„Kein Kind zurücklassen“: Konkrete Ergebnisse bei Präventionskonferenz

Von: ptj
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Die Teilnehmer der Titzer Präventionskonferenz zum Thema „Kein Kind zurücklassen“ vergeben Punkte. Foto: Jagodzinska
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Gruppenarbeit führte in Titz zu konkreten Ergebnissen. Foto: Jagodzinska

Titz. Die erste kommunale Präventionskonferenz im Rahmen des Modellprojektes „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ fand in der Primusschule der Gemeinde Titz statt. In dieser Aktion der Düsseldorfer Landesregierung und der Bertelsmann-Stiftung ist der Kreis Düren eine unter 18 Modellkommunen.

Die Veranstaltung war „ausgesprochen konstruktiv“, wie es der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen abschließend auf den Punkt brachte. „Drei Stunden lang harte Arbeit mit ganz hervorragender Besetzung hat zu konstruktiven Ergebnissen geführt, deren Schwung wir jetzt mitnehmen müssen“, betonte er.

60 Fachleute aus den Bereichen Ärzteschaft/Hebammen, Bildungsberatung, Elternschaft, Kindergärten, Kirche, Kommunalpolitik, Jugendarbeit/Jugendparlament, Schulen, Sozialarbeit, Vereine und Verwaltung erarbeiteten in Gruppen an insgesamt acht Tischen, was mit Blick auf die Kinder- und Familienbetreuung „gut läuft“ in der Gemeinde Titz und „was fehlt“. Jeder Tisch hatte einen „Tischgastgeber“, die Gesamtmoderation hatte Angela Stefan inne, Mitarbeiterin beim Kreis Düren. Nach 20 Minuten Austausch rotierten die Gruppenmitglieder und wurden von den Tischgastgebern über die Ergebnisse jeder Gruppe informiert.

Zuvor hatten die Teilnehmer ein Fallbeispiel durchgespielt, das nach Expertenbekundung „keine Seltenheit“ ist. Ein deutscher Vater (32) ohne Berufsausbildung, Kunde beim Jobcenter, und eine schwangere italienische Mutter (28) ohne Schulabschluss und geringfügig beschäftigt, haben drei Kinder, davon bisher ein gemeinsames. Einzig unproblematisch ist die sechsjährige Tochter der Kindsmutter, eine gute Schülerin, die häufig bei den Großeltern weilt. Der achtjährige Sohn der Mutter leidet unter ADS, hat kaum Freunde und gerade ausreichende Schulleistungen. Zudem ist er Bettnässer.

Die gemeinsame zweieinhalbjährige Tochter leidet unter sprachlicher und verhaltensmäßiger Entwicklungsverzögerung, nimmt kaum Kontakt zu anderen Kindern in der Kita auf. Die Eltern fühlen sich überfordert. Der Konflikt besteht darin, dass die Eltern nicht an Elternversammlungen in der Kita teilnehmen, auf Hinweise der erziehenden Kinderschutzfachkraft nicht eingehen und die Situation beschönigen. Die Kita fühlt sich hilflos und wendet sich an den allgemeinen sozialen Dienst. Die Eltern sehen keinen Handlungsbedarf. Nun nahmen die Titzer Darsteller der „Helfersysteme“ ihren Platz ein.

Als Kinderarzt, Kinderschutzfachkraft der Kita, Gynäkologe, Fallmanager des Jobcenters, Sozialarbeiterin des Jugendamtes und Schulleiterin der Grundschule der beiden älteren Kinder stellten sie eine Beziehung zueinander her. „Wie geht es Ihnen?“, fragte Stefan die einzelnen Akteure. Als positive Wendung fühlte sich die Mutterdarstellerin von den Helfersystemen „gestützt“, nicht „umzingelt“, was in der Praxis häufig der Fall sei.

Nun war es wichtig für die Teilnehmer, eigene Ergebnisse zu erarbeiten. Nach den Gesprächsrunden wurden die acht Tafeln nebeneinandergestellt, und die Tischgastgeber trugen die häufig deckungsgleichen Ergebnisse vor. Als gut befunden wurden sowohl Struktur als auch Vernetzung von Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen, gelobt wurde die Jugendarbeit. Ein Ausbau der Kitaplätze sei notwendig. Mit jeweils fünf zu verteilenden Punkten in den Händen priorisierten die Teilnehmer die Themen. Mit den meisten Stimmen landeten sechs Punkte auf der To-do-Liste. Vor allem werde ein umfassendes Netzwerk gebraucht. Um die Umsetzung eines ersten Netzwerktreffens kümmern sich die Schulleiterinnen Tölkel-Howlett (Primusschule) und Anja Schüürmann (Grundschule), unterstützt vom Jugendparlament.

Für eine Optimierung der Internetpräsenz (Homepage) und eine entsprechende App sorgt die Gemeinde Titz. Umsetzer des Unterstützungsbedarfs der Ehrenamtler durch Hauptamtler sind der Sachausschuss Kinder und Jugendarbeit (SAKJ), Jugendbetreuer Rolf Sylvester und der Müntzer Ortsvorsteher Ulrich Goebbels. Eine Bestandsaufnahme aller Angebote, einschließlich der Beratungen, macht das Familienzentrum „Zauberwelt“, unterstützt von der Gemeinde Titz.

Zuständig für den Fortbestand des Gemeindebusses ist die Politik, Ansprechpartner der Titzer Ortsvorsteher Norbert Schiffer. Für den Erhalt des Discobusses sorgt das Jugendparlament. Um Sicherung und Ausbau des breit gefächerten Themenkreises Inklusion kümmert sich Gisela Beckers aus der integrativen Kindertagesstätte „Steppke“ in Hasselsweiler. Ein Punkt wurde von der Liste gestrichen: der heiß diskutierte ÖPNV, der sowieso „nicht kostendeckend betrieben werden“ könne. Frantzen machte allerdings Hoffnung auf das Schnellbussystem, das der Kreis zurzeit im Rahmen seiner beabsichtigten Änderung des Nahverkehrsplans diskutiert.

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