„Kette von Abenteuern“: 300 hören Bach in Overbach gebannt zu

Von: Antonius Wolters
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Beeindruckende Geschichtsstunde: Gabriel Bach berichtete beim 25. Overbacher Special über sein Leben und den Eichmann-Prozess.

Barmen. Am Ende erhoben sich die meist jugendlichen Besucher des 25. Overbacher Special von ihren Sitzen und spendeten dem Vortrag von Gabriel Bach stehende Ovationen. Der in Jerusalem lebende deutsch-israelische Jurist hatte eine emotional aufrüttelnde und teilweise anrührende Geschichtsstunde gestaltet, die dem Publikum erkennbar unter die Haut ging.

Zum Glück ist der 86-Jährige mit einem famosen Gedächtnis geschlagen, das ihn oft keine Ruhe finden lässt, denn der ehemalige Generalstaatsanwalt hatte in seiner langen Karriere mit vielen Verbrechen und Tätern zu tun, doch den tiefsten Eindruck hat sicherlich der Prozess gegen Adolf Eichmann hinterlassen, den Architekten des Völkermordes an den Juden im Namen des NS-Regimes.

Geschichtslehrer Stefan Wouters hatte den Zeitzeugen namens des Fördervereins von Haus Overbach begrüßt und auf das kleine Jubiläum der Veranstaltungsreihe Overbacher Special verwiesen, das großes Interesse in der mit 300 Plätzen „ausverkauften“ Aula des Gymnasiums fand.

Bei all dem persönlichen Leid, das Bach aus den Zeugenbefragungen und dem Aktenstudium im Vorfeld des Prozesses destillierte, besitzt der „notorische Optimist“ auch eine Antenne für die Absurditäten des Alltags und perfide Methoden des NS-Regimes: So befand sich etwa die jüdische Theodor-Herzl-Schule, die Bach als Kind in Berlin besuchte, ausgerechnet am Adolf-Hitler-Platz.

Sein bisheriges Leben beschreibt der hellwache Greis als „Kette von Abenteuern“ und sich selbst als Glückspilz: Kurz vor der Kristallnacht verließ die Familie Deutschland Richtung Niederlande, die ebenfalls einen Monat vor der Invasion durch deutsche Truppen noch rechtzeitig verlassen wurden.

Bis 1969 gehörte der Jurist der Staatsanwaltschaft an und war bis 1997 Richter am obersten Gerichtshof, doch die Zeit als einer von drei Anklägern im Eichmann-Prozess Anfang der 1960er Jahre hat sich ihm wohl auf ewig ins Gedächtnis gebrannt, denn er muss täglich an dieses Verfahren denken, das nicht nur ganz Israel elektrisierte, sondern weltweit Aufsehen erregte. Im Resultat wirke der Prozess, der damals via TV „in alle Häuser kam“, bis heute nach. „Das Interesse steigt von Jahr zu Jahr“, konstatiert der Jurist, dessen Vorträge zum Thema sehr gefragt sind.

Adolf Eichmann, Leiter der Judenabteilung im Reichssicherheitshauptamt, hat nach Ansicht Bachs zur NS-Zeit nicht nur Befehle ausgeführt, sondern seinen ganz privaten Krieg gegen die „jüdische Rasse“ forciert, so kompromiss- und mitleidlos wie er an der Vernichtung eines ganzen Volkes arbeitete. Dass Eichmann sich am Ende vor dem höchsten Gericht des souveränen Staates Israel verantworten musste und als bisher einziger Angeklagter in Israel zur Todesstrafe verurteilt wurde, zeige, dass nicht nur Hitler, sondern auch Eichmann seinen Krieg verloren habe.

Hoffnung auf junge Generation

Die Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der er früher und auch jetzt in Deutschland aufgenommen worden ist, gibt Gabriel Bach Hoffnung, dass die nachfolgenden Generationen die Lektion gelernt haben. Mit seinen Vorträgen, vor allem in Schulen, möchte der 86-Jährige dazu beitragen, die Erinnerung an diese Periode der deutschen Geschichte wachzuhalten und zu appellieren, dass sie sich nicht wiederholen dürfe.

Bei der anschließenden Fragestunde mit dem Gast aus Jerusalem waren es übrigens ausschließlich Schüler, die mehr über den spektakulären Prozess und die Figur Eichmann wissen wollten, der bis zuletzt keine Reue über sein Tun zu erkennen gegeben hatte.

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