Killer und Abhörwanzen: Eigene Frau im Wahn erstochen

Von: Wolfgang Schumacher
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In diesem Haus im Heckfeld ereignete sich die Bluttat, für die sich der Familienvater nun verantworten muss. Foto: Horrig

Aachen/Jülich. Sein Mandant Alexej F. (37), so erklärte Strafverteidiger Björn Hühne vor dem Aachener Schwurgericht, sei nicht in der Lage, über die Tat zu sprechen. Er bedauere sie unsagbar und wisse nicht, wie das geschehen konnte. Alexej F. soll am Abend des 3. Dezember mit einem Küchenmesser seine schlafende Frau erstochen haben.

Während der Tat soll die achtjährige Tochter neben ihrer Mutter geschlafen haben. Die Frau konnte nach Erkenntnissen der Ermittler trotz ihrer Rückenverletzungen noch aufstehen und in die Küche flüchten. Dort erlitt sie weitere Schnitt- und Stichwunden am Hals und brach schließlich tot zusammen. Vor der Tat soll es einen Streit gegeben haben.

Alexej F., der im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben soll, bestätigte am Donnerstag auch nur die Erklärung seines Verteidigers. Daraus ergibt sich ein erschreckendes Bild von den Wahnvorstellungen, unter denen der in einer Kieswerk als Kraftfahrer tätige Mann litt. Seit einiger Zeit bereits, so las Verteidiger Hühne die Einlassung des Beschuldigten vor, habe sich der ursprünglich aus Kasachstan stammende Deutsche verfolgt gefühlt, vor allem auch in der eigenen Wohnung in Jülich-Heckfeld.

Überall habe er Kameras und Abhörgeräte vermutet. Mit dem 15-jährigen Sohn habe er aus Angst vor dem Ausspionieren durch fremde Mächte selbst in der Wohnung nur auf dem SMS-Weg kommuniziert. Er wechselte sogar die Türschlösser aus Angst vor fremden Eindringlingen.

Seine Frau habe ihn, so hatte er das Gefühl, in jüngster Zeit immer mehr „gemobbt“. Nein, so gab er an, sie hätten sich nicht viel gestritten. Doch er habe das Gefühl gehabt, sie wollte, dass er homosexuell werde. Das Gleiche vermutete er auch von seinen Kollegen im Betrieb, auch die hätten gewollt, dass er „schwul werde“, so die verlesene Erklärung.

Oftmals habe er die Polizei angerufen, die ihm jedoch nicht geglaubt habe. Auch am Tag der Tat habe er bei der Polizei angerufen, weil er im Treppenhaus „einen Auftragskiller“ vermutete. Er habe eigentlich zu einem Elterngespräch in die Schule gemusst, traute sich aber wegen der vermeintlichen Bedrohung im Treppenhaus nicht aus der Wohnung.

Abends dann sei ihm der vage Gedanke gekommen, die Ehefrau - sie wurde 32 Jahre alt - „könnte bei der Sache mitspielen“. Als sie dann schlief, habe er auf sie eingestochen - warum, das wisse er nicht. Sie habe sich entsetzt umgedreht und so etwas wie „Schatz“ geschrien. Dann habe er die Tochter zu dem älteren Sohn ins Zimmer gebracht. Dass er sie in der Küche nochmals angegriffen haben soll, davon wisse er nichts.

Die Polizei hatte F. im Bad gefunden, wo er sich selber umbringen wollte. Auch in der Psychiatrie versuchte er dies noch zwei Mal. Eine Polizistin schilderte dem Schwurgericht, dass er am nächsten Morgen in der Uniklinik Aachen entsprechend verwirrt geantwortet habe. Anstatt die Tat zu schildern, habe er nur über seine Wahnvorstellungen geredet.

Der Prozess wird am 21. Mai fortgesetzt.

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