Jülich - Klangvolle Einstimmung auf die Passion

Klangvolle Einstimmung auf die Passion

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Michael Dahmen(l) und Christof Rück begeisterten beim Matinee zur Marktzeit in der Propsteikirche. Foto Wolfgang Emde Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Der Bariton Michael Dahmen ist in der Region durch seine Konzertauftritte bestens bekannt und erwies sich auch an diesem Samstag als wahrer Publikumsmagnet. Mitten im samstäglichen Einkaufstrubel fand die Zeit der Besinnung und Ruhe großen Zulauf.

Über 200 Musikbegeisterte folgten der Einladung zum „Konzert am Markttag“ in der Jülicher Propsteikirche. Ergriffen und aufmerksam folgten die Zuhörer dem Programm, das aus vier Arien der großen Werke von Johann Sebastian Bach bestand.

Den Rahmen bildeten zwei Arien aus der Matthäus Passion des Meisters, die 1729 in der Thomaskirche erstmals aufgeführt wurde. „Komm, süßes Kreuz“ und „Mache dich mein Herze rein“ basieren auf Texten von Picander. Sie erscheinen manchmal in ihrer Emotionalität überzogen, entsprachen aber durchaus dem Geschmack des Barockzeitalters und wirken in der Passion wie eine feierliche Bekräftigung der Heiligen Worte.

Schlichtheit

Michael Dahmen und Christof Rück an der Orgel gelang es bestens, diese Arien in ihrer Schlichtheit, aber absolut kompositorischen Genialität mit großer Empathie den Zuhörern nahe zu bringen. Sie spannten damit den Bogen von Simons Tragen des Kreuzes für Jesus bis zur Grablegung durch Josef von Arimathäa. In diesem Rahmen fanden zwei Arien ihren Platz, die aus einem weiteren Werk Bachs stammen. Die geistliche Solokantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ gehört zum dritten Leipziger Kantatenjahrgang.

Hoffnungszeichen

Der Text der Titelarie nimmt Bezug auf das Evangelium von der Heilung des Gichtbrüchigen. Sie symbolisiert mit dem Kreuzstab den Pilgerstab bei der schmerzvollen Wanderung auf Erden und thematisiert das Leid, das der Gläubige erträgt, weil er die Hoffnung auf Erlösung hat. Diese Hoffnung spiegelte sich auch in der Arie „Endlich wird mein Joch wieder von mir weichen müssen“ wider. Diese freudige, fast tänzerische Arie in B-Dur strahlte mit ihrem bildhaften Text und dessen eindringlicher Vertonung besondere Zuversicht aus, wenn auch die Todessehnsucht und der Todeswunsch dominant werden.

Perfekt artikuliert

Durch die glänzende Artikulation Michael Dahmens konnten alle Texte perfekt verstanden und inhaltlich nachvollzogen werden. Dies war für das Verständnis der Musik sehr wichtig. Seine voluminöse Stimme füllte mit großer Leichtigkeit den großen Kirchenraum, verlor jedoch nie ihre Wärme und Strahlkraft. Auch schwierigste Koloraturen gelangen geschmeidig, intonationssicher und mit großer Klangschönheit. Die Thematik der Passion fand in seiner stilsicheren, emotionsvollen Interpretation großen Ausdruck. Einfühlsam begleitet wurde Michael Dahmen an der Orgel von Kirchenmusiker Christof Rück, der den schwierigen Part souverän übernahm und sich den oftmals rasanten Tempovorgaben des Sängers elegant anpasste und präzise agierte.

Abendlied

Für den großen Applaus bedankten sich Michael Dahmen und Christof Rück mit dem Abendlied „Der lieben Sonne Licht und Pracht“, das voller Vertrauen von der Güte Jesu spricht und dem Frieden, der dem Gläubigen beschert ist. „So will ich auch nun schlafen, Jesu, in deinen Armen. Dein Gnad soll meine Decke sein, mein Lager dein Erbarmen.“

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