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Kabarett-Programm mit Didi Jünemann und lokalem Bezug

Von: ptj
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„Kollege kommt gleich”: Scha
„Kollege kommt gleich”: Schauspieler und Kabarettist Didi Jünemann brilliert im Kuba mit einer idealen Ergänzung von sprachlichem und schauspielerischen Können, gewürzt mit politischem Foto: Jagodzinska

Jülich. „Kabarett kann unmittelbaren Einfluss auf die Politik nehmen”. Mit diesem verblüffenden Statement eröffnete der Kölner Schauspieler und Kabarettist Didi Jünemann sein neues Soloprogramm „Kollege kommt gleich” im Kuba.

„Schon nach 30 Jahren” war sein damaliges hartnäckiges Eintreten für das Abschalten von Atomkraftwerken in Kraft getreten. Seine aktuelle Forderung sei „Banken abschalten”.

Bei Jünemann, bekannt aus der Kölner Stunksitzung und der WDR 2-Satire „Frühstückspause” mit Jürgen Becker, ergänzen sich sprachliches und schauspielerisches Können ideal. Gewürzt wird die Mischung mit politischem Biss.

Im steten Wechsel verkörperte der Allrounder, der teilweise an den jungen Otto Waalkes erinnerte, den tiefgründigen Analytiker, um gleich darauf in der Umkleidekabine in die Haut diverser skurriler Zeitgenossen zu schlüpfen. Vor keinem Kostümwechsel durfte die Ankündigung fehlen: „Kollege kommt gleich”.

Als widerborstiger Schwimmmeister in der Badehose erinnerte er sich an früher, wo es galt, „das Schwimmen zu über-leben, nicht im Zentrum für Fitness und Wellness zu er-leben”. Jünemann stellte fest: „Wir lieben das manchmal, wenn wir so richtig schön beschissen werden”, was er sogleich als Herrenbekleidungsverkäufer Hubertus Hirse im Wechsel zwischen knallhartem Macho und romantischem Kavalier lachmuskelstrapazierend in Szene setzte.

Als Dr. Heribert Kleinbring brillierte der Alleindarsteller im „kommunalen Krisenmanagement gegen den Widerstand des Bürgers”. Dabei deckte er diesen mit den „drei Ichs”: „wirtschaftlich”, „ökologich” und „notwendich” ein.

Sehr gut kam auch der lokale Bezug zu Jülich an: „Darum wünsche ich Ihnen, egal, ob Sie dafür oder dagegen sind, viel Spaß mit Ihrem Jugendgästehaus”. Ein zweites Mal fand sich Jülich als „historische Festungsstadt - moderne Forschungsstadt” in Jünemanns Einlage „Motto für die Dörfer” wieder.

Toll war auch sein blitzschneller Wechsel in die Haut eines zweiten Darstellers: So tauschte ein Paar bei einem Museumsbesuch in der zweiten Programmhälfte in einer „Konjunktivführung” durch ein Museum Meinungen über Werke aus, die dort hätten hängen können, hätten sie nicht aus Gründen eines stetig schrumpfenden Kulturetats weichen müssen, und das auch noch in Kölsch: „Dä Dürer nevve dä Dür do wor dürer...”.

Köstlich war Jünemanns Aufenthalt im „Umweltfegefeuer”, in dem er für begangene Umweltsünden, wie etwa für 13 642 Plastikeinkaufstaschen, abgestraft wurde. Einen großen Erfolge feierte der Kabarettist als Fußballkommentator. Auf der einen Seite als nüchterner und kurzangebundener deutscher Sportreporter Armin Hauffe und auf der anderen als sein österreichischer Kollege, der legendäre Edi Finger, der über den Siegtreffer von Hans Krankl in Córdoba 1978 völlig „narrisch” wurde.

Seine einzige weibliche Rolle war Barbara Luschen-Kamper als geschlechtsneutrale „Genderbeauftragte der Stadt Waldfeucht”, die sich wenige Zeit später in einen Wäsche bügelnden Offizier des Kampfgeschwaders „Daniela Katzenberger” verwandelte.

Höhepunkt waren zwei blitzschnelle Rap-Gesänge mit Reim und Witz zum Thema „Perfekte Männer, perfekte Frauen”, einer davon als Zugabe. Jünemann, rücklings auf einem Stuhl sitzend, trommelte mit seinen Fingern den Rhythmus auf der Stuhllehne.

Zur zweiten Zugabe war sein Publikum zum Mitsingen eingeladen: „Im Café Oriental”, das sich von Strophe zu Strophe weiterentwickelte, zu „Orientel, Orientil, Orientulf”.

Nach einem Abend mit intelligentem Witz spendete das begeisterte Publikum im Kulturbahnhof reichlich Applaus.
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