Barmen - Kahlschlag bringt die Barmener Bürger auf die Palme

Kahlschlag bringt die Barmener Bürger auf die Palme

Von: hfs.
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Klemens Schwarzer aus Barmen
Klemens Schwarzer aus Barmen regt sich über den in seinen Augen betriebenen Kahlschlag am Altarm der Rur hinter dem Barmener Sportplatz, wie so viele andere Bürger auch, auf. Für Fachleute ist die Fällaktion dagegen sinnvoll und ökologisch richtig. Foto: hfs.

Barmen. Klemens Schwarzer ist wütend, wie viele andere Barmener auch. Über den scheinbaren Dilettantismus, den eine Holzfällerfirma am Barmener See bei ihrem Kahlschlag gezeigt hat. „So etwas hat mit Naturpflege nichts zu tun, dass ist Naturzerstörung pur”, schimpft Schwarzer.

Die Spuren der schweren Fahrzeuge sind unübersehbar. Ob auf der ehemaligen Liegewiese am Badestrand, auf dem Hochwasserschutzdamm oder den mit Bänken ausgestatteten Ruhezonen unmittelbar am See - überall weisen tiefe Fahrspuren darauf hin, dass sich etwas „getan” hat. Dazu kommen die vielen abgesägten Bäumen und Sträuchern, die kreuz und quer im Gelände liegen. „Die haben hier gehaust wie die Vandalen”, sagt Schwarzer und zeigt auf die vielen im Wasser liegenden Baumstämme oder die Astkronen der Pappeln, die am alten Rurarm hinter dem Barmener Sportplatz zu Duzenden gefällt wurden. „Die werden doch nie mehr aus dem Wasser geholt”, schüttelt der Barmener verständnislos den Kopf. Bei diesem Stammumfangs müssen die Bäume wohl 60 und mehr Jahre alt gewesen sein.

Die Zeiten, dass Pappeln als Nutzholz verwendet wurden, längst vorbei. Sie werden fast nur noch in China zu Sperrholz verarbeitet, sofern das Holz kernig ist. Kernige Stämme warten, fein säuberlich aufgestapelt, am Parkplatz zum See auf ihren Abtransport.

„Alles, was im Weg stand, um an die vermeintlich guten Hölzer zu kommen, wurde umgesägt”, zeigt Klemens Schwarzer auf die Zone der Zerstörung. Ahorn oder Buchen, die ebenfalls der Säge zum Opfer fielen, „hätten gut und gerne noch 20 oder 30 Jahre wachsen können”, beklagt Schwarzer.

Warum es diesen Rundumschlag gab, erläuterte Thomas Mülheims, Leiter des Immobilien-Managements der Stadt Jülich. „Die ganze Aktion ist mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde, abgestimmt worden”, sagt er und betont, „dass der zuständige Forstbeamte auch entschieden hat, welche Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden müssen”.

Dass es in einem Sumpfgebiet schwierig sei, Fällaktionen durchzuführen, müsse auch Außenstehenden klar sein. Wie stark die Bäume bedroht waren, so der Beamte, habe die Fachfirma berichtet. „Da standen viele Wurzeln auf Spannung, die sind beim Fällen der Bäume wieder zurückgeschlagen, ein nicht einfaches Unterfangen für die Leute an der Säge.”

Die Kritik, wahllos Bäume gefällt zu haben, weist Mülheims allerdings zurück. „Natürlich mussten die Leute sich zunächst einen Weg zum Fällobjekt bahnen. Da bleibt es nicht aus, dass der eine oder andere Baum weichen muss.” Zudem lege die Untere Landschaftsbehörde Wert darauf, dass gefällte Bäume liegen bleiben, vermodern und so neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen. Thomas Mülheims räumt aber ein, dass der Schauplatz chaotisch wirkt. „Aber die Natur wird sich schnell von dem Kahlschlag erholen. Zudem werden Neuanpflanzungen vorgenommen”, ergänzt er, „dass die ausführende Firma an einigen Stellen noch Nacharbeiten vornehmen wird.” So am Badestrand oder hinter dem Baseballfeld der Dukes.

Wie unterschiedlich die Meinung von Außenstehenden und Fachleuten ist, zeigt unter anderem der Kommentar des Kreis-Umweltausschusses: Der, so Mülheims, „hatte nach einer Besichtigung nichts zu beanstanden.”

Dass zeitgleich in Höhe des Koslarer Kreisels die Motorsägen heulen, dicke Pappelstämme auf Spezialfahrzeugen abtransportiert werden, ist Zufall. In Koslar lässt ein Privatmann seinen Besitz lichten, in Barmen ist es die Stadt, die den entsprechenden Auftrag ausgeschrieben hat und rund 25.000 Euro bezahlen muss.

Die Pappel ist die schnellwüchsigste einheimische Baumart, die bereits nach 30 bis 50 Jahren ausgereift ist.
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