Jugendstil-Harmonium in der Klosterkirche

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Barmen. Nach knapp einem Monat in der Obhut von Restaurator Klaus Langer steht es jetzt in Haus Overbach: das Jugendstil-Harmonium mit Baujahr 1914, dessen Korpus und Tretschemel mit feinen Intarsien und Ornamenten verziert sind.

„Sie haben hier ein richtiges Schätzchen, genau passend als Kircheninstrument, denn es ist wohlklingend und gleichzeitig kräftig im Ton, was in großen Sälen den Klang ausreichend weiterträgt“, sagt Langer, der gelernter Kirchenmusiker ist. Die volle Klangfarbe des neuen Instrumentes nutzen die Musiker des Overbacher Kammerchores schon am Sonntag um 17 Uhr, in der Klosterkirche wird die „Petite Messe Solennelle“ von Gioachino Rossini aufgeführt.

Eine Besonderheit dieses Meisterwerkes: Die Chorsänger und Solisten werden nicht nur von einem Piano, sondern auch von einem Harmonium begleitet. Singschul-Leiter Kerry Jago: „Als wir vor einem Dreivierteljahr beschlossen, die Rossini-Messe aufzuführen, hatten wir überhaupt kein Harmonium. Wir wussten auch nicht, woher wir kurzfristig solch ein Instrument ohne großen finanziellen Aufwand beschaffen sollten. Wir waren da wohl recht spontan in unserer Konzertplanung, aber irgendwie wussten wir aus Erfahrung: Es gibt immer eine Lösung in der Musikerwelt, auch wenn es etwas dauert“. Die Lösung hatte Ina Keutmann.

Tätig im Schülerlabor des Forschungszentrums Jülich steht sie als Patenbeauftragte beim Wettbewerb „Jugend forscht“ stets in engem Kontakt mit dem Gymnasium Haus Overbach und unterstützt die „forschenden“ Schüler bei den Wettbewerbsarbeiten. In diesem Sommer zur Einweihungsfeier des Franz von Sales-Hofes eingeladen, erlebte Ina Keutmann auch die musikalischen Fähigkeiten der Overbacher Schüler in den verschiedenen Ensembles der Singschule. Beeindruckt nahm sie Kontakt zur Overbacher Singschule auf: Sie bot Kerry Jago die Schenkung eines hochwertigen Harmoniums aus dem Nachlass ihres verstorbenen Vaters an.

Als ausgewiesener Kenner der Kirchenmusik hatte Günter Kerkloh in den 1970er-Jahren das Jugendstil-Harmonium beim Abriss einer Krankenhauskapelle vor seiner Zerstörung bewahrt und so wieder in Stand gesetzt, dass es für die Hausmusik genutzt werden konnte. Nach des Vaters Tod stand das Harmonium als prächtiges Möbelstück herum. Ina Keutmann: „Meinen Geschwistern und mir war es wichtig, dass das Instrument noch Beachtung findet und im besten Fall auch gespielt wird. Als mir dann die Idee mit Overbach kam, hatten wir einen idealen Platz gefunden!“

Vor einigen Wochen brachten einige Sänger des Overbacher Kammerchores das Instrument von Münster nach Overbach. Näher in Augenschein genommen, war schnell klar, dass es ein Fall für den Restaurator war. Von Klaus Langer aus Grevenbroich, von dessen Zunft es insgesamt nur noch eine Handvoll in Deutschland gibt. bekam das Overbach-Harmonium eine neue Gummituchbespannung für die Blasebälge, damit die „Lunge“ des Instrumentes wieder genügend Spielwind erzeugen kann. Langer: „Wir haben in den letzten Jahren in der Barockmusik den Trend erlebt, dass diese Musik zunehmend auf original historischen Instrumenten aufgeführt wird. Jetzt erleben wir gerade eine Renaissance des Harmoniums für die Musik der Romantik.

Es gibt in der Romantik so viele Werke für Harmonium, dessen Platz in der Vergangenheit dann aber die Orgel eingenommen hat. Das ändert sich derzeit, der „Harmonium-Virus“ erwischt gerade viele Profimusiker, von denen ich weiß, dass sie bestimmte Werke nie wieder auf der Orgel spielen werden, wenn sie einmal den Klang und die Spielmöglichkeiten des Harmoniums erlebt haben. Die Singschule Overbach liegt also, wenn man das so sagen kann, mit der Aufführung der Rossini-Messe am Sonntag voll im Trend.“ Und der Experte fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich werde in nächster Zeit mal wieder vorbeikommen, um zu schauen, wie es „meinem“ Harmonium geht. Ich bringe dann auch einiges an Musikliteratur für Harmonium mit, damit der Virus sich auch in Overbach richtig durchsetzt“.

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