Keltensuppe und ein dicker Knochen

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
Archäologie-Koch Jost Auler s
Archäologie-Koch Jost Auler serviert seine Keltensuppe aus Hülsenfrüchten, Möhren, Dinkel und Speck. Foto: Jagodzinska

Höllen. Lagerfeuerduft begrüßte nahezu 2000 Besucher am 18. „Tag der Archäologie” in der Außenstelle Höllen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege: In der stattlichen eisenzeitlichen Anlage lockte ein Kelteneintopf mit Hülsenfrüchten, Dinkel, Möhren und Speck.

Weil laut Archäologenkoch Jost Auler „Salz bei den Kelten ein kostbares Nahrungsmittel war”, sorgte alleine der Speck für die Würzung der Suppe. Aus dem Lehmkuppelofen nebenan entströmte Pizzaduft, in der römischen „Taberna” war als Hauptgericht die „Höllener Variante” von „Minvtal ex praecoqvis” (Schweineragout mit Aprikosen) im Angebot. Dazu wurde einer herber Weißwein mit Honig und Gewürzen serviert. Gemüse und Kräuter aus römischer Zeit wie Mohn, Dinkel, Kichererbsen oder die möhrenähnlichen Pastinaken lagen aus, die man in der Archäologie oder Archäobotanik entdeckte hatte, also durch Funde pflanzlichen Ursprungs.

Eindrucksvoll gestaltete sich eine Sammlung aus 24 Schriftrollen auf „Elefantenpapier” mit knapp 500 antiken Kochrezepten, abgefasst in Latein und Deutsch mit beigefügter Erklärung: So handelt es sich etwa bei der „Mortaria” (Mörsergewürz) um eine Art Pesto ohne Knoblauchbeimengung.

Glühend heiß

Eine Ausstellung mit Relikten und Fototafeln zur Römerzeit war gleich nebenan zu besichtigen. Heißer als das Feuer zum Kochen brannte die mehr als 1000 Grad glühende gelbe Flamme von ausbrennendem Zink von „Qvintvs Vetinivs Vervs” alias Museumspädagoge Frank Wiesenberg. Er demonstrierte den Bronzeguss aus vorchristlicher Zeit bis zum ersten Jahrhundert nach Christus.

Zu den weiteren handwerklichen Demonstrationen zählten Knochenarbeiten, Töpfern, Schmieden oder Tauschieren, eine Metalleinlegetechnik, die heute nur noch wenige Goldschmiede beherrschen. Evelyn Rogg-Geilenbrügge leitete die Herstellung von Tonarbeiten aus der Eisenzeit oder die Nachbildung steinzeitlicher Götterfiguren.

In der Kinderarchäologie nebenan wetteiferten Mädchen und Jungen in der Bergung vorbereiteter Fundstücke.

Premiere waren wiederholte Kurzlesungen von Buchautor Michael Kuhn aus seinen historischen Romanen aus der Römerzeit.

Ein Höhepunkt für den Archäologieliebhaber war die Präsentation erster Funde aus der hölzernen, 7100 Jahre alten Brunnenkonstruktion nahe Morschenich (wir berichteten). Dabei handelt es sich um die „für uns imposanteste Entdeckung, von der es nur wenige Beispiele in Europa gibt”, wie Außenstellenleiter Dr. Udo Geilenbrügge betonte. Er sieht mit Spannung auf die Grabung der „letzten Zentimeter unter Lupe mit Zahnbesteck, die organische Reste enthalten können”.

Mit Stolz präsentierten die Archäologen Hendrik Jan Janssens und Dr. Wolfgang Gaitzsch unter anderem verkohlten Emmer, Einkorn oder Ackertrespe der „ersten Ackerbauern und Viehzüchter Europas”. Besonders eindrucksvoll war ein Knochen, zu groß, um von einem normalen Rind zu stammen. Er ist einem größeren Tier wie einem Wisent zuzuordnen. Imposantes Ausstellungsstück war zudem ein permanent feucht gehaltenes Stück Brunnenholz. Weitere Funde entstammen dem benachbarten Gräberfeld mit rund 280 Grabstätten. Grabbeigaben von etwa einem Drittel der Gräber sind inzwischen nachgewiesen. Interessant ist die Tatsache, dass es sich zumeist um „einfache Körperbestattung in Hocklage” handelt, auch Brandbestattungen waren bereits bekannt.

Zur Ausgrabung

Rege nachgefragt wurden die kostenlosen Fahrten zum Tagebau Inden zur archäologischen Ausgrabung einer römischen Landvilla neben einer eisenzeitlichen Grabung, die hauptsächlich Keramikfunde zutage brachte. Vertreter der Uni Köln präsentierten dort die für Archäologen höchst profitable Geomagnetik, ein geophysikalisches Verfahren, das sich mit dem natürlichen Erdmagnetfeld oder der Wirkung technisch produzierter Magnetfelder auf der Erdkruste befasst.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert