Kein Rindvieh mehr in Schleiden: Milchbauern sterben aus

Von: gre
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Blick in einen Milchviehstall: Immer mehr Bauern geben diesen Betriebszweig auf. Foto: Greven

Jülicher Land. Die Landwirtschaft der Jülicher Börde, der Kornkammer des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation, befindet sich in einem steten Strukturwandel. Vergleicht man die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit der von heute, so stellt man fest, dass nur noch ein kleiner Prozentsatz übrig geblieben ist.

Die ersten Betriebsschließungen waren eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Kriege, als sehr viele Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft in die Industrie abwanderten. Während vordem selbst kleine Betriebe sich Knechte und Mägde leisteten, standen diese Hilfskräfte plötzlich nicht mehr zur Verfügung.

Sie mussten schrittweise durch Mechanisierung ersetzt werden. Ackerbau wurde nicht mehr mit einem Pferdegespann betrieben, sondern mit Traktoren. Die Betriebe, die hier nicht mithalten konnten, starben. Die landwirtschaftliche genutzte Gesamtfläche nahm zwar nicht ab, aber die Anzahl der Betriebe sank erheblich.

Zwar stiegen die Erträge der Betriebe im Laufe der Zeit durch verbessertes Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz deutlich an, verdoppelten sich sogar. Aber die Preise sanken in Folge der Globalisierung auf breiter Front.

In dem 800-Seelen-Ort Schleiden gab es vor und nach dem Krieg 23 Ackerbau und Viehzucht treibende Landwirte. Heute sind es noch sieben, Ackerbaubetriebe. Die Viehwirtschaft ist völlig zum Erliegen gekommen, nachdem kürzlich die letzten Rindviehhalter aufgegeben haben.

Letzteres ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, wie arbeitsintensiv gerade dieser Zweig ist. Trotz enormer Modernisierungen erfordert die Milchviehhaltung an 365 Tagen im Jahr die Arbeit im Stall, eine Arbeit, die in kleinen und mittleren Betrieben mit viel Liebe zum Tier verbunden war.

Doch sinkende Milchpreise, steigende medizinische und hygienische Anforderungen waren nicht dazu angetan, Freude an dieser Arbeit zu haben. Die leeren Stallungen und Hallen werden heute anderweitig genutzt, zum Teil vermietet für Großgeräte, saisonal für Wohnwagen und Segelboote.

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Milchkühe in den letzten zehn Jahren nur unwesentlich geringer geworden ist. Anstelle der früher zahlreichen kleineren Milchviehbetriebe sind heute wenige größere getreten. In der Gemeinde Aldenhoven gibt es inzwischen nicht mal mehr zehn Milchvielhalter, in Aldenhoven und Freialdenhoven zusammen drei, die übrigen in den Weilern Langweiler und Hausen.

„Wachse oder weiche“ ist die Parole in der Landwirtschaft. Da in vielen Betrieben die Hofnachfolge ungesichert ist, wird sich das Bauernsterben fortsetzen. Den Drei-Generationen-Betrieb gibt es schon lange nicht mehr. Die junge Generation strebt einträglichere Berufe an.

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