Justiz mit nassen Füßen und Junglehrer in Angst

Von: Volker Uerlings
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Wieder an Ort und Stelle: Die Akten der Jülicher Justiz waren von Feuchtigkeit bedroht und ausgelagert. Beschäftigte wie Justizhauptwachtmeister Stephan Höneke kennen nun wieder die „Aktenlage”. Foto: Uerlings

Jülich. Entscheidungen „nach Aktenlage” waren im Amtsgericht Jülich in jüngerer Vergangenheit ziemlich schwierig, denn die örtliche Lage der Akten war keineswegs eindeutig. Ein nicht mehr nur feuchter, sondern klatschnasser Keller zwang die Justiz in der Herzogstadt zu einer Übergangswirtschaft mit Containern im Innenhof und „Kladden-Staus” in den Geschäftsstellen.

Das hat nun ein Ende. Seit gut zwei Wochen sind die Unterlagen - quasi das Gedächtnis der Landesbehörde - wieder da, wo sie hingehören.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB, Niederlassung Aachen) musste ordentlich in die Tasche greifen, um Justitias feuchte Füße zu trocknen. Zwei Maßnahmen halfen: Zum einen wurde das Mauerwerk von innen mit einem Spezialharz ausgespritzt und damit gegen eindringende Nässe geschützt. Zum anderen sorgt ein Belüftungssystem nun für ein angenehmes Raumklima. Da atmet auch Rainer Harnacke, nunmehr seit fast eineinhalb Jahren Direktor des Amtsgerichtes, auf: „Wir haben wieder ein vernünftiges Klima im Keller und ein normales Büroleben.”

Das war nicht die einzige Maßnahme, die am Gebäude an der Wilhelmstraße notwendig war. Wie auch schon im Neuen Rathaus ist der Brandschutz ein aktuelles Thema. Ein hierfür unzureichend geeignetes Seitentreppenhaus des wenig repräsentativen Gebäudes wird derzeit ertüchtigt.

Das Gericht ist eine von mehreren Landesdienststellen in der Herzogstadt. Die Polizei ist ein weiterer großer Vertreter, aber natürlich auch das Finanzamt und das Studienseminar (Kurfürstenstraße) zählen dazu. Diese Ausbildungszentrale für angehende Lehrer im Nordkreis war schon mehrmals Gegenstand nicht sonderlich guter Schlagzeilen, weil die Einrichtung unter chronischer Raumknappheit leidet. Die Stadt kam der durchaus wichtigen Einrichtung, die regelmäßig hunderte Menschen nach Jülich führt, entgegen und stellte Räume in Aussicht.

Jüngst in einer Ausschusssitzung wurde darüber berichtet, dass in den Räumen des Studienseminars „Steine von der Decke bröckelten” und die Anwesenden fluchtartig das Weite gesucht hätten, wie Emily Willkomm-Laufs (Grüne) bei einem Gespräch mit den Studienkreis-Verantwortlichen erfahren hat. Beigeordneter Martin Schulz versprach, sich mit dem BLB kurzzuschließen, um dieses und andere Probleme der Landesdienststellen in der Herzogstadt anzusprechen.

Die Vorfälle im Gericht und im Studienseminar zeigen, dass der Sanierungsstau längst nicht nur die kommunalen Bauten betrifft. Vor diesem Hintergrund gab es beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb Überlegungen, für nicht optimal untergebrachte Stellen eine neue Heimat zu suchen. Ob das angesichts der jüngsten Wirrungen im Zusammenhang mit Schloss Kellenberg aktuell ist, bleibt abzuwarten. Martin Schulz will das „abklopfen”, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte.

Das Amtsgericht ist für neue Lösungen offen, sagte Direktor Rainer Harnacke. So war auch schon einmal eine gemeinsame Immobilie für Polizei und Justiz im Gespräch. Die Ordnungshüter haben zwar jüngst ihren Mietvertrag im für sie eigentlich zu großen Gebäude Neusser Straße verlängert, das wird aber dauerhaft nicht so bleiben können.

Rainer Harnacke legt nur Wert darauf, dass die Gewaltenteilung sichtbar bleibt. Wenn unter einem Dach, dann ohne direkte Verbindung und vor allem mit zwei getrennten Eingängen für die Judikative und die Exekutive.

Die Justizbehörde in Jülich dürfte seiner Ansicht nach mittelfristig Bestand vor Ort haben. Sie sei „nicht zu klein und nicht zu groß”. Sieben Richter(-innen) und 50 Beschäftigte betreuen den gesamten Nordkreis, inklusive also Jülich, Linnich, Aldenhoven, Titz, Inden und Niederzier. Außerdem ist es ja eine Binsenweisheit: Geklagt wird immer...
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