Jülich - Kita-Betreuung muss sich neu erfinden

Kita-Betreuung muss sich neu erfinden

Von: Sarah Plahm
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Mit Erzieherin Kerstin Joeris macht Topfschlagen gleich doppelt Spaß. Doch die Erzieherinnen müssen weitaus mehr Aufgaben bewältigen – gerade in der Betreuung der Kleinsten. Foto: Plahm

Jülich. „Jetzt bist du dran“, sagt die kleine Eva, kommt strahlend auf mich zu und verbindet mir mit einem blauen Tuch die Augen. Topfschlagen soll ich nun. Nachdem die Vierjährige schon ihr Glück versucht hat, soll ich die Schüssel mit der kleinen Puppe darin wiederfinden.

Noch keine halbe Stunde bin ich in der Regenbogengruppe der Kita Sonnenschein und schon mittendrin. Ein- bis Sechsjährige verbringen hier gemeinsam den Tag.

„Wie heißt du?“, hatte mich die zweijährige Lisa gleich gefragt und mir in einer ganz besonderen Führung den Gruppenraum gezeigt. Die Tier- und Autosammlung in den Schubladen, ganz wichtig natürlich die Fächer mit dem eigenen Foto darin, und der Spielraum mit der wie Lisa sagt „ganz neuen“ Spielküche. Da gibt es Tomaten und Pilze aus Plüsch, Pfefferstreuer mit bunten Plättchen darin und natürlich alles, was auch zu einer richtigen Küche gehört. Ganz schnell hatte Lisa mir die Kita aus ihrer Perspektive gezeigt.

Mit den Augen eines Erwachsenen fallen erst einmal andere Dinge auf: In drei Gruppen werden hier insgesamt 62 Kinder betreut. „Viele Eltern nutzen das Angebot, die Kinder bis 16.30 Uhr hier betreuen zu lassen“, sagt Leiterin Gerda Hucko. 12 Kinder sind unter drei Jahre, der jüngste ist ein Jahr alt. „Wir können Kinder ab vier Monaten aufnehmen“, erklärt die Erzieherin weiter. „Die Nachfrage beginnt aber eher ab einem Jahr.“

Rechtsanspruch auf einen Platz

Damit ist die Kindertagesstätte (Kita) eine Schwerpunkeinrichtung für Kinder unter zwei Jahren. Diese Einrichtungen werden im Jahr 2013 nicht nur für Jülich immer wichtiger, denn ab August haben Eltern für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte oder in der Kindertagespflege.

Damit es nicht bei einem Rechtsanspruch auf dem Papier bleibt, sondern die Kleinsten einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter bekommen, sind vielerorts tiefgreifende Veränderungen notwendig. In der Kita Sonnenschein hat sich schon einiges getan. „Die Damen, die noch keine Erzieherinnenausbildung hatten, mussten zusätzlich eine zweijährige Ausbildung absolvieren“, sagt Gerda Hucko. Die Weiterbildung sei vom Kreis angeboten worden. „Wir haben natürlich auch mehr Personal“, erklärt die Erzieherin.

Zusätzliches Personal

So kümmern sich um Eva, Lisa und die vierzehn anderen Kinder der Regenbogengruppe außer Gruppenleiterin Kerstin Joeris eine weitere Vollzeitkraft und eine Teilzeitkraft. Bei den 21 Zwei- bis Sechsjährigen der Sternengruppe sind genauso viele Betreuer im Einsatz. Die 25 Kinder der Sonnengruppe hingegen brauchen von lediglich zwei Erzieherinnen betreut zu werden, denn die Kinder dort sind zwischen drei und sechs Jahren alt.

Das zusätzliche Personal in den Gruppen mit den Kleinsten erklärt sich im Tagesablauf von ganz allein. Es gibt natürlich klare Strukturen und Rituale im Tagesablauf, die den Kindern eine Orientierung geben. Trotzdem werden auch individuelle Schlaf- und Essenszeiten berücksichtigt, Windeln müssen gewechselt werden, die Kleinsten müssen noch gefüttert werden, die Zähnchen müssen geputzt werden und beim Einschlafen sollen die Knirpse schließlich auch nicht alleine sein.

Essens- und Schlafenszeiten

Neben den geregelten Essens- und Schlafzeiten darf natürlich auch das gemeinsame Spielen, Singen, Basteln, Turnen, Spazieren und Toben im Freien oder im Bewegungsraum nicht vergessen werden. Dass die Kleinsten bei all dem ein besonderes Maß an Betreuung bedürfen, versteht sich von selbst.

Um das gewährleisten zu können, war aber nicht nur zusätzliches Personal notwendig. Angebaut wurde, sodass die Kita nun drei Schlafräume mit zusätzlichen Wickelräumen hat. In den Schlafräumen tanzen die Schäfchen an der Wand, kuschelige Teppiche liegen auf dem Boden, und jedes Bettchen ist mit bunter Bettwäsche ausgestattet. Fenster in verschiedenen Höhen ermöglichen jedem Kind einen Blick auf die kitaeigene Spielwiese mit Rutsche, Klettergerüst und Co.

Kein Wunder, dass Lisa und Eva sich hier sichtlich wohlfühlen. Mit den Umbaumaßnahmen hat die Stadt Jülich auf den Bedarf sowie den bald eintretenden Rechtsanspruch reagiert.

In Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege sollen im Kreis Düren 2013 fast 40 Prozent der unter Dreijährigen betreut werden können, das ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent.

43,3 Prozent in Jülich

In Jülich dürften sich Eltern wie Kinder über den Ausbau an Betreuungsmöglichkeiten besonders freuen. Mit 43,3 Prozent können hier im Vergleich zum Gesamtkreis im kommenden Kindergartenjahr mehr Kinder betreut werden.

In Altenburg, Daubenrath und Selgersdorf werden gar um die 60 Prozent der unter Dreijährigen betreut werden können: fast 55 Prozent in einer der beiden Kitas und fast 6 Prozent durch eine Tagesmutter. Schlusslicht bilden Bourheim und Kirchberg. Hier werden etwa 28 Prozent der unter Dreijährigen betreut werden können, 20 Prozent in einer Kita und etwa 8 Prozent durch einen Tagespflegeplatz.

Im Bereich Jülich Süd, zu dem auch die Kita Sonnenschein gehört, werden im kommenden Kindergartenjahr etwa 31 Prozent der unter Dreijährigen einen Platz in einer Kita bekommen, etwa 11 Prozent einen Tagespflegeplatz.

Die insgesamt gute Quote für Jülich wird die Eltern, die dennoch auf einen Platz für ihr Kind warten müssen, wenig trösten.

Ist aber erst einmal ein Platz ergattert, erwartet die Kleinsten ein munterer Alltag, in dem sie nicht nur mit anderen spielen, sondern auch voneinander lernen können. In der Kita Sonnenschein sind jedenfalls alle Voraussetzungen geschaffen.

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