Kirmesbrücke zum Brückenkopf-Park: Warten auf erhobenen Daumen

Von: Otto Jonel
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Über diese Brücke geht nichts und niemand. So lange der städtische Haushalt nicht genehmigt ist, wird das Tiefbauamt keine Hand an die so genannte Kirmesbrücke zum Brückenkopf-Park legen. Foto: Jonel

Jülich. Der Zustand hält nun schon so lange an, dass man sich daran gewöhnt hat. Die Kirmesbrücke, die in Jülich die Kernstadt mit dem Brückenkopf-Park verbindet, ist gesperrt. Ein Bauzaun über die ganze Breite verwehrt jeglichen Zugang. Und wer es genau wissen will, den klärt ein Warnschild auf: „Achtung. Brücken gesperrt. Einsturzgefahr.“ Die Schreibweise verwundert zwar, doch die Botschaft ist unmissverständlich.

Wenn es so schlimm um die Brücke steht, warum geschieht nichts, um den Zustand zu ändern, mag man fragen – beispielsweise den Leiter der Tiefbauabteilung in der Jülicher Stadtverwaltung, Robert Helgers. Der Fachmann fürs Technische hält sich bedeckt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Aber so lange, bis ich Geld bekommen, bleibt das so, wie es ist.“ Und Geld hat er die Abteilung Tiefbau eben noch nicht bekommen.

Gerade erst verabschiedet

Wie hätte das auch gehen sollen, fragt Kämmerer Andreas Prömpers rhetorisch. „Wir haben erst letzten Donnerstag den Haushalt beschlossen.“ Beschlossen ist aber nicht genehmigt. Das wird noch eine Weile dauern. Wie lange? Auch eine rhetorische Frage, weil das niemand vorab sagen kann. Der Kreis wird sich das 1000-seitige Jülicher Finanzwerk anschauen, eventuell nachfragen und irgendwann den Daumen nach oben recken. Ab dann ist die Stadt wieder handlungsfähig.

Bis dahin aber unterliegt sie dem berüchtigten Paragraphen 82 der Gemeindeordnung des Landes NRW. Darin steht, was eine Kommune bei einem nicht genehmigten Haushalt darf, nämlich nur das, wozu sie rechtlich verpflichtet ist oder was unaufschiebbar zur Fortführung schon im Vorjahr begonnener Maßnahmen ist. Immerhin: „Die Maßnahme steht im Haushalt“, bestätigt Andreas Prömpers. Und Robert Helgers weiß auch, mit welcher Summe: „145.000 Euro, alles zusammen.“

„Alles“ besteht in diesem Fall aus drei Bestandteilen oder besser Kostenblöcken. Ein Block heißt „Geländer“. Die Eisenumrandung ist an-, teilweise schon durchgerostet. „Ich hätte diese Maßnahme gern vorgezogen, damit das Geländer zum Saisonstart fertig ist“, sagt Helgers, zumal das kein großer Akt sollte: Altes Geländer abgeschraubt, neues drauf, fertig. Ohne Geld wird auch nicht geschraubt. Die beiden anderen Kostenblöcke heißen Betonsanierung und Belagerneuerung. Ersteres ist die sensibelste Prozedur.

Die Kirmesbrücke ist unter den Jülicher Gewässerquerungen eine Besonderheit. „Sie ist die einige Spannbetonbrücke, die wir haben“, betont Robert Helgers. Durch die Brückenprüfung ist der Sanierungsbedarf zwar festgestellt worden, aber im Detail weiß man noch nicht exakt, wie umfänglich die Schadstellen und somit deren Behebung sind. „Wir müssen noch checken, ob Abplatzungen vorhanden sind und ob Stahlträger betroffen sind.“

Dritter und letzter Sanierungsabschnitt ist der Brückenbelag. Die ursprünglichen Bitumenbahnen, längst rissig und wellig, werden komplett abgetragen und ein neuer Belag aufgezogen.

Zeitlich hält sich die Komplettsanierung durchaus im überschaubaren Rahmen. „Das sind maximal drei Monate Arbeit“, schätzt Helgers. Und doch steckt auch darin eine Aber. „Wenn es spät wird im Jahr, dann kriegen wir das mit dem Belag vielleicht nicht mehr hin.“

Unvorteilhaft

Für den Brückenkopf-Park sind das nicht gerade schöne Aussichten. „Ein Drittel etwa“, schätzt Heinrich Horrig auf Anfrage unserer Zeitung die Zahl der Besucher die den Kasseneingang unmittelbar am Kopf der Brücke in den Park passieren. Das Gros nutzt nach wie vor den Haupteingang am Lindenrondell. Gerade aber zum kleinen Jubiläum, 15 Jahre Landesgartenschau und Brückenkopf-Park, macht sich ein Sperrzaun mit Einsturzvermerk alles andere als vorteilhaft.

Den Haushaltsprüfern beim Kreis dürfte jedenfalls die innigsten Wünsche auf baldige Prüfung und Genehmigung des Jülicher Finanzplans samt Sicherungskonzept bis in nächste Jahrzehnt gelten. Manchmal brauchen selbst Brücken beflügelnden Beistand.

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