Kleine Geschichten mit viel Lokalkolorit und Nachhall

Von: ptj
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Winfried Cremerius (l.) und St
Winfried Cremerius (l.) und Stadtarchivar Horst Dienstühler mit dem Erbe von Willi Pelzer in Händen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Willi Pelzers Mundartkolumne „Jülicher Verzäll” in der Samstagsausgabe der Tageszeitung als „Muttkrat Schäng” ist jedem Zeitungsleser ein Begriff.

Von 1950 bis zu seinem Tod am 13. April 2010 schrieb der „Schäng” stolze 2908 Exemplare. Diese sind nun digital archiviert und offiziell ans Jülicher Stadtarchiv übergeben.

Der „uralte Jülicher Muttkrat”, Winfried Cremerius will „die äußerst umfangreiche Arbeit von Willi Pelzer ehren”. Er schätzte den Autoren, der „gleich um die Ecke wohnte und zu jeder Wahl kam”, wie Cremerius schmunzelnd zurückblickte. Weit über ein Jahrzehnt lang sammelte und archivierte er den „Jülicher Verzäll”. Als seine Sammlung Lücken aufwies, wandte er sich an Stadtarchivar Horst Dienstühler, der auch das gesamte Zeitungsarchiv vor Ort verwaltet.

Zu treuen Händen

Klaus Pelzer, Sohn und Erbe des verstorbenen Autors, machte ihm dann ein verlockendes Angebot: „Ich gebe dir den gesamten Nachlass zu treuen Händen, bevor ich es offiziell dem Stadtarchiv übergebe”, erinnerte sich Cremerius an seine Worte. Wie Klaus Pelzer auf Anfrage betonte, war es seinem Vater „bereits viele Jahre vor seinem Tod ein inniges Anliegen, dass sein Jülicher Verzäll an das Stadtarchiv der Stadt Jülich übergeben werden würde, was ihm letztendlich auch durch den Archivar zugesagt wurde”.

Gesagt, getan: Cremerius scannte besagte 2908 Artikel ein, erstellte ein Inhaltsverzeichnis, vermerkte Überschriften und Erscheinungsdatum mit fortlaufendem Kalendarium. Damit nicht genug, galt es, Stockflecken in den zum Teil bereits deutlichen vergilbten Dokumenten der ersten Jahrzehnte mit einem Grafikbearbeitungsprogramm zu retouchieren. Dabei stellte er fest, dass Teile zweier Artikel fehlten, die Anfang der 1960er Jahre verfasst worden waren. Der verstorbene Autor hielt nämlich seine Gedanken auf kleinen A6-Papierstücken fest, die er kurz vor Abgabetermin zum „Verzäll” zusammenfügte.

Das Stadtarchiv selbst beklagt allerdings eine Nachkriegslücke: „Über Jahrzehnte wurden Archivarien in der Nachkriegszeit nur verwahrt”, bedauert Dienstühler, der seit 1987 hauptamtlicher Archivar in Jülich ist. „Ab Mitte der 70er Jahre begann die Stadt wieder damit, Tageszeitungen zu sammeln. Weil das Geld zur Mikroverfilmung aber knapp bemessen war, wurde wechselweise nur eine der beiden Zeitungen (Volkszeitung und Nachrichten) archiviert.” Einer der beiden fehlenden Artikel fand sich im Archiv unserer Zeitung, den anderen hatte Harald Blaeser, ein Parteifreund Klaus Pelzers, zur Hand.

Unveröffentlicht

Ein von Pelzer nummerierter Artikel war aus heute unerklärlichen Gründen gar nicht erschienen, ließ sich auch im Nachlass nicht aufspüren. „Dä Fröhling es jekomme” ist Pelzer letzte Kolumne am 27. März 2010 überschrieben.

Den gesamten Nachlass wandelte Cremerius in pdf-Dateien um und brannte sie auf DVD - einschließlich einiger Sonderartikel über Willi Pelzer. „Eine kommerzielle Verwertung steht eigentlich nicht zur Diskussion”, so Cremerius.

Wer jedoch diese DVD gerne sein Eigen nennen möchte, kann sie gegen eine Spende für den „Freundekreis Stadtarchiv” erhalten. Interessenten an der DVD wenden sich an Winfried Cremerius, Telefon 02461-8917.
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