Klassenzimmer mitten in der Natur

Von: Natalie Brocks und Jasmin Glasmacher
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An manchen Stellen muss man sc
An manchen Stellen muss man schon vorsichtig sein bei der Probenentnahmen, um nicht tiefer in das feuchte Klassenzimmer des Wasserschulgartens einzudringen, als einem lieb wäre. Foto: Glasmacher

Jülich. Der Frühling ist auf dem Höhepunkt. Im Teich blühen Seerosen in ihren prächtigsten Farben, Laichkraut und Schilfpflanzen strecken sich dem gleißenden Sonnenlicht entgegen.

Die hellgrün leuchtenden Baumkronen spiegeln sich auf der glitzernden Wasseroberfläche des Teiches. Eine Gans lässt ihr Gefieder in den warmen Strahlen trocknen. Im Hintergrund quaken der Frösche. Ein Mädchen nimmt Wasserproben, ein anderer Schüler misst den Druck an Schilfhalmen. Denn Unterricht im Wasserschulgarten (WSG) im Brückenkopf-Park steht auf dem Stundenplan.

„Die Kleinen zeigen Begeisterung, die Großen lassen sich anstecken”, sagt Walter Bähr, Biologie- und Chemielehrer am Gymnasium Zitadelle Jülich.

Entdecken und forschen

In diesem grünen Klassenzimmer erforschen Schüler Wasserpflanzen und deren Entwicklung in Abhängigkeit von ihrem Standort. Kinder werden an das Entdecken und Forschen herangeführt, Jugendliche lernen den Umgang mit Messgeräten. Außerdem ermitteln und werten sie die biologischen und physikalisch-chemischen Parameter aus. Zudem bestimmen die Schüler die Konzentration verschiedener Stoffe durch ein Fotometer, führen morphologische Untersuchungen durch und messen den Druck an Schilfhalmen, was die besondere Anpassung von Wasserpflanzen an ihren Lebensraum anzeigt. Bähr hält es für wichtig, dass Schüler die Naturwissenschaften hautnah erleben.

Der didaktische Ansatz gtreift aber noch weiter. Neben dem naturwissenschaftlichem Lerneffekt erfassen die Schüler Kraft, Schönheit und Zukunft der Wasserpflanzen und entwickeln ihr eigenes Umweltbewusstsein. Die Sozialkompetenz der Schüler wird vor allem durch das Arbeiten miteinander gefördert. Auch wird die Teamfähigkeit durch das Lernen in Gruppen gestärkt.

Aber nicht nur für die Biologie- und Chemiekurse bietet der Wasserschulgarten Lernstoff. Aufgrund der Zusammenarbeit mit jüngeren Schülern lernen die Jugendlichen selber das Lehren und Unterrichten. Insbesondere für Pädagogikkurse ist das interessant. Die freie Arbeit führte dazu, dass eine Amova (Aquatische-Modell-Vegetations-Anlage) in dem Wasserschulgarten errichtet wurde. Nach einem Vortrag von Dr. Eberhard Stengel über eine solche Anlage kamen Zitadelle-Schüler auf die Idee, ein ähnliches Modell für den Wasserschulgarten zu entwickeln.

Die Idee zum Wasserschulgarten entstand 1998 im Zusammenhang mit dem „Grünen Klassenzimmer” der Landesgartenschau in Jülich. Das Projekt wird unterstützt vom Forschungszentrum Jülich (FZJ), der Landesregierung NRW und der Stadt Jülich. Der Wasserschulgarten befindet sich in der ursprünglichen Sumpfniederung der Festungsgräben des napoleonischen Brückenkopfs. Umgeben wird er von vielen Gräben. Wasser wird von der Rur über den Brückenkopf-Weiher zugeführt. Über einen Steg gelangt man in die Mitte des Teiches. Am Rande des Stegs befinden sich Pflanzentröge, die man zur Untersuchung in verschiedene Höhen verstellen kann. Die Pflanzen wurden von botanischen Gärten zur Verfügung gestellt.

Der Wasserschulgarten hat sich stetig entwickelt. Am Anfang gab es nur wenige Untersuchungsmöglichkeiten im Freiland. Im Laufe der Jahre wurde ein Wasserlabor eingerichtet. Das machte die Arbeit etwas wetterunabhängiger und erluabte auch genauere Untersuchungen. Walter Bähr will den Wasserschulgarten breiter aufstellen, die Projekte sollen umfangreicher werden.

Vielfache Aufgabenbereiche

Schüler erhalten, so ist die Planung, gruppenweise verschiedene Arbeitsaufträge. Neben den Gruppen, die sich mit dem naturwissenschaftlichen Lernstoff befassen, beispielsweise Untersuchungen durchführen, beschäftigen sich andere Gruppen mit Themen außerhalb dieses fachlichen Rahmens. Sie sollen zum Beispiel die Öffentlichkeit informieren, den Dialog mit Politikern suchen die Geschichte der Ökologie des Wasserschulgartens auseinandersetzen.Doch das ließ sich bislang nicht realisieren. Denn laut Walter Bähr ist der Arbeitsaufwand ziemlich hoch.
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