Kandidaten wollen Jülicher Jugendliche besser beteiligen

Von: jago
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Bei der Podiumsdiskussion der Jusos nahmen fünf Bürgermeisterkandidaten die Gelegenheit wahr, ihre Vorstellungen zur Jugendarbeit vorzustellen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Wie positionieren sich die Bürgermeisterkandidaten in der Jugendpolitik? Diese Frage wollten die Jülicher Jungsozialisten aus erster Hand beantwortet wissen. Der Einladung zur Podiumsdiskussion im KuBa waren außer Sven Reichert, der wegen einer privaten Verpflichtung verhindert war, alle Bewerber um das höchste Amt der Stadt gefolgt.

In einer einleitenden Runde vertieften die Moderatoren David Merz und Mike Knöll die Themen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Unterstützung von Einrichtungen und Vereinen durch die Stadt, Zeitprobleme durch Ganztagsschulen und Möglichkeiten für Jugendliche zur Teilnahme am politischen Geschehen. Teilnehmer der Gesprächsrunde waren Tobias Storms, Leiter der Jugendeinrichtung der evangelischen Kirche, Leander Fürst, Vorsitzender des Judoclubs und Ariane Schenk als Mitglied des Jugendparlaments.

Storms bemängelte das Fehlen von Angeboten in der Stadt und monierte, dass Jugendliche zur Nutzung der Skaterbahn oder des Bolzplatzes im Brückenkopf-Park Eintritt bezahlen müssen. Letzteres griffen die Kandidaten später ebenfalls auf. Auch wenn im Judoclub etwa 180 Kinder und Jugendliche aktiv sind, bedauerte Fürst, dass die Kinder „kaum noch Zeit für Sport“ haben.

Nicht ganz nachvollziehbar empfand er die sicherheitstechnischen Auflagen durch die Stadt, die „als einzige in NRW etwas gefordert hat, was gar nicht nötig gewesen“ war. Ariane Schenk gab zu erkennen, dass man im Jugendparlament durchaus selbstkritisch sei und es zurzeit nicht schaffe, sich wirksam in Szene zu setzen. Dennoch sei viel Potenzial vorhanden. Das Angebot, sich mit Ideen einzubringen, stehe. Die jungen Leute hoffen, dass der zukünftige Bürgermeister den Informationsfluss verbessert und das Jugendparlament (JuPa) besser eingebunden wird.

In der zweiten Runde griffen die Bürgermeisterkandidaten Heinz Frey (UWG Jül), Axel Fuchs (Einzelbewerber), Jürgen Laufs (Bündnis 90/Die Grünen), Michael Lingnau (Einzelbewerber) und Frank-Peter Ullrich (CDU/SPD) die Themen und Probleme auf und erläuterten ihre Vorstellungen und Ideen. Außer Ullrich betonten die Kandidaten ihre von früh an eng mit Jülich verbundene Vita. Unisono sagten die Kandidaten zu, sich im Falle des Wahlerfolgs für eine deutlich intensivere Mitnahme des Jugendparlaments einzusetzen.

Fuchs zeigte Unverständnis für die Altersgrenze von 17 Jahren zur Mitarbeit im JuPa. Ullrich konkretisierte den Wert des JuPa, das wie jeder andere Ausschuss der Stadt behandelt werden solle. Sich dafür einsetzen, dass die Jugendlichen sich heimisch fühlen in einem JuPa, das ein Ankerpunkt sein könne, will Laufs. Für Frey ist es ganz wichtig, Jugendliche an die Mitgestaltung der Politik heranzuführen. „Dazu werde ich als Bürgermeister an die Schulen gehen.“ Im Diskussionskomplex lobte Lingnau die Initiative der Jusos zur Veranstaltung der Podiumsdiskussion. Auch er beabsichtigt, die „jungen Leute an die Hand zu nehmen“. Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass ein Jugendparlament auf keinen Fall eine Einrichtung zum Selbstzweck sein dürfe.

Durch die allgemein gehaltenen Vorgaben fiel es den erfahrenen Politikern auf dem Podium nicht schwer, Vorschläge zur Jugendpolitik zu unterbreiten. Einen runden Tisch mit Vertretern von Stadt, Vereinen und Kirchen zur besseren Gestaltung der Koordination will Lingnau installieren, Frey beabsichtigt, die Kooperation von Schulen und Vereinen zu stärken und im ÖPNV attraktivere Zeiten durchzusetzen. Auch Laufs griff den Nahverkehr auf, in dessen Tarifstruktur er gerne ein Schülerticket sähe. „Wir müssen uns besonders um die kümmern, denen es nicht so gut geht“, mahnte Fuchs an. Eine strukturierte Bedarfserhebung aller Vereine steht auf der Agenda von Ullrich, der darauf einen Dialog zur Mittelzuwendung aufbauen möchte.

Spontan brachten die Moderatoren das Thema Schwimmbäder ins Spiel. Ullrichs Vorwurf, dass „hier die Kontrolle der Politik nicht funktioniert“ habe, ging auch an andere Podiumsmitglieder: „Es kann ja nicht angehen, dass jetzt so getan wird, als wäre das Schwimmbad, als wären auch die Lehrschwimmbecken unbemerkt verrottet“. Freilich wurde die schwierige Konstellation auf dieser Bühne nicht ausdiskutiert.

Der Gedankenaustausch über unter anderem Stadthalle, Sportstätten, Kirchturmdenken von Ortsvorstehern im positiven als auch im negativen Sinn brachte zutage, dass die Vorstellungen der Kandidaten in puncto Jugendarbeit nicht weit auseinander liegen. Eine mehr als deutliche Absage erhielt der zaghaft von Mike Knöll angesprochene Parkausweis für Jugendliche. „Haben die Kandidaten Ideen, wie man Studenten von Fachhochschule oder Forschungszentrum an die Stadt binden kann“, wurde gefragt. Vorschläge wie Bereitstellung günstigen Wohnraums, neue kulturelle Angebote, verbesserte Gastronomie waren zwar keine kreativen Geistesblitze, sind aber auf den Arbeitsblöcken notiert worden.

Interessant sein dürfte sicher die von Frey angesprochene direkte Zugverbindung von Jülich nach Aachen. Der neue Bürgermeister wird „das Gespräch mit den Jugendlichen suchen“, ganz gleich wer in der Gunst der Wähler am Ende vorn sein wird. Für die Besucher waren die Statements eine gute Gelegenheit, weitere Facetten im politischen Profil der Kandidaten auszumachen, auch wenn die Themen wenig tiefschürfend abgehandelt wurden. So merkte eine Besucherin an, dass man sich im Grunde über Luxusprobleme unterhalte und wollte wissen, welche Konzepte man vorhalte, um die mitzunehmen, die nicht so stark seien. Auf die Menschen aktiv zugehen und Solidarität einfordern, wurden als Möglichkeiten genannt.

Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass es nach den Wahlen eine permanente Ansprechstelle für Jugendliche im Rathaus geben wird. Dies zu vermitteln, bleibt auch eine Aufgabe der Jusos, da im Zuschauerraum bedauerlicherweise kaum jemand aus dieser Altersgruppe zu sehen war.

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