Jülich - Keime im Jülicher Trinkwasser: Ursache noch unklar

Keime im Jülicher Trinkwasser: Ursache noch unklar

Von: Volker Uerlings
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Bis zum späten Abend arbeiteten und spülten die Teams der Stadtwerke das von der Verkeimung mit Coli-Bakterien betroffene Leitungsnetz – hier in Rödingen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Vielleicht stimmt ja nicht alles, was in der Zeitung steht. Ein gerüttelt Maß an Skepsis ist aber in noch stärkerem Maße im Worldwide Web angebracht. Das bekamen Menschen im Jülicher Land am Mittwochabend zu spüren. Die private Warnung einer Frau auf Facebook, wonach Legionellen im Jülicher Trinkwasser gefunden worden sein sollen, sorgte kurze Zeit für Angst und Schrecken.

Legionellen können sich übrigens dann entwickeln, wenn hochsommerliche Temperaturen erreicht werden. Das Trinkwasser der Stadtwerke kommt auf derzeit 13 bis 14 Grad Celsius. Einige tausend Frauen und Männer waren in heller Aufregung, bis die wahre Nachricht zu finden war, über die wir am Mittwochabend auch berichtet haben: Coliforme Keime sind in Stetternich entdeckt worden.

Danach war die Netz-„Gemeinde“ sauer. Die „Legionellen-Warnerin“ wurde in Nachrichten und Kommentaren hart angegangen – ein lokaler kleiner „Shitstorm“, wenn man so will. Unterdessen waren beim Versorger Stadtwerke Jülich (SWJ) GmbH Überstunden angesagt. Bis in die Nacht mühten sich die Beschäftigten, der Ursache der Verunreinigung durch Coli-Bakterien auf die Spur zu kommen. Außerdem wurde das Leitungsnetz durchgespült. Bis zum Nachmittag war man aber noch keinen Schritt weiter.

„Infektionen bis zum Tod“

Der Stein des Anstoßes für die Aufregung und den anschließenden Ärger in einer Jülicher Facebook-Gruppe las sich so (Schreibweise unkorrigiert): „bin soeben informiert worden das im Trinkwasser von den Stadtwerken Jülich legionellen sind! Diese fuhren zu schweren Infektionen bis zum Tod! In wie weit Jülich auch Rödingen über Titz bedient konnte ich noch nicht klären aber ich sag euch dennoch Bescheid!“

Das sorgte bei den Stadtwerken nach Mitteilung von Donnerstag dafür, dass die Telefondrähte glühten. „Das ist eine Falschmeldung. Es ist unverantwortlich von demjenigen, der das in die Welt gesetzt hat. Es gibt keinen Legionellen-Befall in unserem Trinkwasser“, betont SWJ-Pressesprecherin Sigrid Baum.

Viele Arbeiten laufen beim Versorger nun gleichzeitig, um den Keimbefall zu beseitigen. So wurden die Netzbereiche in den betroffenen Ortschaften hydraulisch vom Rohrleitungsnetz abgetrennt, damit keine Wasservermischung stattfinden kann. Die Endpunkte des betroffenen Netzbereiches wurden und werden sorgfältig gespült. Durch das Spülen wird die Durchflussmenge in den Rohrleitungen erhöht. „Damit werden die Keime schneller ausgespült“, erläutert Jürgen Söbbing, Leiter Netz-Management der SWJ.

Außerdem kommt Chlor zum Einsatz. Die Menge sei auf die durchschnittlich 60.000 bis 70.000 Liter abgestimmt, die stündlich durch die Leitungen laufen. „Es sind nur kleinste Mengen Chlor notwendig, um den gewünschten Effekt der Keimabtötung zu erzielen“, erklärt Söbbing. Täglich würden viele Proben entnommen, um die Konzentration des Chlors im Trinkwasser zu prüfen. Dennoch war der typische Geruch am Donnerstag zu bemerken, wie Leser schilderten.

Einmal am Tag kontrollieren die Stadtwerke Jülich die Wirksamkeit der Maßnahmen, um festzustellen, ob die Keimbekämpfung erfolgreich war. Untersucht wird überdies auch in allen nicht betroffenen Gebieten. Mit den nun notwendigen Aufgaben sind laut Pressesprecherin Sigrid Baum 14 Mitarbeiter der Stadtwerke beschäftigt.

Es stehe derzeit noch nicht fest, um welche coliformen Keime es sich handelt – die Untersuchung sei zeitaufwändig. Ergebnisse werden erst in ein paar Tagen erwartet.

Laut Pressesprecherin wird „ein Befall mit coliformen Keimen im Trinkwasser dann angezeigt, wenn der Grenzwert von null Keimen je 100 Milliliter Proben-Trinkwasser überschritten wird“. Dieser Wert sei an mehreren Stellen in den betroffenen Netzbereichen überschritten.

Das sind die Jülicher Ortsteile Stetternich, Welldorf, Güsten, Serrest, Mersch, Pattern, Daubenrath und Selgersdorf sowie Rödingen, Höllen, Bettenhoven, die Höfe Pappelhof und Lindenhof in der Gemeinde Titz.

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