Kirchberger testen vier Bürgermeisterkandidaten

Von: jago
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Die Bürgerinitiative Zukunft (BIZ) Kirchberg veranstaltete eine Informationsrunde: Vier Bürgermeisterkandidaten stellten sich den Fragen der Kirchberger Bevölkerung, wobei das Hochregallager der Firma Eichhorn und das Ehrenamt im Mittelpunkt standen. Foto: Jagodzinska

Kirchberg. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Entscheidung über die Nachfolge von Heinrich Stommel im Amt des Jülicher Bürgermeisters nicht im ersten Wahlgang am 13. September fallen wird. Erreicht keiner der sechs Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen, werden die beiden mit dem größten Stimmenanteil sich in der Stichwahl am 27. September erneut dem Votum der Wähler stellen.

Doch ganz gleich, wer die Mehrheit auf sich vereinen wird, die Anliegen der Bürgerinitiative Zukunft (BIZ) Kirchberg werden weit oben auf seiner Prioritätenliste stehen. Diesen Eindruck vermittelten zumindest die vier Kandidaten, die der Einladung zu einer Fragerunde der Bürgerinitiative Zukunft (BIZ) Kirchberg gefolgt waren. Heinz Frey, Jürgen Laufs, Michael Lingnau und Frank Peter Ullrich nahmen die Gelegenheit wahr, den etwa 50 Besuchern ihre Absichten und Vorstellungen als potentielle Bürgermeister in der von Maritta Kieven moderierten Fragerunde zu vermitteln. Axel Fuchs und Sven Reichert konnten aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen.

Der Appell eines Mitbürgers, sich der „Angelegenheit Bebauungsgebiet Erweiterung Donatusweg“ anzunehmen, ging dem schwerpunktmäßig behandelten Thema Hochregallager Eichhorn voraus. Anfang 2010 sei das Baugebiet durch die Stadtentwicklungsgesellschaft vorgestellt und eine zügige Bearbeitung in Aussicht gestellt worden, doch getan habe sich bis heute nichts. „Interessenten sind immer nur vertröstet worden“, warf er den Verantwortlichen vor.

40 Meter hoch, 45 Meter breit und 110 Meter lang war das Hochregallager der Wellpappenwerke Carl Eichhorn in den ursprünglichen Plänen, errichtet am Ortseingang Kirchbergs mit einer Zugangsbrücke über die Straße. Auch wenn die Dimensionen zwischenzeitlich reduziert wurden, scheint ein Kompromiss zwischen unternehmerischer Erweiterungsabsicht und Zukunftsvorstellung der BIZ und damit eines Großteils der Kirchberger Bürger noch in weiter Ferne. „Wie stehen Sie dazu, und wie gedenken Sie das umzusetzen?“, lautete die Frage, deren Beantwortung für die Anwesenden ein weiteres Puzzleteil für ihre Wahlentscheidung sein dürfte.

Einigkeit herrschte bei den vier Kandidaten darüber, dass die unternehmerische Notwendigkeit zur Werkserweiterung hinreichend Berücksichtigung finden müsse, die Belange der Bevölkerung jedoch in den bisherigen Verhandlungen zu kurz gekommen seien. Michael Lingnau möchte, dass „gemäßigtere Formen“ als Ergebnis eines für beide Seiten tragfähigen Kompromisses verwirklicht werden. Dazu will er einen runden Tisch mit einem Bürgermeister, der „sich mehr denn je persönlich einbringt“, als Kopf einberufen. Für Jürgen Laufs ist der Bürgermeister in der Pflicht, die wirtschaftlichen Belange auch aus der Sicht der Bevölkerung abzuwägen und bei der Wahl des Standortes für das Lager den „landschaftsschutztechnischen Bereich“ stärker zu gewichten.

Aus der Sicht von Frank Peter Ullrich kann es nicht so sein, dass es zu einem „gigantomanischen Produktionspalast kommt, der Kirchberg als Werkssiedlung erscheinen lässt“. Seine Formel: Lager weniger hoch, keine Brücke, Kompromiss wird gefunden – aber man könne dem Unternehmer nicht vorschreiben, wie es sein Geschäft zu führen habe. Heinz Frey sieht nicht, dass „man sich so schnell einigen wird“. Fakt sei die Absicht der Firma Eichhorn, auf dem neuen Ackergelände zu bauen. Aus der Jülicher Politik habe es Signale an Firmenchef Eichborn gegeben, dessen Anträge mitzutragen. Als Bürgermeister werde Frey die Problematik der juristischen Verzögerung wieder aufgreifen und die Vorteile einer Kompromisslösung aufzeigen.

Ein weiteres Thema war die Unterstützung bürgerlichen Engagements. Frey will hierfür eine Stabsstelle einrichten, eine Anerkennungskultur mit Belohnungsanreiz mittels Ehrenamtskarte gehöre ebenfalls dazu. Ullrich hingegen zieht die Förderung einzelner Projekte mit nachhaltigem Charakter vor, Stabsstellen brauche man dafür nicht. Die Anwesenheit vor Ort bevorzugt Laufs, der davor warnt, die breit aufgestellte Ehrenamtskultur in Jülich auszubremsen. Auch Lingnau sieht eine Stelle vor, die die Koordination des Engagements regeln und beispielsweise Mehrfachtermine zum gleichen Zeitpunkt verhindern soll. Ein von Frey angedachter „Stadtteilfinanztopf“ aus dem Gesamtetat mit Verwaltung in den Dörfern wird von Ullrich als „schlicht nicht möglich“ abgelehnt. Den Gedanken des Crowdfunding für bewilligte Projekte brachte Laufs ins Spiel.

Für das „Millionenprojekt Brückenkopf-Park“ mit einem jährlichen Zuschussbedarf von 600 000 Euro würde jeder Unternehmensberater den Gang in eine geordnete Insolvenz anraten, fasste Lingnau ein heißes Eisen an. Damit würden Gelder für den Haushaltsposten „Freiwillige Leistungen“ frei werden.

Ein netter Abschluss der Veranstaltung war die Frage nach einer Schlagzeile, die der jeweilige Kandidat nach dem Ende seiner Zeit als Bürgermeister gerne über sich lesen würde. Frey: „Die Bürger bestimmen wieder über ihre Stadt.“ Ullrich: „Die Bürger haben es geschafft, die Politik hat es begleitet.“ Laufs: „Kirchberg, ein Kleinod mit Industrie und Dorfcharakter.“ Lingnau: „Hurra, wir sehen immer noch die Kirche auf dem Berg.“

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