücklagen zu bilden, ist diesen Familien nicht möglich“, sagte die Vorsitzende und nannte Detailbeispiele. Einem erwachsenen Kunden stehen monatlich 30,40 Euro für Kleidung zu, hinzu kommen 128,46 für Nahrung und 6,81 Euro für den Friseurbesuch. Bei Jugendlichen reduzieren sich die Beträge auf 33,32 Euro plus 96,55 und 1,78 Euro fürs Haareschneiden, bei einem Kind noch weniger. Neben Kleidung, Möbeln und Nötigen für den Nachwuchs suchen Familien in Not auch Rat und Beistand.

Schenk nannte die Zahl von 650 Stunden, entsprechend 81 Vollzeit-Arbeitstagen im Jahr, die die 17 Ehrenamtlerinnen der „Kleinen Hände“ leisten. Die persönlichen Gespräche sind hier nicht berücksichtigt, denn: „Notlagen halten sich so selten an die Öffnungszeiten“. Abschließend dankte Schenk dem „Kleine Hände“-Team herzlich, das seine Vorsitzende ohne jeden Vorbehalt unterstützt“. Ferner betonte sie den „kurzen Draht“ zu Stadtwerken, Schulamt, Schulsozialarbeiterin, Flüchtlingsberatern, der Schuldnerberatung sowie zu Ärzten, Anwälten und Geschäftsleuten vor Ort, mit denen sich „meistens Lösungen finden“. Bei der Einsegnung der neuen erweiterten Räumlichkeiten bezeichnete Propst Josef Wolff das Handeln der „Kleinen Hände“ als „Willkommenskultur des Lebens“. Sein evangelischer Amtsbruder Horst Grothe verband das Herzstück des Vereins mit einem „heiligen, besonderen Ort“.

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