Güsten - Kaninchenzüchter suchen dringend Nachwuchs

Kaninchenzüchter suchen dringend Nachwuchs

Von: Antonius Wolters
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Kennerblick auf den eigenen Nachwuchs: Kaninchenzüchter Michael Hilgers aus Güsten fürchtet um den Fortbestand seiner Freizeitbeschäftigung, der er seit 50 Jahren frönt. Foto: Wolters

Güsten. Seine letzte Häsin hat er in Kevelaer gekauft, die Rammler zieht er alle selber. Michael Hilgers aus Güsten ist mit Leib und Seele Kaninchenzüchter – und ein erfahrener obendrein.

Vor 50 Jahren, im März 1964, hat der 70- Jährige sein „interessantes Hobby“ begonnen. Ein früherer Arbeitskollege hatte damals sein Interesse geweckt. Um die Freizeitbeschäftigung etwas intensiver zu betreiben und mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen, schloss er sich dem Kaninchenzuchtverein R 286 Hambach an. Damals züchtete Hilgers die Rasse „Deutsche Riesen grau“, mit der er sogar auf der Europaschau in Stuttgart teilnahm. Spätestens nach dieser Großveranstaltung waren sein Ehrgeiz und die Liebe zum Zuchterfolg geweckt.

Darum startet er heute auch einen Hilferuf, denn den Kaninchenzüchtern gehen Nachwuchs und Mitglieder aus. So ist der Landesverband Rheinland der Kaninchenzüchter von 5210 im Jahr 2000 auf aktuell 2949 Mitglieder geschrumpft – Tendenz fallend. „Etliche Vereine existieren nur noch auf dem Papier“, weiß Hilgers, der selbst inzwischen bereits dem dritten angehört. In seiner Anfangszeit gründete sich immerhin 1968 der neue Verein R 276 Koslar, zu dem er damals wechselte, sich im Vorstand engagierte und ab dann die Rasse „Hermelin Rotauge“ züchtete. Wurden anfangs noch Jungtierschauen veranstaltet, zu denen auswärtige Züchter ihre Vierbeiner zur Bewertung brachten, ist die Mitgliederzahl aus Altersgründen inzwischen stark gesunken, das Vereinsleben eingeschlafen: „Seit einigen Jahren findet keine Ausstellung oder sonstige Aktivität mehr statt“, klagt Hilgers, der sich umschaute und 2010 zum Kaninchenzuchtverein R 16 Arnoldsweiler wechselte, der ein Jahr älter ist als der Kreisverband Düren.

Seit diesem Wechsel züchtet der 70-Jährige „Zwergwidder weiß Rotauge“, denen er das wenig schmeichelhafte Prädikat „treudoof“ verleiht. Immerhin ist er bei Schauen, zu denen auch ein Impfnachweis notwendig ist, bis heute sehr erfolgreich, wie die vielen Auszeichnungen zeigen, etwa die Titel als Kreis-, Rassemeister und die mehrfache Verleihung der Landesverbandsmedaille beweisen. 2004 wurde er für 40-jährige Mitgliedschaft im Landesverband geehrt. Mehr Spaß als die Schauen macht ihm die tägliche Arbeit mit den Höhlenbewohnern, die bei ihm insgesamt 33 Käfige bevölkern.

Rund 25 kg Futter – neben Standardfutter werden Mischungen für die Aufzucht und vor Ausstellungen angeboten – braucht Michael Hilgers pro Monat, um seine Zwergkaninchen in Form zu halten. Stroh als ballaststoffreiches Futter oder Käfigstreu bekommt er von einem befreundeten Landwirt, der anschließend auch den Mist abnimmt.

Für die eigentliche Zucht verwendet er sechs Häsinnen und zwei Rammler. Pro Jahr werden so 20 bis 25 Jungtiere aufgezogen. Alle Zuchtaktivitäten werden akribisch im Vereinszuchtbuch erfasst. Zusätzlich führt Hilgers noch ein eigenes Zuchtbuch, um bei seinen Kaninchen jedwede Inzucht zu vermeiden. Gezüchtet wird „nur auf Schönheit“, wobei die Bewertungsurkunden neben Gewicht, Körperform und Fellfarbe auch den „Behang“ aufführen, womit die Schlappohren gemeint sind. Die tragen auch eine Nummer, die hier ein Tätowierer des Kreisverbandes verewigt hat. Wie die Vereine erhalten auch die Tiere keine Namen, sondern nur Nummern.

Michael Hilgers‘ Hoffnung für die Zukunft der Kaninchenzucht ist sein elfjähriger Enkel Jakob Esser, der sich ebenfalls für das Hobby interessiert und beim Opa als „Stallbursche“ bewährt, wenn am Abend die Fütterung der Tiere erfolgt.

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