Klassentreffen: Erinnerung an die Schulzeit während und nach dem Krieg

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Die Klassenkameraden der Katholischen Volksschule Jülich treffen sich 74 Jahre nach der Einschulung im Café Pasqualini. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Es war ein starker Jahrgang. Erwin Loep, Christian Chardin und 16 weitere Mitschüler sitzen im Café Pasqualini und schwelgen in Erinnerungen. Alle wurden 1941 in der Katholischen Volksschule Jülich eingeschult. Für 43 Schüler begann damals der Ernst des Lebens, wie es so schön heißt.

Doch schnell mussten sie feststellen, dass es durchaus Ernsthafteres als Schule gibt. Der Zweite Weltkrieg tobte, verschonte die I-Dötzchen nicht. „Wenn Fliegeralarm war, mussten wir nach Hause laufen oder im Bunker der Zitadelle Schutz suchen“, erzählt Loep.

Beim Treffen der Ü 80 Klasse wird die eine oder andere Anekdote erzählt. Dabei geht es weniger um lustige Klassenfahrten, als um eine Zeit, in der das Überleben im Vordergrund stand. Kaum hatten sie sich an den Schulalltag gewöhnt, war er schon wieder auf Eis gelegt. Der gesamte Regierungsbezirk Aachen wurde 1944 evakuiert, die Klassenkameraden in ganz Deutschland verteilt – von Mecklenburg bis Niedersachsen. Als sie zurück kamen, da war Jülich zerstört. Loep beschreibt die Szenerie: „Wer von Stetternich kam, konnte über Jülich hinweg schauen. Da war nichts mehr“.

Auch wenn ihre Heimatstadt dem Erdboden glich, das Schulgebäude in der Düsseldorfer Straße gegenüber der Stadthalle existierte noch. Ein geregelter Unterricht, wie wir ihn kennen, den wird es aber nicht sofort gegeben haben. So wurden die Jungs zum Beispiel von den umliegenden Bauern auf die Felder gebracht zum so genannten „Rüben vereinzeln“. „Die ganze Klasse rutschte dann durchs Feld“, sagt Chardin schmunzelnd, erzählt, dass sie dafür einen Liter Milch und ein Butterbrot bekamen. Anschließend ging es mit dem Traktor zurück. Zuhause angekommen, war die Milch sauer, so Loeb. Heute muss er darüber lachen: „Wir mussten doch irgendwie über die Runden zu kommen.“

Da keiner erfrieren wollte, ergaunerten sie sich Briketts zum Heizen. In Lucherberg war ein Brikettwerk, schildern beide. Transportiert wurde die Kohle mit der Bahn, doch kurz vor Jülich mussten die Züge auf das Einfahrtssignal vor dem Bahnhof warten. In diesen zwei Minuten kletterten sie auf den Waggon und warfen die Briketts in den benachbarten Graben. „So hatten wir Kohle zum Heizen“, erklärt Chardin, der wie so viele, mit seinen Eltern und drei Geschwistern die ersten Jahre nach dem Krieg im Keller wohnte.

Nach Schulende habe der größte Teil der Klassenkameraden sofort eine Lehrstelle gefunden. Doch – so betont Chardin – durften sie sich den Beruf nicht aussuchen. Sie mussten nehmen, was frei war.

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