„Kabale und Liebe“ in Haus Overbach schrill und emotional

Von: ptj
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„Kabale und Liebe“ in Haus Overbach aufgeführt: „Über mich die Verantwortung, über dich die Verantwortung“– mit diesen Worten beginnt und endet das Drama Friedrich Schillers. Foto: Jagodzinska

Barmen. „Über mich die Verantwortung, über dich die Verantwortung“. Mit diesen Worten begann und endete die erstklassige Inszenierung des Kölner Theaterensembles „Drama Tisch“ von Schillers Drama „Kabale und Liebe“ in Haus Overbach. Zum Franz-von-Sales-Fest hatte der schuleigene Förderverein den Klassen EF, Q1 und Q2 diese Aufführung spendiert.

Ausgerechnet Schillers Drama aus der Sturm- und Drangepoche mit all seinem Pathos und seiner Erhabenheit, mag man denken. Doch die fünf Kölner Darsteller provozierten durch ihre schrill/emotionale Ausdrucksform bewusst den Wunsch, das durch den Zwiespalt zwischen Rationalem und Emotionalem geprägte Drama noch einmal lesen zu wollen.

Dabei verzichtete die Truppe vom Rhein nicht auf eindeutig wertende Positionen, dafür aber auf Kostüme des 18. Jahrhunderts. Nur wenige Requisiten betonten ihre stimmliche Ausdruckskraft und ihre überzeugende Mimik und Gestik in der authentischen Darstellung der Figuren.

Während die agierenden Personen mit ausgebreiteten Armen in der bildhaft-emotionalen Sprache des 18. Jahrhunderts im Rampenlicht standen, wohnten ihre Kollegen in hockender Haltung dem Geschehen bei und zollten den tragischen Dialogen mit einer Prise Komik lautstark Beifall. Deutlich hörbar wiederholte der vermeintliche Souffleur (Oliver Schnelker) markante Sätze wie „Sie hat meine ganze Seele gesehen“, bestärkt durch seine Kollegen auf der Bühne und mitten im Publikum.

„Die Handlung ist eine Adaption von Romeo und Julia, verschärft durch die Ständedebatte“, wie der künstlerische Leiter des Ensembles, Christoph Wehr es vorab auf den Punkt brachte. Worum geht es überhaupt? Die 16-jährige Luise (Mirka Flögl), Tochter des Stadtmusikers Miller, hat eine Liaison mit Baron Ferdinand von Walther (Benedikt Hahn). Die beiden verbindet die absolute Liebe über alle Standesunterschiede hinweg.

Bürgertum und Adel

Beide Väter (beide gespielt von Martin Thiel) sind gegen die Verbindung. Auch Luise plagen Skrupel, während Ferdinand sie immer heftiger umwirbt und sogar zur Flucht auffordert. Weil ihr Gewissen ihr das nicht erlaubt, zweifelt Ferdinand an ihrer Liebe.

Ferdinands Vater, Präsident von Walther, und sein Sekretär Wurm (Oliver Schnelker) klüngeln eine Intrige aus, um eine Heirat der beiden zu umgehen und einer Verbindung Ferdinands mit der am Fürstenhof etablierten Lady Milford (Katharina Brenner) voranzutreiben. Luises Eltern werden inhaftiert. Luise wird mittels eines diktierten Liebesbriefes an Hofmarschall von Kalb gezwungen, ihre Hinrichtung zu verhindern.

Über die fehlende Freiwilligkeit des Schreibens muss sie schwören zu schweigen. Ferdinand fällt der Brief in die Hände. In verzweifelter Wut will er sich an Luise rächen, die den Freitod plant. Nur dieser kann sie von ihrem Eid befreien und ihr ermöglichen, Ferdinand sterbend die Wahrheit sagen.

Selbstmord und Treuebruch

Doch ihr Vater verhindert den Selbstmord, den er als Treuebruch sich selbst gegenüber beklagt.

In der dramatischen letzten Stunde vergiftet Ferdinand Luise und sich selbst. Luise bricht in ihren letzten Atemzügen ihr Schweigen. In der Drama Tisch-Inszenierung erhoben sich die verblichenen Schauspieler allerdings wieder und diskutierten die Frage der Verantwortung. Schüler und Lehrer belohnten das Ensemble mit donnerndem Applaus.

Das anschließend geplante interaktive Gespräch wurde auf Einladung des Klosters Overbach in das benachbarte Science College verlegt – bei Bretzeln und einem Glas Wein.

Der Aufführung vorangegangen war eine Messe mit einer Predigt über Kommunikation durch Pater Dominik Nguyen.

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