Kirchenasyl: 35 Flüchtlinge warten in Aldenhoven

Von: Antonius Wolters
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Seit den Sommerferien stehen Schlafzelt und Sanitärcontainer auf der Wiese neben Gemeindezentrum und Evangelischer Kirche in Aldenhoven, wo 35 Menschen eine Unterkunft finden. Das Gros stammt aus Eritrea. Foto: Wolters

Aldenhoven. „Am liebsten würde ich der ganzen Welt helfen“, bekennt Charles Cervigne, Pastor der Evangelischen Kirchengemeinde Aldenhoven, die mittlerweile zum Hotspot für Flüchtlinge aus Eritrea geworden ist. Sie gewährt mittlerweile 35 jungen Männern zwischen 20 und 35 Jahren aus dem Nordosten Afrikas Kirchenasyl.

Diese spezielle Form der Fürsorge hat in Aldenhoven Tradition, denn schon in den 1980 Jahren beherbergte der damalige Pfarrer Jürgen Fliege Tamilen im Kirchenasyl. Seit etwa zweieinhalb Jahren sind es Menschen aus Eritrea und andere Härtefälle, die Probleme mit der Durchsetzung ihres grundgesetzlich garantierten Anspruchs auf Asyl haben. „Wir sorgen dafür, dass die Leute ihren Rechtsanspruch aus Asyl wahrnehmen können“, sagt Cervigne, gegen den aber nach eigener Angabe die Staatsanwaltschaft Aachen derzeit wegen illegaler Unterbringung ermittele.

Dabei geht es um sogenannte Dublinfälle, die zurück nach Italien geschickt werden sollen, wo sie in die EU eingereist und ihre Fingerabdrücke genommen worden sind. Einen Asylantrag durften sie dort indes nicht stellen und könnten das auch nicht nach der drohenden Rückführung, wie von UNO und Landeskirche begutachtet worden ist.

Da der deutsche Staat die Möglichkeit einräume, dass es in den Ausländerämtern oder dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Fehler im Asylverfahren bzw. Härtefälle gibt, wurde eine Vereinbarung zwischen Innenministerium und Landeskirchenleitung geschlossen, wonach das Kirchenasyl toleriert wird.

Dieses Instrument geht auf die kirchliche Immunität zurück, die in der Historie vor Lynchjustiz schützen sollte und heute Menschen vor einer Abschiebung, die Leib und Leben bedrohen könnte. Erst nach einem Schreiben des Bamf können die Betroffenen in Deutschland Asyl beantragen, das in der Regel Personen aus Eritrea gewährt wird, da das Land nicht zu den sicheren Drittstaaten gerechnet wird.

Kirchenkreise teilen sich Finanzierung

„Es gibt nicht viele Gemeinden, die Kirchenasyl geben“, sagt Charly Cervigne, der aus dem Kirchenkreis Jülich neben Aldenhoven noch Düren und Wassenberg nennt. Die Jülicher Gemeinde stelle eine Fluchtwohnung zur Verfügung. Deshalb konzentriere sich die Unterbringung auf wenige Orte. Zudem gebe es einen Beschluss der Synode, dass sich alle Gemeinden des Kirchenkreises die Finanzierung teilen – das sind monatlich rund 9000 Euro allein in Aldenhoven.

Dort werde, so Cervigne, zwar schon seit rund zweieinhalb Jahren wieder Kirchenasyl gewährt, doch sei die Zahl der Hilfesuchenden, die sich teilweise aus Bayern oder Ostfriesland auf den Weg gemacht haben, zuletzt stark gestiegen. Deshalb sei im August ein Aufnahmestopp verfügt worden, zunächst bis Ende September.

So habe die Gemeinde in den Sommerferien rund 60 Leute abweisen müssen. Es dauere vier Monate bis anderthalb Jahre, ehe vom Bamf der Rechtsanspruch Einzelner anerkannt werde, einen Asylantrag zu stellen, was die Verweildauer verlängere. Man versuche nun, die Zahl der Wartenden auf 20 Personen zu reduzieren.

Um auf deren Bedürfnisse zu reagieren, sind in den Sommerferien ein zusätzliches Schlafzelt, ein Sanitärcontainer und ein Essenszelt neben Kirche und Gemeindezentrums errichtet worden. Im Keller soll es neue Duschen geben.

„Unsere tollen Mitarbeitenden wirken mit bei der diakonischen Arbeit“, sagt Cervigne, der auch regelmäßig Ehrenamtler in diesen Reihen begrüßt. „Auch aus der Bevölkerung gibt es Leute, die sich informieren und engagieren“, beschreibt er Kirche und Gemeindezentrum als „offenen Ort“, wo sich jeder umsehen könne. Die Arbeit sei zwar zu schaffen, doch seien die Grenzen erreicht worden. Nun gehe es darum, ein Minimum an Lebensqualität zu gewähren. Als „anstrengend, aber schön“, beschreibt er die aktuelle Situation.

Mit Sorge blickt der Geistliche, der sich momentan wie ein Jugendherbergsvater fühlt, indes auf den nahenden Winter, wenn als Alternative möglicherweise ein beheizbares Zelt des DRK als Unterkunft dienen muss. Vor allem sei es wichtig, dass „die jungen Burschen eine Bleibe finden, wo sie keine Angst zu haben brauchen“, sagt Cervigne.

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