Kirchenkreis Jülich ist Anwalt für Flüchtlinge

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
9435319.jpg
Setzt sich für die Verbesserung der Situation afrikanischer Flüchtlinge in Marokko ein: Pfarrer Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Der Kirchenkreis Jülich bietet Flüchtlingen, die in unserer Mitte Zuflucht suchen, Asylberatung an, doch bis nach Deutschland – beziehungsweise Europa – schaffen es nur die wenigsten. Afrikanische Flüchtlinge scheitern meist an den Grenzen Europas, insbesondere an den Abschottungsmaßnahmen in Marokko.

Bekannt ist die Situation der Bootsflüchtlinge vor Lampedusa, die katastrophale Lage in Marokko ist weniger präsent. Das will der Kirchenkreis Jülich ändern und ist eine Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche in Marokko eingegangen.

Er betreibt aktive Öffentlichkeitsarbeit und sieht sich als Anwalt der Menschen vor Ort. So machten sich Gruppen aus Aldenhoven und Jülich im vergangenen Jahr auf den Weg nach Berlin, demonstrierten vor der Europäischen Kommission in Berlin, klagten die Situation der Flüchtlinge in Marokko an. Doch um was geht es genau?

Die Route der afrikanischen Flüchtlinge nach Europa läuft über Marokko. Hier ist Endstation. Denn: „Im Namen der Europäischen Gemeinschaft tut Marokko alles, damit die Flüchtlinge Europa nicht erreichen können“, erklärt Pfarrer Jens Sannig, Superintendent, Kirchenkreis Jülich. Er spricht von sieben Meter hohen Grenzanlagen, die die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta umgeben.

Die Menschen leben zu Tausenden bei Minustemperaturen in Zeltplanen, diese würden von Sicherheitskräften zerstört. Zeitweise würden Flüchtlinge in stundenlangen Fußmärschen in die Wüste, an oder über die algerische Grenze getrieben und dort sich selbst überlassen. Sannig weiß persönlich von einer jungen Mutter, die zwei Stunden nach der Entbindung dieses Schicksal erlitt.

Derzeit habe sich die Situation umgekehrt, die geflüchteten Menschen würden in die Städte gekarrt, vor den Kirchen ausgesetzt, es seien die einzigen Organisationen, die humanitäre Hilfestellung bieten.

Staatlicherseits gebe es keinerlei Fürsorge. Zunehmend kämen minderjährige Flüchtlinge. Oftmals versterben Familienangehörige auf der Flucht, Prostitution und Menschenhandel nehmen zu. „Es ist eine große Katastrophe“, sagt Sannig. Auch die Kirchen sind überfordert. Lediglich einem Drittel können sie ein wenig Hilfe zukommen lassen mit einer ersten Nothilfe, Nahrungsmitteln, einer medizinischen Grundversorgung, einer Wohnungsbeihilfe. Oder einer improvisierten Berufsausbildung, dann erhalten die Flüchtlinge im Zeitraum von drei Monaten eine Qualifizierung, um sich auf dem Schwarzmarkt über Wasser halten zu können.

Die Menschen befänden sich einer aussichtslosen Lage, in Marokko seien sie rechtlos, Krankheit bedeute nahezu den Tod, da für sie keinerlei medizinische Versorgung vorgesehen sei. Ein Zurück in die Heimatländer sei ausgeschlossen. Die Partnerschaft des Kirchenkreises Jülich mit der Evangelischen Kirche in Marokko existiert seit 2010. Die ersten Kontakte entstanden 2007, Jens Sannig war dabei und fährt mittlerweile dreimal jährlich dorthin.

Der Kirchenkreis hat sich verpflichtet, über die Situation aufzuklären und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Auch finanzielle Unterstützung gehöre dazu, große Partner wie Brot für die Welt sind mit im Boot, auch die Landeskirche unterstützt. Sannig sagt über seine persönliche Motivation: „Wenn Sie einmal die traumatisierten Flüchtlinge gesehen haben, dann können sie nicht anders, als alles tun, um ihre Situation zu verbessern.“

Weitere Infos über die Partnerschaft des Kirchenkreises mit der Evangelischen Kirche in Marokko per Mail: hj.schwabe@t-online.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert