Jülich - Kinder an die Macht: Wer regiert Jülich?

Kinder an die Macht: Wer regiert Jülich?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
Thorsten Rau (vorn) und Marc M
Thorsten Rau (vorn) und Marc Muckel halten in Jülich Ausschau: 53 Kinderdreigestirne hat es in der Herzogstadt ohne Unterbrechung gegeben. Das 54. ist noch nicht in Sicht. „Die Kinder können davon nur profitieren”, haben die beiden in den letzten vier Jahren erfahren.

Jülich. Der Countdown läuft, und der Festausschuss ist ziemlich nervös. Denn es bleiben noch genau 27 Tage, um das 54. Jülicher Kinderdreigestirn zu finden. Gelingt das nicht, wäre das ein einmaliger Bruch einer noch relativ jungen Tradition mit ernstem Hintergrund.

Die Jecken in dieser Stadt wollten und konnten nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges nicht weitermachen wie bisher. Ein Ergebnis war eben leider auch, dass sich viele Waisenkinder in der Stadt befanden.

„Für die sollte es etwas Schönes geben, und deshalb hat man mit der Tradition eines erwachsenen Dreigestirns und eines Rosenmontagszuges gebrochen”, erzählt Marc Muckel. Jülich ließ und lässt Kinder an die Macht, die als Regententrio am Karnevalssonntag beim „Kengerzoch” gefeiert werden. Da verbietet es sich auch, dass die „Herrschaft” der Jüngsten kostspielig ist.

Muckel (31) ist Vorsitzender des Festausschusses Jülicher Kengerzoch, bei dem sechs Gesellschaften der Stadt gemeinsame Sache machen: „Blümchen”, „Sternchen”, Ulk, Lazarus Strohmanus, Stadtgarde und „Stop dä Mutz” Broich. Das hat sich bewährt, erklärt Geschäftsführer Thorsten Rau, der gemeinsam mit Frank Müller und Thomas Surma das Gremium komplettiert. Das Quartett hat gut zu tun, unterstützt das Dreigestirn tatkräftig und organisiert natürlich den „Kengerzoch”.

Dem Jülicher Lindwurm würde Entscheidendes fehlen, wenn Jülich in der anstehenden Session 2011/12 majestätenlos bliebe. „Es wäre schade, wenn so etwas einschlafen würde”, sagt Rau. Der Festausschuss weiß, dass viele Gerüchte über Kosten und Anzahl der Auftritte kursieren und Eltern beeinflussen. Was aber erwartet die Dreigestirns-Familien wirklich?

Marc Muckel: „Die Kinder brauchen im Prinzip weiße Handschuhe, weiße Strumpfhosen und schwarze Schuhe.” Die Kostüme für Prinz, Jungfrau und Bauer stellt der Ausschuss zur Verfügung - und auch den Wagen für den Zug. Die Frage der Kosten ist nicht einfach zu beantworten, weil es darauf ankommt, wie viel Wurfmaterial in welcher Qualität unters Volk gebracht werden soll. Das entscheiden die Regenten selbst. Der Festausschuss hat eine Reihe von Sponsoren, die den größten Batzen übernehmen, aber angesprochen werden möchten. Unter dem Strich geht es in der Regel um einen „kleinen dreistelligen Betrag”. Thorsten Rau deutet an: „Der Festausschuss lässt auch niemanden im Regen stehen.”

Bleibt die Frage nach der Zahl der Auftritte. Auch die sei individuell zu steuern. Neben der Proklamation des Dreigestirns sind die drei Sitzungen der Festkomitee-Gesellschaften, die „tollen Tage” und natürlich der Kengerzoch „gesetzt”. Dann kommt es auf die Motivation der drei Narrenherrscher und ihrer Eltern an, ob es pro Session 20 oder 50 Auftritte sind. Klar ist: Wochentage sind tabu, und nicht jedes Wochenende ist ausgebucht. Und wenn die Kinder einmal „durchhängen”, ist Feierabend. „Deren Wohl ist entscheidend”, sagen Rau und Muckel unisono. Gelegentlich muss der Festausschuss auch bremsen, wenn das Dreigestirn „Fahrt aufgenommen” und Geschmack gefunden hat.

Was aber bringt die Zeit für das Trio? Rau und Muckel: „Die Kinder können davon nur profitieren. Sie lernen, vor großer Kulisse zu sprechen, haben am Anfang Bammel und merken schnell, dass es nicht schlimm ist, sich einmal zu verhaspeln. Das steigert insgesamt derart das Selbstbewusstsein...!” Wichtig ist dem Festausschuss die Gleichberechtigung: „Der Prinz ist nicht der Chef!”

Wo kann man sich bis wann informieren und bewerben? Stichtag ist der 15. November, weil sonst die Ordensproduktion (finanziert vom Festausschuss) nicht mehr rechtzeitig möglich ist. Auf der Internetseite http://www.fajkz.de gibt es weitere Infos. Per Email (info@fajkz.de) und unter Telefon 02461/345331 (Rau) werden Fragen beantwortet. Die Zeit läuft, und die Hoffnung bleibt.
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