Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen

Von: Antonius Wolters
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Gemeindereferentin Petra Bungarten fungiert inzwischen auch als Präventionsfachkraft der GdG Aldenhoven-Linnich. Foto: Wolters

Aldenhoven. Seit 2010 erschüttern immer wieder Missbrauchsvorwürfe von Kindern und Jugendlichen die Katholische Kirche. Petra Bungarten, Gemeindereferentin in der GdG Aldenhoven/Linnich, ist ziemlich stolz auf die Vorreiterrolle, die das Bistum Aachen nach der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle inzwischen mit ihrem Konzept zur Vorbeugung von Missbrauch einnimmt.

„Ich finde das Thema sehr spannend“, sagt Bungarten, die als so genannte Präventionsfachkraft in der GdG tätig ist. Das eröffne einen anderen Blick auf die Kirche.

Bungarten fungiert damit sowohl als Ansprechpartnerin in allen Fragen des Missbrauchs und übernimmt zudem die Schulung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in den Pfarreien mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Die Kindertageseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft verfügen über eigene Präventionsfachkräfte, ergänzt die Gemeindereferentin, die selbst im vergangenen Halbjahr etliche Schulungen im Aachen Bischof-Hemmerle-Haus sowie in Haus Overbach durchlaufen hat, bevor sie als Fachkraft der GdG Aldenhoven-Linnich eingesetzt worden ist.

Als erste Reaktion auf die Missbrauchsvorwürfe seien bereits 2011/12 verpflichtende Veranstaltungen für die hauptamtlichen Mitarbeiter im Bistum angeboten worden, erinnert sich Bungarten. So sei es relativ rasch gelungen, alle hauptamtlichen Mitarbeiter des Bistums zu schulen, die Kontakt zu Kindern haben. Übernommen wurden die ersten Unterweisungen von Mitarbeitern des Diözesanverbandes Aachen des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Zudem wird auf den Schneeball-Effekt gesetzt, denn wer geschult worden ist, gibt das Gelernte in seinem Umfeld weiter. So unterweist Petra Bungarten beispielsweise die Katecheten in der gesamten GdG insgesamt drei Stunden lang. Die Schulung der Mitarbeiter in der Jugendarbeit erfolge über die Region Düren.

„Es geht darum, Sensibilität zu wecken“, nennt Bungarten ein wesentliches Ziel der präventiven Bemühungen. So gelte es, angemessen auf Signale zu reagieren, die auf sexualisierte Gewalt hindeuten. Die Spanbreite der Signale sei groß, sie reichten etwa von blauen Flecken und Äußerungen bis zu Zeichnungen oder aggressivem Verhalten. Es geht auch darum, bei den Teilnehmenden ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo Grenzverletzungen beim Umgang mit Kindern und Jugendlichen beginnen, ohne das es überhaupt zu sexuell motivierten Handlungen kommen muss.

Die Aufgabe des Präventionsfachkraft sei es nicht, das mögliche Problem zu lösen, sondern Ansprechpartnerin zu sein, wo Personen einen Verdacht loswerden können. Die Fachkraft begleitet die Beschwerdeführer(in) und koordiniert die weiteren Schritte. So gebe es beispielsweise eine Kooperation mit den Jugendämtern. Die Fachkraft fungiert damit quasi als Frühwarnsystem, auch um Ehrenamtler vor falschen oder vorschnellen Vermutungen oder Verdächtigungen zu schützen bzw. unter Generalverdacht zu stellen.

„Falsche Verdächtigungen wiegen schwer“, sagt Petra Bungarten, die deshalb empfiehlt, lieber zu spät zu verdächtigen als zu schnell. Wenn es dabei um Personen aus pastoralen Diensten oder gar Priester geht, werde ohnehin gleich eine Anlaufstelle beim Bistum eingeschaltet.

Zum Präventionskonzept zählt auch, dass Ehrenamtler in der Jugendarbeit ein für sie kostenfreies erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen, was auf eine positive Resonanz gestoßen sei. Wenn sich jemand Petra Bungarten oder einer anderen Präventionsfachkraft anvertraut, ist Vertraulichkeit garantiert, denn sie sind über ihre Schweigepflicht – vergleichbar dem Beichtgeheimnis – gebunden.

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