Jülichs Schüler sind fit wie die Turnschuhe

Von: Volker Uerlings
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Wurfgenauigkeit und - geschwindigkeit wurden beim Pilotprojekt „Sport-Check“ an den Jülicher Grundschulen ebenfalls ermittelt – neben anderen Fähigkeiten. Ein Ergebnis dieses Versuchs über vier Jahre ist, dass inzwischen fast jeder Jülicher Viertklässler einem Sportverein angehört. Foto: dpa

Jülich. Die „Kinder von heute“ hängen stundenlang nur vor dem Bildschirm, gehen kaum noch auf die Straße und sind Bewegungsmuffel mit allerlei motorischen Defiziten. Dieses Klischee wird oft bemüht. Trifft es auch nur teilweise zu? Nein! Das ist ein Ergebnis eines Pilotprojektes an fünf Jülicher Grundschulen, das man mit Fug und Recht als Erfolgsgeschichte bezeichnen darf.

Der „Sport-Check“ in der Herzogstadt, seit 2013 realisiert vom Kreissportbund (KSB) Düren, hat sogar Resultate gezeitigt, die man kaum für möglich hält. Denn das Ziel, die Kids für Sport und Vereine zu motivieren, wurde mit einer sagenhafte Quote erreicht: 93 Prozent aller Viertklässler in Jülich gehören in diesem Jahr einem Sportverein an.

Das ist einer Statistik zu entnehmen, die KSB-Geschäftsführer Wolfgang Schmitz und Projektleiter Sebastian Lieberth am Mittwoch im Schulausschuss präsentierten. Zwei Jahre zuvor lag die Vereinsquote nur bei 36 Prozent. Darüber hinaus sei die Zahl der Mädchen und Jungen, die nach einem breiten Test in die unterste Leistungskategorie („weit unter Durchschnitt) eingestuft werden mussten, von 3,5 auf 0,5 Prozent binnen drei Jahren gesunken. Es ist davon auszugehen, dass hier die Empfehlungsschreiben im Rahmen des Sport-Checks vor drei Jahren Früchte getragen haben, denn Eltern und Schulen wurden über bestimmte Defizite und Fördermöglichkeiten für jedes betroffene Kind informiert.

Von daher war die schmunzelnd vorgetragene Schlussbemerkung von Wolfgang Schmitz pures Understatement: „Mehr Erfolg kann ich Ihnen nicht anbieten.“

Der Test besteht aus acht Komponenten – vom Standweitsprung, über den 10-Meter-Sprint, Messung von Schuss- und Wurfgeschwindigkeit über Bewegungsübungen bis hin zum 6-Minuten-Lauf. Er ist wesentlich breiter angelegt als beispielsweise die kurze Motorikprüfung bei den Schuleingangsuntersuchungen. Auf der Basis der Check-Ergebnisse haben Projektleiter Sebastian Lieberth und mehrere Kollegen dann rund eine Woche lang in der kleinen Nordhalle in Jülich die Schülerinnen und Schüler gecheckt und die Einteilung in vier Leistungsklassen vorgenommen: über Durchschnitt, Durchschnitt, unter Durchschnitt und weit unter Durchschnitt.

Dass das eingangs beschriebene Klischee zu keiner Zeit zutrifft, lässt sich daran erkennen, dass in drei Testjahren immer rund zwei Drittel aller Kinder der zweiten Stufe und damit dem Durchschnittsbereich angehörten. Kon­stant bleibt auch die Spitze: bei gut 14 Prozent. Ein leichter Zuwachs war zuletzt in Leistungsklasse 3 zu erkennen, -Klasse 4 kommt praktisch nicht mehr vor.

Das Pilotprojekt mit Überflieger-Qualität läuft noch bis 2017, wenn zum vorerst letzten Mal die Viertklässler unter die Lupe genommen werden. Wolfgang Schmitz: „Wir haben gemeinsam mit den Grundschulen und der Stadtverwaltung etwas geschaffen, das es so in Nordrhein-Westfalen nicht gibt. Vielleicht gelingt es uns, so ein Erfolgskonzept weiterzutragen?!“ Die Gesamtkosten von rund 20.000 Euro wurden beim Pilotprojekt von Sponsoren aufgebracht. Der städtische Anteil war mit 1000 Euro gering, allerdings legten sich die Lehrerkollegien, das Fachamt im Rathaus und auch Eltern mächtig ins Zeug. „Es wäre schön, wenn dieses Projekt zur Regel werden könnte“, sagte Dezernentin Katarina Esser.

Im Fachausschuss gab es von allen Seiten Lob für den Kreissportbund und dieses Pilotprojekt. Harald Garding (SPD/Vorsitzender des Jülicher Turnvereins) bestätigte, dass der Sport-Check „auch wirklich bei den Vereinen ankommt“, also junge neue Mitglieder gewonnen wurden.

Eine Fortsetzung über 2017 hinaus bedarf aber neuer Sponsoren.

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