Kirchenkreis Jülich plant Neubau auf altem Friedhof

Von: Volker Uerlings
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Das Rokokoportal der evangelischen Kirche Jülich von 1745 bleibt erhalten. Hinter dem Tor soll sich bald der Verwaltungsneubau des Kirchenkreises befinden: an der Ecke Düsseldorfer/Linnicher Straße. Foto: Uerlings
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Der geplante Neubau des Kirchenkreises ist ein Passivhaus mit Arkaden im Erdgeschoss – und dem alten Portal. Zeichnung: Hahn-Helten Architekten

Jülich. Architekt Günter Helten brachte es auf den Punkt: „Das ist kein x-beliebiges Projekt.“ Der Verwaltungsneubau des Kirchenkreises Jülich soll nach dem Willen der Synode auf dem Areal des ehemaligen evangelischen Friedhofes in Jülich an der Ecke Düsseldorfer/Linnicher Straße entstehen.

„Der frühere Friedhof ist in den 70er Jahren an die Stadt übergegangen. Die Fristen des Abstands sind gewahrt. Wir fanden den Standort von Anfang an reizvoll, denn er könnte beides sein: Ort der Verwaltung und ein Ort des Erinnerns und Gedenkens“, erklärte Superintendent Jens Sannig im Jülicher Planungsausschuss. Der Kirchenkreis hat die Flächen bereits erworben. Der Vertrag sehe Rücktrittsoptionen vor, wenn der Neubau nicht realisiert werden kann.

Der Planer vom Architekturbüro Hahn Helten aus Aachen, das auch schon das Science College in Barmen entwarf, und die Kirche haben in vielerlei Hinsicht Sensibilität versprochen. Der alte Friedhof ist eine Grünfläche und soll den grünen Charakter bewahren. Die Nähe zur Festung Zitadelle und zum Propst-Bechte-Platz stellen städtebauliche Herausforderungen dar. Die Platzierung des dreigeschossigen Gebäudes mit klaren Konturen und hohen Fenstern erfolgt unter Berücksichtigung der Sichtachsen auf das Denkmal. Das Erdgeschoss wird von Arkaden umsäumt. Günter Helten: „Das lässt sich der Kirchenkreis e_SSRqwas kosten.“

Die Kreissynode habe vier Millionen Euro in Aussicht gestellt, sagte Superintendent Sannig am Dienstag auf Nachfrage der Redaktion. Diese Projektsumme beinhalte den Grundstückskauf.

Auf den drei Geschossen werden 25 Büros für die etwa 30 Mitarbeiter geschaffen – neben einem Sitzungs- und Besprechungsbereich sowie Bistro mit Küche, Archiv und den Hausnebenräumen. Genutzt werden soll der Verwaltungsbau von der Diakonie sowie der Verwaltungs- und Leitungsebene des Kirchenkreises, der die Kreise Düren und Heinsberg sowie die Stadt Eschweiler umfasst.

„Schon seit 2007 stand die Frage an: Müssen wir das Gebäude energetisch sanieren“, erklärte der Superintendent die seit langem gereiften Pläne. Zudem ist an der heutigen Adresse in der Schirmerstraße das Raumangebot „viel zu klein“. Die Sanierung der Altimmobilie wurde mit den anderen Möglichkeiten (Vermietung oder Neubau) verglichen. Das Ergebnis war laut Sannig eindeutig: „Ein Neubau ist sinnvoller.“

Die Pläne liegen nun vor. Ein Passivhausgebäude, das mit Erdwärme beheizt wird, und so platziert wird, dass auch der Charakter der Umgebung gewahrt bleibt. Das meint vor allem den Propst-Bechte-Platz, der sich an das Westgebäude des Gymnasiums Zitadelle anschließt. Der Neubau des Kirchenkreises und der großzügige durchgrünte Freiraum nehmen den „Dialog“ zu diesem Areal auf, sagte Architekt Helten. Der Baukörper ist zwar dreigeschossig, kann aber um eine Etage aufgestockt werden, wenn es zukünftig notwendig sein sollte. Das korrespondiere von der Höhe sowohl zum nahen Schul- als auch zu Mehrfamiliengebäuden in der Umgebung. Erhalten bleiben sollen auf dem Grundstück zudem das Rokokoportal der evangelischen Kirche Jülich (von 1745), das dann auch den Eingang zum neuen Gebäude symbolisiert. Ebenfalls berücksichtigt wird auf dem Gelände der große Gedenkstein auf dem alten Friedhof.

Hinter der Kirchenkreisverwaltung und vor der Kriegsgräber-Gedenkstätte soll als Reminiszenz an die frühere Ruhestätte ein „halb-öffentlicher Ort der Erinnerung“ entstehen.

In unmittelbarer Umgebung des Neubaus in Richtung Zitadelle ist nach Untersuchung des Architekten auch die Schaffung von Wohnraum „in wunderbarer Lage“ denkbar. Der Kirchenkreis und der Architekt waren von der Stadt gebeten worden, diesen Aspekt zu prüfen. Günter Helten, dessen Diplomthema nach eigener Aussage die Jülicher Zitadelle war, sieht hier dreigeschossige Einzelgebäude (Solitärbauten) mit bis zu sechs Wohnungen, die so angeordnet werden, dass die wichtigen Sichtachsen zum Denkmal erhalten bleiben.

Die Politiker im Planungsausschuss zeigten sich vom Entwurf angetan und folgten dem Vorschlag des Beigeordneten Martin Schulz, den Bebauungsplan nun weiterzubetreiben. Bedeutet: Der Daumen geht grundsätzlich nach oben. Über Details wird sicher noch zu reden sein.

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