Junge Flüchtlinge erzählen: Diskussion im Kulturbahnhof

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
11576580.jpg
Viele junge Menschen interessierten sich für die Situation gleichaltriger Flüchtlinge in Deutschland: Filmemacherin Pucitta Chauvistré, Darsteller Ibrahim Bary und Youssef Abojobah, Marco Johnen, Bezirksvorsitzender der Jungen Union und Michael Chauvistré beantworteten die Fragen des Publikums. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Der Stadtverband Jülich der Jungen Union hat zum Filmabend in den Kulturbahnhof mit anschließender Diskussion eingeladen. Das Thema: Junge Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte. Doch nach Köln ist der Blick kritischer geworden. In der anschließenden Diskussion bemängelten Besucher die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Zunächst: Die Resonanz war enorm. Die Veranstalter zählten 180 Besucher, darunter viele Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung: zwei Kurzfilme, die unter der Regie des Aachener Regisseurs Michael Chauvistré und Ehefrau Pucitta in einem Projekt mit jungen Flüchtlingen entstanden sind. Unbegleitete Flüchtlinge aus Palästina, Guinea, Bangladesch und anderen Ländern erzählen, was ihnen fremd vorkommt, welche Regeln in Deutschland gelten, was den Deutschen wichtig ist. Kurzum: Wie geht Deutschland?

Die Jugendlichen leben im Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Maria im Tann“ in Aachen. Sie sind bestens versorgt, erhalten Fördermöglichkeiten, Betreuung, gehen zur Schule. Sie sind aufgeweckt, interessiert und offen, zeigen im Film ihre Lebenswelten und blicken auf Deutschland.

Im zweiten Film stellen die Filmemacher erste Integrationserfolge dar. Ein Jugendlicher aus Bangladesch wird mit einem Notendurchschnitt im Einserbereich geehrt. Ein anderer Protagonist macht eine Ausbildung zum Elektriker, ein Dritter zum Programmierer. Alle sind sympathisch, werden von ihren Vorgesetzten gelobt, sind positive Beispiele.

Die Bilder zeigen den Weg einer gelungenen Integration. Doch: Nach Köln, Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf mögen sie zu rosig sein, zu glatt, zu positiv. Eine Besucherin spricht offen in der Diskussion aus, dass ihr die kritische Auseinandersetzung in dem Film fehle. Eine andere formuliert den Ärger einer anwesenden Gruppe junger syrischer Männer, die sich und ihre Lebenssituation in keiner Weise wiederfinden können. Filmemacher Michael Chauvistré antwortet, dass die Filme auf Ideen der Protagonisten zurückgreifen und es keine homogene Flüchtlingsgruppe gebe.

Das Einzige, was die Flüchtlinge verbinde, sei, dass sie ihr Land verlassen haben. Ein dritter Zuhörer fragt, ob die Flüchtlinge nachvollziehen können, dass die Bürger nach der Silvesternacht Ängste haben? Die anwesenden Darsteller Ibrahim Bary aus Guinea und Youssef Abojobah aus Palästina stellen klar, dass sie die sexuellen Gewalttaten missbilligen. Abojobah sucht eine Erklärung: „In ihren Ländern werden Täter für sexuelle Übergriffe gesteinigt. Hier denken sie, alles ist so locker“.

Im Verlauf des Abends gibt Doris Vogel, Leiterin des Jülicher Sozialamtes, die aktuelle Zahl der Flüchtlinge in Jülich bekannt. Es befinden sich derzeit 620 Flüchtlinge im Stadtgebiet. Die Aufnahme verlaufe gut, auch wenn schwarze Schafe dabei seien. Insgesamt mache die Arbeit Spaß, die Menschen reagierten mit Dankbarkeit. Allerdings hätten viele Traumata erlitten. Gerade aus diesem Grund sei es wichtig, positiv auf die Menschen zuzugehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert